Endlich war es am letzten Samstag wieder einmal soweit. Endlich fand ich Zeit auch wieder an ein Konzert gehen zu können. Konzerte die seit knapp einem Monat wieder möglich sind, sofern man gewisse Auflagen befolgt. Obwohl, ich gebs zu, ich habe bis zum Schluss gezittert, ob die CD-Taufe der neuen The Order Platte Supreme Hypocrisy auch stattfindet. Die vergangene Woche zeigte einmal mehr, dass in der Schweiz jeder ein wenig macht was er will. So ist der Kantönligeist, aufgrund einige Vorfälle im Nachtleben, wieder voll am zuschlagen. Haben doch einige Kantone die Schraube wieder mächtig angezogen und die Limite der Besuchergrenze brutal runtergeschraubt auf 100 Personen. Im Z7 blieb aber alles beim Alten. So bildete sich zur Türöffnungszeit eine kleine überschaubare Schlange mit dem nötigen Respektabstand und auch der Einlass funktionierte reibungslos, da sich, so wie ich gesehen habe, die meisten das Besucherformular schon vorher ausgedruckt und ausgefüllt hatten.

Pünktlich um 19:00 starteten die drei Brüder Sven, Finn und Noah Rupp ins Programm. The Rule nennen sie sich und auch bei ihnen hätten die vergangenen Monate anders ausgesehen. Ende März wäre die Taufe ihrer EP Ogre vorgesehen gewesen. Aber auch der in der Grabenhalle stattfindende Anlass konnte aus bekannten Gründen nicht stattfinden. So kam der Gig im Z7 gerade richtig um nicht aus der Routine zu kommen, standen im Vorjahr über 20 Konzerte auf der Agenda, ist dies der erste in diesem Jahr, wenn meine Quellen richtig liegen. Sie haben sich musikalisch den 70er Jahren verschrieben und spielen rotzig frechen Hard Rock. Was für mich interessant begonnen hat, wird dann mit der Zeit eher langatmig. Viele instrumentale Parts und gar ein Schlagzeugsolo in den gut 30 Minuten verpackt ist zwar schön und gut, aber dazu habe ich zu wenig Affinität zu dieser Art von Musik und meine Haltung gegenüber Schlagzeugsolos wird auch nicht besser. Respekt zolle ich Finn, dem Sänger, er hat seine Stimme wirklich gut im Griff und weiss auch in hohen Lagen zu überzeugen.

Nach der kleinen Umbaupause folgten Fighter V aus Hergiswil. Es ist ein offenes Geheimnis, der Fünfer hat es mir angetan und ich sehe sie als die Schweizer Shooting Stars der melodischen Hard Rock Schiene mit ausgeprägtem 80er Flair. Gegenüber den 70er liegt mir diese Ära auch viel mehr, zudem bin ich ein Kind der 80er und mit dieser Musik gross geworden. Ich habe Fighter V nun schon ein paar Mal live gesehen und enttäuscht wurde ich noch nie. Heute jedoch sah ich sie zum ersten Mal im Z7 auf einer doch etwas grösseren Bühne als auch schon. Ungewohnt für mich, Felix war diesmal rechts von Lucien (von der Halle aus gesehen) und Lucien spielte nicht mit seinem beleuchteten Drum um Umbauzeit zwischen ihnen und dem nachfolgenden Headliner The Order einzusparen. Die Grösse der Bühne mag viele junge Band manchmal zu überfordern, nicht aber Fighter V die ihren Arbeitsplatz ohne weiteres auszunutzen wussten. Dave hatte richtig genug Platz für seine turnerischen Einlagen inklusive seinem obligaten Spagatsprung, der sowas wie zu seinem Trademark wird, schöner sprang nur David Lee Roth. Als Can’t Stop The Rock angestimmt wurde, dachte ich mir insgeheim, hoffentlich ist dies so, hoffentlich kann der Virus den Rock nicht stoppen. Es war nämlich wirklich befreiend wieder einmal in Konzert erleben zu dürfen, die vielen bekannten Gesichter wieder zu treffen, wieder einen Schwatz zu führen, obwohl bei fast jedem Gespräch früher oder später auf die gegenwärtige Situation eingelenkt wurde. Dave forderte dann bei der Ballade There She Goes auch zum rumknutschen mit Maske auf, die wohl neue Art von SaferKissin’. Natürlich fehlte auch die obligate Bon Jovi Coverversion in Form von Runaway nicht in der Setliste. Ehrlich gesagt, Jon singt den längst nicht mehr so gut. Turn It Up beendete ein wiederholt geilen Auftritt der Nidwaldner. Bin gespannt wann sich unsere Wege wieder kreuzen werden, hoffentlich schon bald.

