Die Sommerfestival Saison wird traditionsgemäss in Interlaken mit dem Greenfield Festival gestartet. Mittlerweile hat es einen festen Platz gefunden im europäischen Festivalbetrieb und dies heissen auch sehr viele treue Fans gut. So finden sich bereits am Donnerstag extrem viele Fans auf dem Gelände wieder, sicherlich dem Headliner geschuldet, aber auch alle anderen Bands lassen, die die Fans von harten Klängen im Kreise tanzen. Insgesamt finden sich über die drei Tage rund 84’000 Besucher ein, gleich viele wie im Jahr zuvor. Interessant zu wissen, dass es dabei 48% weibliche Fans hat, was für ein Festival der harten Sorte doch erstaunlich hoch ist. Ich selbst trat die Anreise bereits am Mittwoch an. Nach dem heftigen Regen über den Brünig stellte ich mich auf einen gemütlichen Abend im Hotel ein. Aber siehe da in Interlaken war es trocken und auch angenehm warm, also ab auf das Gelände. Nur kam ich vorerst nicht so weit, da bereits bei der ersten Gartenbeiz mir schon ein paar bekannte Gesichter entgegenrufen. Also erst mal hinsetzen und sich etwas genehmigen. Dabei durfte ich wieder den vollen Service von Bömmel geniessen. Wie immer hatte er ein ausführliches Festivalprogramm bei sich und händigte mir eins aus, was mich über das komplette Festival hindurch begleitete. Letztlich schaffte ich es dann doch noch aufs Gelände und stattete erst einmal dem Mittelaltermarkt und dem Shelter 666 einen Besuch ab. Unglaublich in welcher Detailtreue hier alles in den Kleidern und Requisiten steckt. Irgendwann machte ich mich dann wieder auf meinen halbstündigen Rückmarsch und traf die auf dem Hinweg zurückgelassenen Kollegen: innen wieder an, was dann natürlich wieder zu einem Boxenstopp führte.

Der Donnerstag

Es gehört zum Greenfield dazu wie zu Interlaken die Gleitschirmflieger, die Alphornbläser. Sie durften erneut mit urchigen Klängen das Festival eröffnen. Das bereits recht zahlreiche Publikum vor der Bühne ruderte wieder wie wild. Die erste Wall of Death formierte sich und auch der erste Moshpit liess nicht lange auf sich warten. Um den Übergang zum rockigen etwas sanfter zu gestalten, spielten sie dann noch Heaven von Gotthard mit Alphorn, Büchel und von einem Keyboard begleitet. Es konnte also losgehen. Ich muss aber noch hinzufügen, dass aufgrund der beiden Bühnen und die Wechsel hin und her, meine Zeit an der kleineren Eigerstage jeweils sehr begrenzt war und die Bands leider nicht immer meine verdiente Aufmerksamkeit geniessen durften. Deshalb kommen sie in meinem Bericht dann halt leider auch ein wenig zu kurz.

Pünktlich dann um 14:30h geht es mit dem Festival richtig los. Less Than Jake betreten die Bretter, die die Welt bedeuten. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Ska-Punk Band das Festival eröffnet, und es erweist sich erneut als die richtige Entscheidung. Die Jungs aus Florida sind sichtlich begeistert von der Kulisse und dem schon recht ordentlichen Publikumsaufmarsches zu dieser «frühen» Uhrzeit. Sänger Chris erzählt noch, wie er mit der Mutter telefoniert hat, und ihr erklärt hat, er befinde sich im Paradies. Auf alle Fälle schaffen sie es für gute Stimmung zu sorgen und holen sich sogar eine Person aus dem Publikum zu sich auf die Bühne.

Der Blick gegen den Himmel lässt nicht viel Gutes erahnen. Die Wolken werden dichter und meine Kollegen von Plekvetica, die aus der Region um den Thunersee stammen, erklären mir, auf was man achten muss, wenn man das Wetter bestimmen möchte. Unbeirrt davon betreten Enter Shikari die Bühne. Die Engländer bezeichnen ihren Stil selbst als Trancecore, in meinen Ohren lassen sie sich aber viel zu schlecht schubladisieren, da sie von Pop bis Hardcore so ziemlich alles in ihren Sound werfen. Für mich ist es die erste Begegnung mit der Band und mich begeistert die Vielseitigkeit dieser Truppe. Dieser abgefahrene Synthie auf Rollen, der von Sänger Rou (der mich an Muse erinnerte) immer wieder malträtiert wurde, zog meine Blicke auch immer wieder mal auf sich. Ziemlich abgefahren was diese Band mit ihrem Stilmix da vollbracht haben. Etwas, was ich eigentlich nur Engländer zumute.

