Letztes Jahr am Summerside hatte ich die Ehre Voltage Arc von der Bühne aus zu fotografieren. Ich kenne die Band ja mittlerweile recht gut und weiss, dass Airbourne zu ihren Vorbildern gehört. Damals traten am gleichen Abend die Australier ebenfalls auf den gleichen Brettern, die die Welt bedeuten. Alleine diese Tatsache war damals schon ein cooles Unterfangen. Airbourne wurden kurz danach für das Kofmehl bestätigt, so weit so gut. Auch wenn ich zu Hause zwei Fans des Adrenalin getriebenen Quartetts habe, wurde dies einfach so zur Kenntnis genommen. Aber als dann vor ca. einem Monat Voltage Arc als Support bestätigt wurde, sah die Geschichte schon anders aus. Die Akkreditierung musste geschrieben werden zusammen mit dem Erwerb von zwei Tickets. Auch wenn den Burschen aus „Böju“ nur eine halbe Stunde Bühne zugeschrieben wird, alleine die Tatsache das Toni, Timon, Moritz und Merlin das Vorprogramm von Airbourne bestreiten, war die rund 90-minütige Anreise wert. Früh genug angereist schmeissen wir uns in das noch locker gefüllte Kofmehl. Dies wird sich jedoch schon sehr bald ändern. Denn das Kofmehl ist bis auf den letzten Platz ausverkauft, was auch nicht anders zu erwarten war, auch wenn es ein Mittwoch ist. Eigentlich habe ich schon gestaunt, dass Airbourne hier spielen, sie würden locker grössere Hallen füllen. Es wird aber nicht nur im Publikum sehr eng. Auch im Fotograben muss ich meinen Bauch einziehen, ist halt auch kein Six-Pack mehr. So nah am Geschehen war ich schon lange nicht mehr, ist wohl eine gute Entscheidung gewesen heute auch das 10mm Objektiv mit im Gepäck zu haben.
Eröffnet wird das Rock-Fest pünktlich, also wie erwähnt von Voltage Arc. Es ist ein geschickter Zug eine junge einheimische Band zu verpflichten. Schon vom ersten Akkord zu „Hardrock Hotspot“ schwärmen richtig viele Leute in den Saal. Die Band hat einfach schon eine richtig grosse Anhängerschar auch ausserhalb ihres überall anwesenden Fanclubs. Dies macht sich sehr schnell bemerkbar, als Toni das Publikum animiert. Es wird laut und schweisstreibend, nicht nur auf der Bühne. Dabei beweisen Voltage Arc auch Mut. Mit „Finally Free“, „Blood“ und „Life Lover“ spielen sie alle drei bisher bekannten neuen Songs, des in Bälde erscheinende Albums „Fire“. Aber auch diese werden frenetisch abgefeiert, was ein gutes Omen für die neue Platte ist, ich bin auf alle Fälle sehr auf das Album gespannt. Die Songs können sich auch wirklich gut behaupten und zeigen, das Voltage Arc imstande sind, Songs zu schreiben, die vor allem eines sind, livetauglich. Zudem haben sie einfach auch bei jedem Konzert diesen ansteckenden Spass auf der Bühne, der sich sofort aufs das Publikum zu übertragen mag. Sechs Songs spielen sie, geizen nicht mit ihren üblichen schweisstreibenden Posen und lassen ein durchaus, sehr gut vorgewärmtes, Publikum zurück, als sie die Bühne verlassen. Nur um kurz danach vereint am Merch-Stand zu erscheinen und dort wie üblich Fan-nah für Selfies bereitstehen, Merch unterschreiben, oder einfach sich für einen Schwatz hingeben.
