Es ist August, sprich Sommer, nur das Wetter hat es glaub ich noch nicht so ganz mitgekriegt. Es regnet, teils schüttet es schon seit Tagen und auch heute Freitag morgen ist es alles andere als Festivalsommerwetter. Ein Blick auf mein Wetterapp verspricht auch für den Rest des Tages nichts Gutes. Aber was solls ich mach mich trotzdem so gegen 16:00h auf den Weg nach Gossau, schlechtes Wetter kann man am Besten mit guter Musik verdrängen. Davon bietet das Rock On Music Festival heute Freitag für meinen Geschmack reichlich. Aber je näher ich Gossau komme, desto schwärzer werden die Wolken. Sollte es etwa wieder so schütten wie vor einem Jahr am gleichen Festival? Ebenfalls am Freitag? Damals nützte selbst der Regenschutz nichts mehr, dies war übelstes Festivalwetter. Soviel mal vorweg, es wurde nicht so schlimm, zwar regnete es den ganzen Abend immer wieder, aber nie all zu stark, es war eher Nieselregen. Das Gelände musste jedoch trotzdem dem Hudelwetter seinen Tribut zollen, da half auch alles Stroh streuen nichts, es war Schlamm und Matsch angesagt. Gut hat man als Festivalerprobter Mensch immer auch gutes Schuhwerk dabei, den heute wurde es gefordert.
So erfolgte die etwas länger dauernde Anfahrt, die Schweiz ist und bleibt ein Baustellen- und Stauland, eigentlich mehrheitlich problemlos. Nur wo ist das Festivalgelände hingekommen? Als ganz schlauer bin ich natürlich wieder dahin gefahren wie im Jahr zuvor, den Wegweiser hab ich leider keine gefunden. Nur da war eine leere Wiese vor mir. Aber man hat ja noch Augen, und ein Blick über die Eisenbahnlinie hat mir verraten, es ist umgezogen, auf eine grössere Wiese. Also zurück ins Auto und einmal aussenrum auf den Parkplatz. Etwas Festivalsignalisation wäre halt doch nicht so schlecht gewesen, nicht jeder schaut auf der Webseite nach, da wäre es ausreichend beschrieben gewesen.
Während ich mir dann die schlammtauglichen Schuhe anzog hatte ich dann auch schon als Soundtrack die Band Bad To The Bone dazu in meinen Ohren. Die aus dem St. Galler Rheintal kommende sechsköpfige Band sind also sowas wie die Lokalmatadoren. Ich finde im Grunde die Idee ein Festival mit einer Coverband anzufangen gar nicht so schlecht. Schliesslich werden meist bekanntere Stücke gespielt, die ein jeder kennt und versucht so schon mal Stimmung zu machen. Als ich mir meinen Festivalbändel umbinden liess kam so auch schon der Deep Purple Klassiker Perfect Strangers aus den Boxen. Und ja das Organ von Sänger Röbi Frick kam da ganz nah ans Original ran, dies war richtig Klasse. Aktivposten der Band, und auch der Blickfang war Gitarrist Dennis Mungo. Da gab es kaum eine ruhige Sekunde. Dennis turnte mit der Gitarre rum, da hab ich mich manchmal ein wenig an Janick Gers erinnert gefühlt. Wo ich dann aber ein wenig schmunzeln musste war die Ankündigung einen Song einer Schweizer Band zu covern. Na ja, klar Gotthard haben Hush auch gespielt, und Bad To The Bone hat sich an deren Version orientiert. Nur der Song geht halt doch viel weiter zurück bis Joe South. Aber es waren noch unterhaltsame 30 Minuten die ich erleben konnte. Bevor dann die erste Umbaupause losging.