Danach ging es zum ersten Mal runter an die Eigerstage, da spielen mit Bloodred Hourglass eine Melo Death Band die ich vor Jahren am Greenfield für mich entdeckt hatte und mich damals völlig weggeblasen haben. Gerne wäre ich länger als die drei Songs die ich knipsen konnte geblieben, aber das Zeitfenster bis zur nächsten Band auf der Jungfraustage war nicht so gross, dass ich die Band vollends geniessen konnte. Schliesslich wollte ich wieder so viele Bands wie möglich auf die Speicherkarte bannen. Zudem musste noch etwas für den Durst getan werden und ein Tankstopp bei einem der vielen Getränkestände musste dann doch noch sein.

Stammgäste gibt es am Greenfield Festival auch immer wieder, auch wenn ca. ein Drittel der auftretenden Bands noch nie in Interlaken gespielt haben (teilweise auch noch nie in der Schweiz), es gibt sie auch, diese Dauergäste. Zu ihnen zählen die deutschen Punk Rocker Donots. Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist es bereits das siebte Mal, dass sie im Berner Oberland zu Gast sind. Auch sie betonen immer wieder, dass es das schönste Festival ist, zumindest das schönste in der Schweiz. Legen dabei auch eine unglaubliche Spielfreude an den Tag, die einfach mitreisst. Die Donots sind einfach ein Garant als Liveband, die lassen nichts anbrennen. Im Gegensatz zu vielen ihrer deutschen Punk Rock Kollegen singen sie zwar einen Grossteil ihrer Songs auf Englisch. Da der Regen nun mittlerweile doch etwas stärker eingesetzt hat, schaue ich mir einen Grossteil der Show von der hervorragend platzierten Memberloge an, von wo man einen ausgezeichneten Ausblick auf die Bühne hat. Ich werde von da auch Zeuge von den ausgedehnten Ausflügen von Sänger Ingo ins Publikum. Als ich mich dann bei Nieselregen auf den Weg zur Eigerstage machte, packten sie dann auch noch «We’re not gonna take it» von Twisted Sister aus. Damit war die Party nun aber endgültig lanciert. Bei diesem Klassiker geht einfach jeder steil, auch hier auf dem Flugplatz und nicht nur im altehrwürdigen Tunnel des zu Grabe getragenen Bang Your Head Festivals.

Mit den Menzingers kam für mich dann auch gleich die nächste Livepremiere. Die vier aus Philadelphia haben sich auch dem Punk Rock mit stark poppigem Einschlag verschrieben. Wieder eine Band, die ich so noch nicht kannte und ab jetzt einen Platz in meiner Playlist erhalten werden, denn genau solche Art von Musik mag ich eben auch. Starke Melodien mit Ohrwurmcharakter und mit «There is no place in this world for me» ein neuer Song vom im Herbst kommenden Album, stellen klar, dieses Album muss ich mir zulegen und auch im Backkatalog muss ich wohl noch etwas wühlen. Vielleicht schaffen sie es mit diesem Album dann auch in die Schweizer Charts, in der deutschen Hitparade waren sie bereits vertreten. Passend zum Auftrittsort wurde auch schon die erste Flugshow geboten, was natürlich gerade für die Fotografen immer wieder spektakuläre Bilder liefert.

Zurück an der Jungfraustage zelebrierten Hollywood Undead ihren letzten Output «Hotel Kalifornia», welcher im Sommer 2022 erschienen ist. Die Untoten aus Hollywood sind eine der Crossover Bands, die mit einer Unzahl von Sängern auf der Bühne für mächtig Liveaction sorgen und dabei ansteckend wirken wie das Virus, welches uns zwei Jahre der Entbehrung besorgte. Der Rap Anteil ist zwar hoch, aber trotzdem fischen die Jungs viel mehr im Nu Metal Gewässer, am ehesten vergleichbar mit Linkin’ Park. Wie fast jede Band heute, betonen sie auch, wie sehr es ihnen in der Schweiz gefällt. Kein Wunder bei dieser Kulisse mitten in diesem Bergtal. Coverversionen dürfen bei Hollywood Undead auch nicht fehlen und so finden «Enter Sandman» von Metallica zusammen mit «Du hast» von Rammstein, die ja aktuell keinen leichten Stand haben, und auch unter uns Pressefuzzis immer wieder mal thematisiert wird, ihren Weg ins Liveset.