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Nach der Umbaupause beginnt die Show mit einem kurzen Intro, und sofort bricht die Hölle los. Die Band steigt mit „Gutsy“ brutal direkt in das Set ein und stellt von Sekunde eins an klar, dass heute keine Gefangenen gemacht werden. Frontmann Joel O’Keeffe gibt alles und wirbelt wie ein adrenalingetriebenes Duracell-Häschen von einer Bühnenseite zur anderen. Dabei benutzt der die Monitor-Wedges auch immer wieder mal als Absprungrampe. Mit „Too Much, Too Young, Too Fast“ und „Blonde, Bad and Beautiful“ folgen gleich die zwei nächsten Kracher, welche das Publikum bereits schon an den Rand eines Hitzekollapses bringt. Nach dem dritten Song bin ich grundsätzlich eigentlich schon ganz froh, der Fotograben wieder verlassen zu dürfen. Ich habe die letzten 15 Minuten mit einem Auge immer den Gitarrenhals der Rampensau Joel im Blick. Nicht das ich mir hier noch eine Schnatte einfange. Wie bereits geschrieben, näher am Geschehen als heute Abend geht einfach nicht. Aber nicht nur deshalb, es sind auch diese zwei Beschallungselemente die nah am Bühnenrand stehen und ins Publikum gedreht sind. Diese sind so dermassen laut aufgedreht, da wirkt auch Manowar wie ein Kindergeburtstag, zumindest gleich hier im Fotograben. Während Joel wie der von einer Hornisse gestochene Derwisch über die Bühne wirbelt. Sind seine Mitstreiter, Brett Tyrell und Justin Street, sich entweder am Mikrofon befinden oder zwei Schritte zurück vor der Marshall-Wand. Airbourne brettern ihre Akkorde schnörkel- und gnadenlos ins Kofmehl und ergeben sich voll und ganz dem Rock’n’Roll ohne doppelten Boden. Nicht nur die „Devil Horns“ werden in die Höhe gestreckt, da erscheint auch eine Krücke im vorderen Drittel, was auch nicht unbemerkt bleibt. Joel wirft dem Inhaber der Gehhilfe ein Bier zu, doch erst der zweite Versuch, gelingt so, dass der Inhalt zumindest teilweise noch im Becher bleibt. Der Rest endet als Bierdusche im Gravitationsumfeld. Dies bleibt dann aber auch für den Rest des Abends so. Man könnte auch sagen, das Airbourne mit ihrem heissen Rock, die Bier-Sprinkler-Anlage ausgelöst haben. Nicht unbemerkt bleibt auch der Rock’n’Roll Nachwuchs in der vordersten Reihe, und werden mit Plektren versorgt. Ganz grosses Kino auch, dass ein Mitglied der Crew mitten im Set, den Kids auch noch gleich ein paar Drumsticks vorbeibringt. Es macht den Australiern auch sichtlich Spass, hier und heute im Kofmehl zu spielen. Joel betont auch explizit, wie wichtig solche lokalen Clubs für die Szene sind. Wer Airbourne kennt, weiss, dass war es noch nicht mit der Publikumsnähe. Es kommt was kommen muss. Joel begibt sich auf die Schultern eines Helfers und zieht seine ausgedehnte Runde durchs Publikum. Haut sich die Bierbüchse am Kopf auf, so dass der Bierduft auch in den hinteren Reihen den Schweissgeschmack verdrängen mag. Nach jedoch nur gerade neun Songs verabschiedet sich die Band von der Bühne und beendet das reguläre Set. Kommt jedoch nochmals zurück und haut noch einmal drei Gassenhauer raus. Die Zugabe erlebe ich dann jedoch nicht mehr im Innenraum sondern, bei einem Schwatz vor der Halle. Als sie „Runnin‘ Wild“ anstimmen, dreht der Innenraum komplett am Rad, wir sind dann jedoch gerade dabei, das Tor des Kofmehls zu verlassen, um uns auf den Heimweg zu machen. Mit einem Lächeln im Gesicht und dem Wissen heute wieder einen richtig geilen Abend mit purem Rock in seiner erdigsten Form erlebt zu haben.