Bad To The Bone - The Art 2 Rock
Bad To The Bone - The Art 2 Rock
Bad To The Bone - The Art 2 Rock

Als der Umbau abgeschlossen war betrat das Familienunternehmen Sons Of Sounds die Bühne. Sons Of Sounds sind die Gebrüder Roman (Bass/Vocals), Wayne (Gitarre) und der jüngste im Bunde “H” (Schlagzeug) Beselt. Wie sich im Verlaufe des Auftrittes herausstellte hatten sie erst ein wenig Mühe mit der Einreise in die Schweiz. Unsere Zöllner sollen es wieder einmal sehr gut gemeint haben mit den Musikern. Die aus dem Raum Karlsruhe stammende Band wollte unbedingt am Rock On Festival spielen, wie Roman festhielt. Er war im letzten Jahr noch als Roadie für Pink Cream ’69 und Bonfire in Gossau und fand es entsprechend cool, dass er nur noch Aufkleber seiner Band verteilte, wie er sagte. Dass es bereits ein Jahr später geklappt hat ist natürlich geil. Die Bands kriegen ja auch auf der Bühne immer Getränke angeboten, im Falle von Gitarrist Wayne sorgte dies nicht nur bei ihm für Schmunzler. Zugegeben, so kleine Becher hab ich echt auch noch nicht gerade gesehen. Kein Wunder gingen die im Nu weg und es musste noch während des Auftrittes Nachschub geliefert werden. Einen Vorteil haben die kleinen Becher ja schon, dass Bier wird nicht so schnell warm, was aber bei dem Wetter so oder so nicht der Fall gewesen wäre. Egal, was zählt ist der Sound der Sons of Sounds. Der war richtig cool, schubladisieren fällt hier schwer, da gibt es ein buntes Gemisch aus riffbetontem Metal dann werden wieder flott ein paar Läufe reingebracht um dann wieder im Offbeat zu enden mit Reggae Einflüssen. Ein richtig geile Mischung halt, welche die Bands als Free Metal bezeichnet, die auch die wenigen Zuschauer ansteckte und zum Mitmachen animierte. Zudem die Wayne und Roman die Bühne auch sehr gut auszunutzen wussten, selbst beim wieder etwas stärkeren Regen liessen sie sich nicht nehmen auf dem Laufsteg raus zum Bühnenrand zu kommen. Sympathisch auch die Geste, die beiden Kinder ins Trockene auf die Bühne hoch zu holen. Sie standen oder sassen dann da und einer der beiden Brüder tänzelte immer wieder mal um sie rum. Gegen Ende des Gigs liess es sich Roman auch nicht nehmen von der Bühne runterzugehen und sich den Weg durch Schlamm und Matsch zu bahnen. Ging ja auch ganz gut, noch waren nicht so viele Leute anwesend. Auch im Anschluss des Konzertes waren die einzelnen Mitglieder immer im Publikum für einen Schwatz zu haben und schauten sich auch die nachfolgenden Bands an. Zur Zeit sind sie ziemlich aktiv unterwegs und ein Konzertbesuch von Sons Of Sounds lohnt sich definitiv, sie machen wirklich gute Laune.

Sons Of Sounds - The Art 2 Rock
Sons Of Sounds - The Art 2 Rock
Sons Of Sounds - The Art 2 Rock