Dann geht es wieder ab auf den Weg zur Eigerstage, wo mit Sleep Token eine zurzeit gerade recht gehypte Band spielt. Etwas mystisches hat der Auftritt der Londoner Band schon an sich. Die 2016 gegründete Truppe spielt wie immer komplett maskiert und von daher sind die einzelnen Mitglieder auch komplett in der Anonymität untergetaucht. Der Sänger hört auf den Künstlername Vessel, der Rest der Truppe dann aber mit römischen Ziffern durchnummeriert. Mich selbst lässt diese musikalisch schwer einzuordnende Band eher kalt und berührt mich nicht wirklich. Am Publikumsauflauf vor der Bühne zu urteilen, ist die Band aber in der Szene bereits richtig gut etabliert, sind doch eine stattliche Zahl Zuhörer da. Ich selbst gehe nach den ersten drei Songs aber wieder Richtung Westen zur Hauptbühne.

Dort spielt mit The HU die Band, die vermutlich die komplizierteste Anreise hatte. Aus der Mongolei nach Interlaken, macht man nicht einfach so nebenbei. Ich war gespannt auf die Band wie ein Pfeilbogen. Auch deshalb, weil ich insgeheim hoffte, dass Jacoby Shaddix (Papa Roach) den Weg zu Wolf Totem auf die Bühne findet. Um es vorwegzunehmen, er war nicht auf der Bühne. Hypnotisierender Heavy Rock mit traditionellen mongolischen Instrumenten machen die The HU zu einem extrem farbigen Tupfer im Billing des Festivals. Sie haben eines dieser immer wieder gesuchten Alleinstellungsmerkmalen definitiv gefunden, der Sound ist einzigartig in der Szene. Auch wenn die acht Musiker auf der Bühne eher statisch sind, einverleiben sie die Spielzeit mit einer Präsenz, die seinesgleichen sucht. Ich habe selten eine Band gesehen, die «einfach» nur rumsteht und trotzdem so viel zu sagen hat. Die musikalische Reise packt mich total und lässt einem schon fast in Trance verfallen, wenn diese repetiven Strukturen der Songs auf einen losgelassen werden. Definitiv ein Höhepunkt des Festivals, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Das schöne an einem Festival ist auch, dass durch den Stilmix auch mal Bands vor die Linse kommen, die man vorher nur vom Namen her kannte. So ging es mir bei Swiss & die Andern. Auch wenn man vom Namen her auf eine Schweizer Band deuten könnte, kommen sie aus Deutschland, genauer aus Hamburg. Gemäss Beschreibung eine Punk Rock Band mit Crossover Einflüssen, somit eigentlich eine Band die in mein Beuteschema passen sollte. Aber eben nur sollte, denn mich haben die Burschen überhaupt nicht abholen können. Ich bin sogar nach dem zweiten Song aus dem Fotograben, als dann schon die Depotbecher in Richtung Bühne zu fliegen begannen.

Eine der besten Livebands die gegenwärtig den Planeten beackern sind Papa Roach. Ich weiss, dies ist meine bescheidene Meinung, aber ich fühlte mich bei deren Konzert definitiv erneut bestätigt. Was die Amis da an Hits abzufeuern vermögen, sucht seinesgleichen. Und es ist nicht nur dieser Überhit «Last Resort», welchen die Menge mitsingt, nein da steckt noch viel mehr im Köcher und ich habe noch nicht einmal alle meine Lieblingssongs der Band gehört. Zudem strotzt die Band nur so vor Energie, allen voran natürlich Rampensau Jacoby. So lässt er sich durch den Graben abschrecken, besteigt die Barriere und schmettert seine Parts ins Publikum und lässt sich auch von der Menschenmenge tragen. Ein Star ohne Berührungsängste, die ihn nochmal eine Spur sympathischer erscheinen lässt. Die Setlist ist ein Streifzug durch 30 Jahre musikalisches Schaffen der Band. Dabei bedient sich die Band auch immer wieder einmal bei fremden Künstlern wie Eminem, The Cure oder The Prodigy. Sie Stimmung ist auf dem Siedepunkt, kaum zu toppen. Dann aber die Ansage vor «Scars», am Tag zuvor starb der Grossvater von Gitarrist Jerry, der die Stimmung in eine andere Richtung lenkt und die Lichter der Telefone aufleuchten lässt. Abgeschlossen wird das Konzert, wie könnte es anders sein, mit Last Resort. Wer solch eine Nummer geschrieben hat, geht nur als Sieger vom Platz, für mich die klaren Headliner des Abends.

