Auch wenn der Song New Year’s Day von U2 darauf hoffen lässt, es könnte sich um einen Titel über einen Hangover nach der Silvesternacht handeln, der irrt sich natürlich ganz gewaltig. U2 war ja noch nie die Partyband. Der Song ist natürlich, wie bei U2 so oft, politisch inspiriert. So geht es hier um die von Lech Walesa angeführte Solidaritätsbewegung Solidarnosc in Polen, an die ich mich noch gut erinnern kann, obwohl ich damals noch ziemlich grün hinter den Ohren war und mich politisch so rein gar nichts interessierte. Lech forderte als Anführer diese Bewegung die repressive Herrschaft heraus. Die Folge war, die Bewegung wurde im Dezember 1981 verboten und Lech Walesa verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Nach den Aufnahmen des Songs kündigte Polen die Aufhebung des seit dem 13. Dezember 1981 bestehenden Kriegsrechtes an, was zufällig am Neujahrstag 1983 geschah, also kurz vor Veröffentlichung der Single am 10. Januar 1983.
New Year’s Day war die erste Single vom dritten Album War. Produziert wurde er von Steve Lillywhite, der ihnen half, die Energie die sie damals live auf die Bühne brachte, auch auf Vinyl zu bannen. Obwohl es New Year’s Day nur knapp aufs Album geschafft hat, da Bono Mühe hatte die richtigen Worte für den Text zu finden. Bono textet jedoch oft erst im Studio, anscheinend braucht er den Druck. Zum Glück hat er es dann doch noch geschafft und der Song wurde die erste Nummer, welche die US Billboard Charts knackte und bis Platz 53 vorstiess. Zudem war es die erste Top 10 Rangierung in England. In der Schweiz reichte es noch nicht für die Charts. Da half auch das Airplay von MTV nicht, die das im schwedischen Sälen gedrehte Video auf und ab spielten. Die Reiter im Video sollten zwar die Musiker von U2 darstellen, sind in Wahrheit jedoch vier weibliche Teenager, da keiner von U2 erfahrene Reiter waren und sie vom Dreh am Vortag noch genügend Kälte intus hatten.
Die einprägsame Basslinie von Adam Clayton ist übrigens der Versuch, Fade To Grey von Visage nachzuspielen. Zum Glück klappte es nicht, so entstand für mich eine der wichtigsten Basslinien die ich kenne und selbst immer wieder gerne nachspiele.