Dann kam für mich der eigentliche Grund weshalb ich mich entschieden habe ans Rock On Festival nach Gossau zu gehen. Unsere Lieblingsnachbarn aus Österreich, Serenity, betraten die Bühne. Ich bin zugegeben ein Fan von symphonischem Metal und Serenity schaffen es einfach jedesmal eine herrliche Konzertstimmung hinzukriegen. Das letzte Mal habe ich sie bei -18 Grad am Ice Rock Festival gesehen und war auch da begeistert. Heute war es zwar nicht mehr so kalt aber trotzdem nicht sommerlich heiss. Die Dame am Merch- Stand meinte zwar noch, dass es doch ein wenig kalt sei. Das Intro erklang und die Band stürmte zu Follow Me auf die Bühne. Was folgte war wieder grossartige Unterhaltung. Sänger Georg ist und bleibt einfach ein begnadeter Frontmann der weiss wie man ein Publikum packen kann. Ein Publikum dass immer noch nicht so zahlreich vorhanden war, vielleicht kommen ja dann alle zum Headliner. Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil, Serenity wurden frenetisch gefeiert. Es war unglaublich wie laut auch diese paar wenigen Fans vor der Bühne sein konnten. Georg begrüsste sogar Fans die aus Belgien angereist kamen. Natürlich wurde das immer noch aktuelle Album Codex Atlanticus als Grundlage für die Setlist herangezogen, bevor im Oktober dann der neue Silberling im Plattenregal stehen wird. Was ich am Sound von Serenity mag, sind die verschiedenen Stimmfarben, da singt auch mal der Bassist Fabio grosse Teile, oder Gitarrist Christian macht die tiefen Growls. Aber Serenity haben auch immer mal wieder eine Gastsängerin dabei. Am Ice Rock war noch Tasha mit von der Partie, die auch auf der Rock On Webseite angekündigt gewesen wäre (und deren Name auch auf der Setlist stand). Aber Georg begrüsste diesmal mit Melissa Bonny von Evenmore eine Schweizerin als Gastsängerin. So wie sie mir im Anschluss ans Konzert verraten hat, war dies der erste Auftritt mit Serenity was man aber nicht eine Sekunde anmerkte. Sie wirkte voll integriert in die Show der Tiroler und verstand es hervorragend mit Georg die Songs schon fast theatralisch vorzutragen. Die Band hatte ihren Spass schien mir, auch dass Missgeschick als Schlagzeuger Andreas ein anderes Lied als auf der Setlist stand anstimmen wollte, wurde dies mit viel Humor überbrückt. Ein Klasseauftritt wieder einmal von Serenity die am 27. Oktober dann wieder im Z7 anzutreffen sind.

Serenity - The Art 2 Rock
Serenity - The Art 2 Rock
Serenity - The Art 2 Rock

Sehr kurzfristig musste Xandria aufgrund einer Erkrankung von Sängerin Dianne ihren Auftritt absagen. Das Rock On Festival war gefordert, den solch eine Band ersetzt man nicht einfach so mit einem gleichwertigen Ersatz. Aber es ist den Verantwortlichen gelungen mit Sirenia einen hammermässigen Ersatz zu engagieren. Die mussten dann ja auch noch aus Norwegen anreisen. Leider dauerte die Umbaupause doch einiges länger als veranschlagt. So wie ich dass mitgekriegt habe, waren technische Probleme die Ursache. Kein Wunder bei Sirenia braucht es doch einiges an Material, welches ab Band kommt, und wenn der Laptop nicht so möchte wie er sollte, ist dass eben Scheisse. Als es dann endlich losging wurde schon eine gewaltige Ladung Gothic Metal losgelassen, teilweise recht hart, vorallem die älteren Nummern, was aber dann doch zum Headbangen eingeladen hat. Die von Morten Veland im Jahr 2001 gegründete Band verzichte bewusst auf einen Bassisten, was mir als Benutzer dieses Instruments natürlich ein wenig weh tut, aber mittlerweile doch auch bei anderen Bands hin und wieder vorkommt. Mich hat das Konzert der Norweger nicht so abgeholt wie erhofft. An was lags? Zum einen ganz sicher ging durch die lange Umbaupause der Fluss verloren. Zum anderen aber genau die Tatsache, dass ich bei einer Band dieser Stilrichtung mindestens einen Keyboardspieler auf der Bühne erwarte, dann kommen. So stehen aber weder ein Bass noch ein Keyboard auf der Gehaltsliste. Da aber doch sehr viel vom Sound ab Maschine kommt, hinterlässt es halt bei mir einen faden Beigeschmack. Dann kam mir auch Sängerin Emanuelle Zoldan oft ein wenig verloren vor, vorallem bei den Teilen wo Morten die Gesangslinien übernahm. Liegt vielleicht auch daran, dass Emanuelle erst knapp ein Jahr bei Sirenia ist. War sicherlich ein guter Auftritt der Respekt verdient hat, weil man so kurzfristig einspringen musste, aber eben mich hat es nicht abholen können.