Auf der Eigerstage steht beim Einnachten nun mit While She Sleeps die letzte Band auf der Bühne, quasi der kleine Headliner. Auch von ihnen habe ich mit nicht sehr viel angeschaut, genauer gesagt nur gerade durch den Sucher der Kamera. Ich durfte zwar den Headliner auf der grossen Bühne nicht fotografieren, da das Management sehr restriktive aussortiert haben und wohl den Bildern aus dem Publikum lieber den Vorzug gegeben haben. Die dann auch postwendend auf den sozialen Medien verbreitet wurden. Hauptsächlich ging ich aber zur grossen Bühne um Kollege Pam (den grössten Ärzte Fan den ich kenne) moralisch noch mit einem Schnupf unterstützen wollte.

Es war Zeit für die Ärzte, nicht für mich. Die Berliner hatten, wie gerade erwähnt, nur ein paar wenige Fotografen in den Graben zugelassen und ohne Bilder gibt es leider auch nichts zu schreiben. So blieb es bei diesem einen Foto, welches zumindest ein Shirt der Band zeigt.

Der Freitag

Dadurch das ich am Vorabend meinen halbstündigen Fussmarsch ins Hotel mit musikalischer Begleitung etwas früher in Angriff genommen habe, bin ich heute auch schon recht früh ziemlich fit. Dies, obwohl sich meine innere Uhr gegen meinen Wecker richtete und mich wie gewohnt schon um 05:30h wach werden liess. Ich konnte aber den inneren Schweinehund nochmals überwinden und legte zusätzlich noch eine Ehrenrunde Schlaf ein. Bei einem Festival nicht ganz unverzichtbar ist der Blick aufs Wetterradar. Dieser war nicht sehr verheissungsvoll, aber ich vertraute voll auf meine Taktik vom Vortag. Sobald ich meinen Regenschutz dauernd bei mir am Fototraggurt trage, wird das mit dem Regen auch nichts werden. Tja wie sich dann später im Verlaufe des Tages herausstellen sollte, war dies ein Schuss in den Ofen. Aber das Greenfield ohne Regen gab es in der Geschichte auch erst einmal. Da der Tag jedoch bei strahlend schönem Wetter startete musste der Sonnenschutz erst aufgetragen werden und auch strategisch sofort greifbar in die Beintasche gepackt werden. Ich wurde schliesslich im Vorfeld schon daran erinnert, diesen auch wirklich mit aufs Gelände zu nehmen.

Der musikalische Teil startete mit Überyou aus dem Kanton Zürich, wo auch anteilsmässig die meisten Tickets verkauft werden, wie ich tags darauf an der Pressekonferenz erfahre. Gefühlt hatte es heute zum Start doch einiges weniger an Volk vor der Bühne als noch am Vortag. Ich denke da zollten noch einige ihren Tribut an die Partymeile vom Vorabend, die bis in die frühen Morgenstunden geöffnet hatte. Die Band liess trotzdem nichts anbrennen und bereits machten sich die ersten Crowdsurfer (wie war das nochmal mit den Festivalbestimmungen, das Crowdsurfen verboten ist und mit einer gelben Karte bestraft wird) auf den Weg nach vorne zur Bühne. Circle Pits wirbelten die ersten Staubfontänen die dem (noch) trockenen Boden geschuldet waren. Der Frontmann begab sich dann auch unters Volk und liess sich auf Händen tragen. Zum Schluss wurden von der Bühne aus auch noch etliche Merchandising Artikel verteilt. So macht man Werbung in eigener Sache.

Zebrahead aus Kalifornien sind immer ein Garant für eine veritable Party. So auch in diesem Jahr, wie üblich bringen sie auch in diesem Jahr ihre eigene Bar mit auf die Bühne. Locker flockig wurden Drinks gemixt damit der Flüssigkeits- und Promillehaushalt bei den noch herrschenden warmen Temperaturen auf einer guten Konstante gehalten werden konnte. Die Band liess aber auch nichts anbrennen. Die Erfahrung aus über zwei Dekaden merkt man ihnen an und ich wage zu behaupten, Zebrahead würden aus einem Altersheim ein Tollhaus machen. Eine der besten Livebands die man buchen kann, definitiv.

Danach ging es ein erstes Mal runter zur Eigerstage, dort spielen die Westschweizer Windshelter. Sie haben ihren Auftritt am Greenfield Band Contest im März gesichert. Gerne wäre ich noch ein wenig länger geblieben aber auf der Hauptbühne stand schon die nächste Band bereit, also flugs wieder einmal quer durchs Gelände, welches sich immer noch nicht so voll zeigte wie am Vortag zur gleichen Zeit, aber es geht ja noch ein bisschen bis die zugkräftigen Bands das Berner Oberland beschallen.

