Es ist vorbei, das Wacken Open Air im Norden Deutschlands. Ein Thema aber füllt zur Zeit die Berichterstattung über das Festival rund um den Globus. So gab es während dem Auftriff von Dio Disciples einen Auftritt von Ronnie James Dio………. als Hologramm. Man darf davon halten was man will, sicherlich war es für einige Anwesende magisch, sicherlich ist es technisch eine Meisterleistung für ein Open Air. Aber brauchen wir das? Sollten wir die Toten nicht ruhen lassen? Die Legende lebt weiter auch ohne solche Spielereien. Der Zauber des Liveauftrittes geht in meinen Augen doch komplett verloren. Wo führt dass den hin, auf einmal sehen wir nur noch virtuelle holografisch dargestellte Künstler auf der Bühne. Wir bezahlen Eintritt für eine Illusion. Es können Traumbands zusammengestellt werden, stellt Euch vor auf einmal kauft ihr Tickets für ein Konzert von Dimebag, Cozy Powell, Ronnie James Dio und Sid Vicious, alle in ein und derselben Band. Oder ein Duett zwischen Elvis und Amy Winehouse. Es gibt genügend Songschreiber auf dieser Welt, die glauben einem Künstler einen Song auf den Leib zu schreiben. Dann heisst es nicht mehr, es seine verschollene und unveröffentlichte Songs aufgetaucht. Nein, dann heisst es Freddy Mercury bringt ein neues Album auf den Markt, mit neuen Songs. Warum will man das? Ich glaube es liegt daran, dass die heutigen Künstler alle austauschbar sind, und keiner mehr das Zeugs zur Legende oder Ikone hat. Ist Ozzy die letzte lebende Legende unter den Sängern, Nachdem auch Lemmy von uns gegangen ist. Sind wir in der Zivilisation nun wirklich so weit, dass wir uns nur noch von der Virtualität steuern lassen. Es gab schon vor Jahren in Japan Diskussionen darüber, komplette Fussballspiele virtuell in ein Stadion zu projezieren. Dann steuern Mobiltelefone mit ihren VR Geräten auch ihr weiteres dazu, und jeder schlüpft in den AHA Modus rein, ganz zu schweigen von der Spieleindustrie, da gibt es diese VR-Geschichten schon lange. Ich will aber kein virtuelles Konzert. Die komplette Magie geht doch verloren, wo bleibt dann die Interaktion mit dem Publikum? Sicherlich kann man diese Mitsingparts auch reinproduzieren. Aber was ist mit dem Augenkontakt, was ist mit dem rauswerfen von Plektren und Drumsticks. Auch Setlists werden nicht mehr an den Bühnenrand geklebt, die dann den Leuten weitergegeben werden können. Wer eines dieser Goodies erhaschen kann, erinnert sich jedesmal an den Moment. Ich sehe keinen Sinn in der Euphorie über ein Ronnie James Dio Hologramm, echt nicht. Ich sehe eine Gefahr darin, dass war schon damals so, als Kraftwerk es schaffte an zwei Orten gleichzeitig aufzutreten, mit Robotern. Fand ich damals auch noch cool, ich war auch jünger und liess mich davon blenden, von der Gewinnmaximierung. Sollte diese Hologrammgeschichte salonfähig werden, werden wir auf einmal vor dem Problem stehen, dass sich Bands zuhause auf eine Bühne begeben werden, und an einem Tag an x-beliebigen Orten “live” auftreten kann, mittels Holografie. Gewinnmaximierung ist das Stichwort, geringe Produktionskosten, kein Reisen, kein Bühnenaufbau, keine Angestellten die bezahlt werden müssen, kein gar nichts, vorausgesetzt es wird salonfähig und dadurch billiger in der Produktion. Es gibt sie nicht mehr die klassische Tour, es gibt nur noch Konzerttage, mit einem einzigen Liveereignis und unzähligen virtuellen Konzerten. Ich gebs zu, ich bin ein wenig am Schwarzmalen, aber denkt mal darüber nach, was da ausgelöst werden könnte. Ich will das nicht, ich will den Livemoment noch als Livemoment erleben können, und ich möchte diesen Moment mit individuellen Shows und Erlebnissen der Interaktion für mich behalten können. Es reicht doch schon, dass sich Musiker nicht einmal mehr im Studio sehen, weil sie auf der ganzen Welt aufnehmen können, und danach nur noch die Daten hin und her schicken.