Sirenia - The Art 2 Rock
Sirenia - The Art 2 Rock
Sirenia - The Art 2 Rock

Dann war es Zeit für den Headliner aus Finnland, Battle Beast. Ihr letztes Album Bringer Of Pain könnte man locker auch als Best Of Platte betiteln, denn einen Ausfall gibt es auf diesem Album nicht. Wenn ich richtig durchgezählt habe waren es insgesamt acht Songs aus dem Album die es auf die Setlist geschafft haben. Aber hey, wo blieben denn die Leute, auch bei Battle Beast gab es direkt vor der Bühne noch sehr viel Platz und nur gerade etwa fünf Meter dahinter noch mehr. Also da haben vorallem die letzten drei Bands des Abends auf ihren Konzerten jeweils locker 4 bis 5 mal mehr Publikum, schade. Aber auch Battle Beast sind Profis und lassen sich von sowas nicht beeindrucken, zumal die Anwesenden abgegangen sind wie Kinder auf Ritalinentzug. Es war schon ganz geil was da abging. Frontfrau Noora ist eine Rampensau, da gibt es keine Zweite, die kann einfach nicht ruhig stehen. Zudem ist sie schon fast permanent draussen auf dem Laufsteg (es regnet nicht mehr) und sucht den Kontakt mit den Reihen, ob mit den Augen oder Händen. Sie lässt es sich auch nicht nehmen am Bühnenrand niederzuknien und ein Gruppenknuddeln zu veranstalten mit allen die auch nur irgendwie die Bühne erreichen können. All diese Bemühungen werden auch immer wieder mit Battle Beast Rufen zwischen den Songs belohnt, was die Band sichtlich geniesst. Die Band selbst ist sowieso ein Thema für sich. Dieser wilde Haufen aus Helsinki sind so oder so nur zu Spässen aufgelegt. Da gibt Gitarrist Joona seinem Bruder und Keyboarder Janne während dem Spielen ein Bier auf Ex zum saufen, oder man greift sich gegenseitig in die Saiten resp. Tasten. Es startet also um Mitternacht eine Party auf der Bühne mit einem Knallersetlist, da wünscht man sich der Abend geht so nicht mehr zu Ende. Nur, und jetzt kommt vermutlich die Quittung der technischen Probleme beim Umbau von Sirenia. Um Punkt 1 Uhr in der früh ist die Geschichte zu Ende erzählt. Fehlt da nicht noch ne halbe Stunde. Battle Beast hätten eigentlich um 23:30h loslegen sollen um ein 90 Minuten Set abzuliefern. Leider konnten die Finnen aber erst um Mitternacht loslegen. So hat es leider nur zum “normalen” Festivalset über eine Stunde gereicht. Dabei hätte man noch so einige Nummern spielen können, aber nein nicht einmal eine Zugabe wurde mehr gewährt, schade. Nichts desto trotz, der Auftritt selbst war voller Energie und Party ohne Ende. Genau so wünscht man sich ein Konzert.

Battle Beast - The Art 2 Rock
Battle Beast - The Art 2 Rock
Battle Beast - The Art 2 Rock

Was ich aber bei besten Willen nicht verstehe. Da hat man solch geile Bands verpflichten können. Mit Battle Beast einen würdigen Headliner der zur Zeit wirklich eine geile Show nach dem anderen abliefert, und es hat keine Leute. Ich bin sehr schlecht im schätzen, drum lass ich dass lieber gleich sein. Aber wenn schon nur gerade mal ein paar Meter vor der Bühne die Ränge belegt sind, fragt man sich schon wie es um die Zukunft dieses Festivals bestellt ist. Auch weil es im letzten Jahr am Freitag ebenfalls nicht besser ausgesehen hat. Klar spielt der Wettergott auch seine Rolle, aber Festivaltickets verkauft man mehrheitlich doch wohl eher im Vorverkauf denke ich. Vielleicht liegt es daran, dass es keine Campingfläche gibt, vielleicht auch einfach an der Übersättigung des Marktes. Ich hoffe es schaut die restlichen Tage dann besser aus.