Bei der nächsten Band Funeral For A Friend hätte ich es aber definitiv bei den ersten drei Songs belassen können. Mein Sohn hätte als Kommentar nur ein Wort fallen lassen, Ohrenkrebs. Ich habe schon lange nicht mehr eine Band gehört, die gesanglich so schlecht war wie Funeral For A Friend. Singen konnte man dies nicht nennen. Dieter Bohlen hätte die gesangliche Leistung nach 10 Sekunden unterbrochen und den Kandidaten nach Hause geschickt mit seinen üblichen degradierenden Kommentaren. Also so schnell wie möglich runter zur Eigerstage, da hört man die Band dank des Soundchecks der folgenden Band auch nicht mehr.

Dieser Soundcheck entpuppte sich als komplettes Kontrastprogramm zu dem, was Coilguns, so der Name der nächsten Truppe, später in ihre Liveperformance packte. Die Band aus La-Chaux-de-Fonds rund um Frontmann Louis Jucker waren beim Soundcheck noch richtig handzahm. Dann vor Publikum legten sie aber los. Da schmiss es schon einmal den Gitarristen flach auf den Rücken. Das war aber im Vergleich zu Louis noch gar nichts. Egal was er sich da einschmeisst, die Hälfte davon würde mehr als genügen. Der Bursche kroch über den Boden, zeigte Verrenkungen, die beim Zusehen bei mir schon ein schmerzverzerrtes Gesicht hervorzaubern würde. Ganz zu schweigen vom Ausflug ins Publikum oder seinem Ausflug auf die Absperrung zum Pit, wo er in bester Simon Ammann Manier sich ins Publikum neigte. Danke der Security, die ihn am Hosenbund festhielt, hob er dann auch nicht ab, dafür gab es der Security dann ein Küsschen als Dank auf die Wange. Gerne hätte ich gewusst, ob er diese Energie über die ganze Show verprühte, aber es ging wieder rüber zur Jungfraustage.

Coheed And Cambria spühlten die restlichen schrägen Töne von der Bühne die durch Funeral For A Friend sich noch hartnäckig auf den Brettern hielten. Die New Yorker zeigten ein technisch brilliantes Set. Sie kamen als Ersatz auf Set, nachdem The Distillers ihren Auftritt absagen mussten. Nur technische Brillianz alleine genügt nicht, um beim Konsumenten auch eine Partystimmung zu entfachen. Für Musiker im Publikum allerdings war dies allererste Sahne. Die Mischung aus Prog-Rock mit poppigen Einflüssen sorgt aber wieder für die vielgelobte Abwechslung innerhalb eines Festivals.  Ichselbst  war  gefesselt  von  ihrem  Sound.  Coheed  And  Cambria  kannte  ich  nur  vom  Namen  und  dieser  war  mir  zu  sperrig,  so  dass  ich  nie  ein  Ohr  riskierte, was  ein  Fehler  war.  Die  Band  ist  ab  sofort  nicht  mehr  aus  meiner  Playlist  wegzudenken.

Es ist immer wieder beeindruckend wie sich eine Zweimann-Kombo wie Mantar durchzusetzen vermag. Heute haben die Deutschen wieder bewiesen zu was sie fähig sind, wenn die Umstände massiv erschwert sind. Ich wunderte mich schon, weshalb der Soundcheck sich so in die Länge zieht. Kollege Luke vom Metalinside klärte mich auf. Mantar musste auf ihr komplettes Equipement verzichten, welches den Weg nicht nach Interlaken gefunden hat. Was bei anderen Bands dazu führt, das Handtuch zu schmeissen, konnten sie sich dies jedoch ausleihen. Dies heisst aber auch, dass Hanno ein komplett anderes Pedalboard vorhanden ist, die gewohnten Sounds nicht vorhanden usw. Davon jedoch komplett unbeirrt starteten sie mit einer unglaublichen Energie ins Set. Hier wäre ich gerne länger stehen geblieben, auch wenn der Regen mittlerweile wolkenbruchartig horizontal über das Gelände fegte. Es hätte sich gelohnt, wie ich später vernommen hatte. An dieser Stelle möchte ich noch herausheben, wie toll der Informationsaustausch ist mit den befreundeten Online-Magazinen, die man teilweise schon seit Jahren kennt. Kein Ausgrenzen oder Informationen für sich behalten, sei es über Bands, das Geschehene auf der Bühne, wenn man nicht gleich hingeschaut hatte oder das Wetter. Vielen Dank Euch allen.

Bei Hatebreed regnet es immer, so die Information, die wir uns unter Kollegen ausgetauscht haben. Und ja es hat geschüttet. Meine Taktik des Regenschutzes mittragen ging nicht auf, ich musste ihn sogar überziehen, um die Kameras und Objektive zu schützen. Deshalb habe ich von Hatebreed auch nicht so viel mitbekommen, da ich mich dann schnell wieder in den geschützten VIP-Bereich zurückgezogen habe und mehr mit Freunden gequatscht habe, statt der Musik zu lauschen. Das Soziale soll ja auch gepflegt werden.

