Ich habs schon mehrmals erwähnt, der New Wave of British Heavy Metal, kurz NWoBHM. hat mich in der Jugend neben vielen anderen Stilrichtungen auch massgeblich geprägt. Jetzt wurde sogar Praying Mantis, eine Band aus dieser Zeit, sogar mit dem Album des Monats gekürt. Es gibt aber neben den ganz grossen Bands die ihre Wurzeln im NWoBHM haben einige sträflich unterbewertete Bands, die leider nie den Ruhm einfahren konnten, den sie eigentlich verdient hätten. Vielleicht liegt es auch an den zum Teil unsäglichen Bandnamen, die einfach nicht für die breite Masse geschaffen waren, und so gar nie den Weg auf den Plattenteller fanden. Hätte man eingängigere Namen oder solche die nicht gleich mit komischen Sachen assoziert worden wären. gewählt, würde vielleicht die eine oder andere Scherbe mehr den Weg zum Hörer gefunden haben. Der Name New Wave of British Heavy Metal geht auf den Frühling 1979 zurück, als ein Journalist namens Geoff Barton ein Konzert des Dreigespanns Iron Maiden, Samson und Angel Witch besuchte, und nach dem Konzert in seiner Kritik diesen Ausdruck benutzte und so eine komplette britischen Szene definierte. Bands wie Iron Maiden, Def Leppard oder Motörhead schafften den Sprung in die oberste Liga, aber warfen zum Teil auch einen gigantischen Schatten auf viele viele Bands, die in der Folge nicht mehr den Weg ans Licht fanden. Auch nicht wenn selbst Bands wie Metallica, die selber grosse Verehrer des NWoBHM sind, immer wieder einmal Songs coverten und veröffentlichen die aus dieser Szene stammten, ich sag da nur einmal Diamond Head. Aber es gibt noch viele mehr, und die für mich am Meisten unterbewerteten Bands, die möchte ich jetzt hier einmal erwähnen.

Demon waren für mich der Zutritt zum NWoBHM. Ihr gleichnamiges Debut fesselte mich von Anfang an so sehr, dass ich das Intro sogar eine Zeitlang als Hintergrund für meinen Telefonbeantworter benutzte. Die aus Staffordshire stammende Bands hat so einige Klassiker abgeliefert, ohne auch nur annähernd die Anerkennung zu erhalten, die sie eigentlich verdient hätten. Mit Remembrance Day haben sie sogar meinen absoluten Lieblingssong überhaupt geschrieben, zu finden auf Taking the World by Storm, einem Album das man einfach haben muss. In den 90er Jahren versuchten sie zwar dann sich irgendwie am Space Rock zu orientieren was ziemlich bachab ging. Der Ruf nach Demon Konzerten ist aber nach wie vor vorhanden und die Live Show werden immer noch zur One Helluva Night.


 

Wie Demon sind auch Witchfynde Opfer der Verwirrung. Denn auch hier vermutet man hinter dem Namen eine andere Art der Musik. Aber nicht nur der Name, auch die Plattenhülle des Debüt Give ‘Em Hell mit Ziegenkopf und Pentagramm verlockt wohl eher Käufer einer anderen Stilrichtung zum Erwerb. Anstelle von Black Metal (der Begriff wurde übrigens erst später “erfunden”) kommt dann aber reinster Hard Rock mit Ecken und Kanten aus den Boxen gedröhnt.


 

Wenn wir schon bei Hexen sind. Der Name Witch fand man in diversen NWoBHM Bands, was wohl äusserst im Trend lag damals. So auch bei einer weiteren unterbewerteten Band namens Witchfinder General. Sie entlehnten sich den Namen aus einem 1968 gedrehten Horrorfilm mit Vincent Price in der Hauptrolle über einen sadistischen und korrupten Hexenjäger. Der Inhalt enthielt aber eine gehörige Portion Sleaze vermischt mit ein wenig Doom. Die Band hat bisher drei Platten veröffentlicht und ist nach einer Auszeit von 22 Jahren seit 2006 auch wieder mehr oder weniger aktiv.


 

Viele von Euch kennen noch die Sesselfurzer Beavis & Butt-head. Grim Reaper hatten, wie viele andere Bands auch, ihren Auftritt in der Sendung und lieferten ebenfalls ein paar in Vergessenheit geratene Perlen ab, die heute kaum einer mehr kennt.


 

Tank sind heute noch aktiv und haben mich gerade eben am Bang Your Head Festival vollends überzeugt. Das Debut ist ein Meisterwerk und ich bin echt gespannt auf den schon bald erscheinende Neuling. Darauf ist dann auch erstmals der ehemalige Dragonforce Sänger ZP Theart zu hören.


 

Genau wie Witchfinder General waren auch Pagan Altar die Aussenseiter der Aussenseiter. Pagan Altar spielt nicht auf Geschwindigkeit, alles ging gemütlicher und doomiger zur Sache. Alles was die Burschen zur Hochkonjunktur des NWoBHM zustande brachten war ein selbstbetiteltes, selbstproduziertes Demo, welches wie wild in der Szene herumgereicht wurde. Darum wurde wohl nie wirklich etwas aus den den Engländern aus Brockley und die Band löste sich 1985 schon wieder auf, dann erschien 1998 auf einmal ein Album und die Band war ab 2004 dann auch wieder richtig produktiv, und brachte in den letzten Jahren auch regelmässig Alben raus. Übrigens schrieben sie mit Judgement of the Dead eines der geilsten Gitarrenriffs überhaupt.


 

Tokyo Blade dürfte dann wieder mehreren bekannt sein. Gegründet wurde die Band als Killer und kurzzeitig nannte man sich auch Genghis Khan, sind jedoch keine Japaner sondern sind gleich neben Stonehenge gross geworden. Dass sie nie gross rausgekommen sind liegt vielleicht auch daran, dass die Liste der ehemaligen Musiker schon fast rekordverdächtige Ausmasse annimmt, ob sie alle Opfer des Samurais geworden sind entzieht sich meiner Kenntnis.


 

Neben dem einem der coolsten Bandnamen, sind Clove Hoof aus Wolverhampton die wahrscheinlich teuflischste Band der NWoBHM Bewegung. Der Rest der Szene benutzte zwar auch viele Monsterthemen, und einige schafften es sogar wie Eddie von Iron Maiden zu Weltruhm. Gegen Ende der 80er Jahre wandte man sich thematisch immer mehr der Science Fiction zu, dies war jedoch nicht von Erfolg gekrönt und die Alben floppten. Und so löste sich Cloven Hoof 1990 ein erstes Mal auf. Wie aber so fast jede Band, feierte man 2004 wieder ein Comeback, und sind mittlerweile auf etlichen Sommerfestivals anzutreffen.


 

Wie Black Sabbath stammen auch Quartz aus Birmingham. 1974 als Bandy Legs gegründet tourte man auch gemeinsam, aber man spielte auch als Vorgruppe von AC/DC. Danach hat man sich in Quartz umbenannt. Ist aber somit eine der älteren Bands des NWoBHM. Stilmässig war es irgendetwas zwischen Hard Rock und Heavy Metal, und sprach somit die Fans beider Lager an. Live war Quartz sehr aktiv und spielte immer wieder als Vorgruppe andere englischen Bands die den Sprung geschafft hatten wie Iron Maiden oder Saxon, bis es 1983 dann zur Auflösung kam. 2011 gab es einen Reunion Gig in Birmingham und 2015 mit Too Hot To Handle auch ein neues Album.