Eine erneute kurze Umbaupause folgte und es stand bereits The Order auf der Bühne. Kurzum das Bier noch schnell leeren und nach vorne in den Fotograben spurten, zum Glück war das Intro doch noch ein wenig länger als erwartet. The Order haben am 22. Mai ihr neues Album Supreme Hypocrisy veröffentlicht. Kurz darauf rumpelte es in der Besetzungsliste und Bassist Andrej verliess nach 16 Jahren freundschaftlich die Band. Der neue Mann am Tiefsaiter ist Alain Schwaller, vielen bekannt von Crystal Ball, Daydreamer und aktuell auch als Sänger und Bassist von Frozenroom. Alain hatte gerade einmal drei Wochen Zeit, die komplette Setlist einzuüben. Vom Härtegrad wurde noch eine Schippe zugelegt und nach den 70er und 80er Jahre ist man dem modernen Heavy Metal noch etwas näher gekommen. Schweisstreibende Riffs bolzten durch die durch Auflagen fremdbestimmte Zuschauerzahl. Eigentlich habe ich mehr Songs aus dem neuen starken Album erwartet, welches immerhin auf Platz 28 der Hitparade sich zu platzieren vermochte. Die ersten drei Songs der Show liessen es vermuten, waren es exakt die gleichen des Albums. Dann aber folgte ein Rückblick durch die letzten 15 Jahre der Band. Zur obligaten Taufe der Platte holte Gianni sich den Produzenten V.O. Pulver auf die Bühne, der beim nachfolgenden Songs dann auch noch gesangstechnisch aushelfen durfte. Bridges Burning beendete das offizielle Set, anders als normal wurde die Pause aber nicht für Zugaberufen genutzt, obwohl die auch da waren. Nein, es wurde ein Stagepiano aufgestellt und Sänger Gianni outet sich als grossen Savatage Fan. Ähnlich dem Maestro Jon Oliva folgte nun die neue Ballade Sometimes nur mit Gianni auf der Bühne, der sich auch am Piano gleich selbst begleitete. Gitarrist Bruno entpuppte dann noch seine Talente als Stagehand, als das Piano dann wieder von der Bühne musste. Zwei Songs sollten noch folgen bevor dann mit Son of Armageddon der Samstagabend beendet wurde.

Es war ein gelungener Konzerteinstand, auch wenn ich mir die Normalität sehnlichst zurück wünsche. Auf Dauer kann auch ein Z7 mit ihrem The Summer Of 2020 Konzept nicht bestehen, schon gar nicht bei den Besucherzahlvorgaben des Kantons. Die letzte Woche ausgerufene verschärfte Situationen führt auch dazu, dass, so wie ich gehört habe, alles was nach Juli im Z7 stattfinden soll, vorerst noch auf der Kippe steht. Obwohl das Z7 mit den nötigen Massnahmen auch weiterhin 300 Personen reinlassen darf. Fakt ist, zur Zeit fahren Politik, Kantönligeist und die grossen Medien eine ganze Branche den Bach runter, mit ihrem Hin und Her, klar Gesundheit geht vor, dies ist auch für mich klar. Nur was zur Zeit abgeht ist für mich fern jeglicher Logik. Das Z7 hat alles richtig gemacht um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten und es wäre schade wenn meine Lieblingsstereoanlage demnächst wieder verstummen sollte.