Bei Touché Amoré war das Wetter leider auch noch nicht viel besser und es schüttete weiterhin während die Kalifornier, die sich wohl eher an Sonne gewöhnt sind die Bühne betreten. Aller äusseren Widrigkeit zum Trotz zeigten sie, zumindest während den 15 Minuten, die ich vor der Bühne stand, ein durchaus ansprechendes Set. Ich selbst machte mich wieder auf den Weg durch die jetzt doch eher grössere Menschenmenge. So langsam wurden die Bands auf die Bühne gerufen, für die wohl die meisten am heutigen Tag anwesend sind.

In diesem Jahr hatte es generell relativ wenig Frauen auf der Bühne, im Gegensatz zu den eingangs erwähnten 48% im Publikum. Das Greenfield sah sich im Vorfeld auch deshalb mit gewissen Vorwürfen seitens der Boulevardpresse konfrontiert. Diese wurden anlässlich der Medienkonferenz auch thematisiert und man hat betont, ein Festivalprogramm für die Fans zu gestalten und nicht immer sind Bands mit weiblichen Akteuren verfügbar die für das Greenfield relevant sind und man möchte ja verhindern, dass allfälliges Gemüse dem Foodwaste übergeben wird und auf die Bühne fliegt. Aber hey, wenn man Alissa White-Gluz auf die Bühne stellt, kompensiert dies schon sehr viel. Alissa ist da, also ist Arch Enemy auch nicht weit weg. Was die Kanadierin auf der Bühne inszeniert, ist grosses Kino, sie ist einfach eine Rampensau was Stageacting und Mimik angeht. Ihr heutiges Outfit erinnert mich zwar ein wenig an die Avatar Filme, so schön in blau gehalten, passt aber wie die Faust aufs Auge zur Bühne. Die Band tight wie keine andere und mit einem Gitarrenduo ausgestattet, welches seinesgleichen sucht, ganz zu schweigen von der Rhythmusfraktion. Die Band ist musikalisch etwas vom Besten, was Melodic Death Metal zu bieten hat, wenn nicht das Beste. Eigentlich sind sie so gut, dass für mich der gesamte Auftritt schon fast einem Besuch eines Operationssaales in einem Spital gleichkommt. Für mich einfach schon zu klinisch ohne den Hauch eines Fehlers. Jammern auf sehr hohem Niveau und ich glaube ich war nicht der Einzige, der nach dem Auftritt von Arch Enemy die Meinung vertraten, den Headliner des Abends schon gesehen zu haben.

Als nächstes auf der Liste standen Lorna Shore. Um die Deathcore Band aus New Jersey ist in der letzten Zeit ja auch ein kleiner Hype entstanden. Vielleicht liegt es am neuen Sänger Will Ramos der 2021 zur Band gestossen ist, ich weiss es nicht. In der kurzen Zeit, die ich vor der Bühne stand konnte ich mir da kein richtiges Bild machen, da muss ich mir einmal mehr mit der Band befassen. Was ich gesehen und gehört habe, hat mir aber ziemlich gut gefallen.

Eigentlich war alles angerichtet als Parkway Drive die Bühne betraten. Gasleitungen waren verlegt, Pyros installiert, alles war programmiert auf eine heisse Show. Fackelträger betraten die Bühne und bevor sich die Band auf den mehrstufigen Aufbauten positionierten. Das grosse pyrotechnische Feuerwerk blieb dann zwar aus, es war dann eher ein sanftes Flämmchen, gegenüber dem, was ich sonst schon von den Australiern erlebt hatte. Aber es zählt ja nicht nur die Show, das musikalische muss letztlich packen und zünden. Da wussten Parkway Drive durchaus, was es braucht, um zu begeistern. Packten schon mal Streicher aus, um auch etwas Abwechslung ins Set zu bringen. Nur eines kann Sänger Winston McCall nicht, Balladen singen. Dies sollte er lieber lassen, es hat wohl seinen Grund, dass er auch sonst selten den Clean Gesang auspackt. Im Studio kann dies ja noch gut gehen, aber live war dies nix.

Die letzte Band des Abends auf der Eigerstage waren The Amity Affliction. Sie machten es den Fotografen nicht gerade leicht, halbwegs vernünftige Bilder zu knipsen. Es lag weniger an der Band als am Mann hinter dem Lichtpult. Sie standen 2019 bereits am selben Ort auf derselben Bühne. Wie vor vier Jahren habe ich jedoch dasselbe Problem, ich muss runter zu Sabaton auf die Hauptbühne. Schliesslich habe ich heute auch das eigens für Interlaken gedruckte Shirt der Band angezogen. Sieht zwar keiner, da es unter dem Regenschutz im Trockenen ist, aber schliesslich zählt hin und wieder auch nur Gedanke daran.

Es war Zeit für die schwedische Kriegsmaschine aus Falun, Sabaton. Sie legten auch recht fulminant los und zeigten gleich mal am Anfang wie man mit Feuer umgeht. Das Greenfield war das letzte Konzert auf der Agenda, bevor sie sich für längere Zeit zurückziehen werden. Die Babypause von Hannes dürft hier bestimmt mitspielen. Hannes erwähnte übrigens auch, wie sehr sie es lieben in der Schweiz zu spielen, den Sabaton stamme ja schliesslich aus der anderen Schweiz, ja Sweden und Switzerland verwechseln halt immer noch relativ viele. Das Konzert hielt für mich leider nicht das, was ich mir vorstellte. Einerseits zündeten Sabaton relativ wenig Feuer auf der Bühne und andererseits halte ich die Setliste auch als wenig zündend was da geboten wurde. Nach einem starken Start ging es ab der Motörhead Covernummer 1916 in ein melancholisches und emotionales Set über, welches bis zum Zugabenteil anhielt. Ich habe Sabaton schon etliche Male besser gesehen als an diesem Abend. Eines muss ich aber der Band anrechnen, die lästigen «noch ein Bier» Rufe hat man relativ schnell mehr oder weniger unterbunden. Zweimal wurde dafür Andy auf die Bühne geholt, um das Malzfrappée nachzureichen. Übrigens hielten es Sabaton nicht für nötig, irgendwelche Fotoregeln aufzustellen. Man durfte sich, wenn man wollte, über das komplette Konzert im Fotograben aufhalten und auch sonst von überall her fotografieren. So ist Sabaton nun mal, wovon sich die beiden anderen Headliner des Festivals ruhig einmal eine Scheibe abschneiden dürften.

Der Samstag

Natürlich weckte mich wieder die innere Uhr, natürlich dreht ich mich nochmals weg, bevor ich dann letztlich einen ersten Blick aus dem Fenster wagte, um zu sehen, was das Wetter den heute so macht. Bewölkt, aber gut sah es aus und die Gleitschirme flogen auch schon wieder durch die Lüfte. Erst musste ich dann aber zum Lidl gleich um die Ecke um mir ein paar Pflaster zu besorgen, hatte sich doch tatsächlich eine Blase am Zeh gebildet, dass ist der Tribut für den harten Einsatz des letzten Abends. Trotz Regenschutz gab es doch ein wenig nasse Socken. Diese vereinbarte den Reibungskoeffizienten zwischen Zeh, Socke und Schuh wohl nicht wirklich. Lidl ist übrigens der neue Festivalsponsor, den man gewinnen konnte, nachdem Aldi sehr kurzfristig abgesprungen ist. Beim Gang aus dem Hotel machte ich noch einen Zwischenstopp an der Reception, schliesslich lernt man ja am besten von Einheimischen, wie das Wetter sich entwickelt. Dies ist wie bei mir zuhause, da hört man auch noch auf die Muotathaler Wetterfrösche. Dort wurde mir dann gesagt, dass es den ganzen Tag über bewölkt sein wird aber nicht mehr regnen wird, das perfekte Wetter für ein Festival. Und sie sollte recht behalten, kein Tropfen mehr wurde den ganzen Tag über verspürt. Etwas langsamer ging es dann zum Gelände, wegen der Blase, um dann doch rechtzeitig zur Pressekonferenz vor Ort zu sein. Dort geben Thomas Dürr (CEO Greenfield & Act Entertainment), Alexandra Krebs (CEO Greenfield & Jungfrau World Event) und Stephan Thanscheidt (Booker Greenfield & CEO FKP Scorpio) bereitwillig allen Journalisten Antworten auf die Fragen die gestellt werden.

Den Konzertreigen eröffnen an diesem letzten Festival Tag die St. Galler Band NOFNOG, was für No Fight No Glory steht. Ja es ist immer ein Kampf einen Festivaltag zu eröffnen. Aber die Glory bleibt nicht aus. Die ersten Circle Pits bilden sich und es hat doch schon beachtlich Publikum im vom Vortag durchnässten Bühnenbereich. Der Vorteil, es staubt dann nicht mehr so sehr.

Dann folgte der energiegeladene Auftritt von Anti-Flag. Die aus Pittsburgh stammende Punkband ist jedesmal Garant für eine packende Liveshow, was sich auch sofort ansteckend auf das immer zahlreichere Publikum überträgt. So kommen dann auch schon die ersten Crowdsurfer bei der Abschrankung an. Zudem wird die ansonsten in der nahegelegenen Axalp angesetzte Flugshow eröffnet. Keine Ahnung, was Christopher Barker für Sprunggelenke hat, die sind aber bestimmt nicht von dieser Welt. Seine Luftsprünge haben einen Luftstand als würden die Skicracks weiter hinten im Tal über den Hundschopf am Lauberhorn springen. Diese kommen dann auch meist auf Ansage, da der Bassist jeweils das Boxenstack hochklettert und dann runterspringt. Um gleich beim Skifahren zu bleiben, das Tempo, welches die Amerikaner vorlegen, gleicht dem Hochtempoabschnitt über den Haneggschuss. Selbst ein Punk Medley aus The Clash, Green Day, The Ramones, Sex Pistols und anderen jagen sie gnadenlos durch die Beschallungsanlage. So geht Punk Rock.

Die Gewinner des Greenfield Band Contestes in Zürich ging ins baslerische zu den Jungs von Moment Of Madness. Wie leider oft an der kleinen Bühne, bleibt die Zeit, um sich einen wirklichen Eindruck zu machen ein wenig auf der Strecke, vor allem wenn man die ganze Zeit noch durch den Sucher ein Sujet für den nächsten Knipser sucht. Grundsätzlich war der Metalcore aber ganz okay, so dass ich mir die Band gerne nochmals näher anschauen würde. Anhänger hatten die Eröffner der Eigerstage auch schon ziemlich gut vor der Bühne und ein Kind wurde von Ivo auch schon gefordert.

Zurück an der Jungfraustage steht ein weiteres Highlight auf dem Programm, Halestorm. Die Band um die Geschwister Hale startet richtig fulminant mit «I Miss The Misery» und «Love Bites» ins Set und zeigt gleich einmal den Qualitätsanspruch der Band. Kleidungstechnisch ein Farbtupfer in das sonst doch mehrheitlich dunkle Kleidung tragende Volk. Lzzy Hale zeigt sich von ihrer besten Seite und ihre Stimme ist sowas von over the top, selbst lange Noten kommen wie aus einem Guss, auch wenn auf die Zeit alles ein wenig rausgedrückt wirkt. Arejay wirbelt rum wie ein Berserker, zeigt sich am Anfang aber noch nicht sehr fangsicher, wenn er die Sticks bis fast unters Dach wirft. Eines finde ich dann aber doch ein wenig fehlplatziert bei einem Nachmittagsslot an einem Festival, ein Schlagzeugsolo. Zumal Arejay schon seit ich weiss, immer denselben Klamauk mit den grossen Sticks bringt. Wenn ein Solo, dann bitte einmal was Neues, dies ist wirklich ausgelutscht.

Unten an der Eigerstage angelangt, erlebe ich den sicher schon einmal softesten Auftritt am diesjährigen Festival. Aber auch klar eine Neuentdeckung für mich die ich gerne weiterverfolge. Die Rede ist von der Amerikanerin Taylor Acorn. Das Trio spielt lupenreinen Pop-Punk der Marke Avril Lavigne und Taylor klingt auch so wie die bekanntere Kanadierin. Die Songs hauen mich aber richtig um, süffig, melodiös und ehrlich. Im Netz habe ich nicht viel über sie gefunden. Ausser, dass sie bis vor wenigen Jahren noch Country gemacht hat, dann aber zu ihrer Jugendliebe, dem Punk gewechselt hat. Sie sagte dann auch, dass sie gesundheitlich ein wenig angeschlagen ist, was sich mit zunehmender Setdauer auch in der Stimme niedergeschlagen hat. Wenn es auch stilistisch nicht zum grossen Rest des Greenfield Festivals gepasst hat, es war eine positive Überraschung und hoffe sie kommt bald wieder in die Schweiz.

Mit dem Auftritt von The BossHoss startet auch die grosse Feuershow des Greenfields. Zwar witzelten wir noch ob The BossHoss sich nicht im Datum geirrt hätten und nicht erst zwei Wochen später am Trucker Festival an gleicher Stätte hätten auftreten sollen. Die Berliner setzen auf Altbewährtes und erfinden das Rad zwar nicht neu, lassen die Showqualitäten der beiden Hauptakteuer Alec und Sascha spielen. Lenken öfters mal mit einer massigen Pyroshow ab die noch die letzten Wassertropfen des Vortages verdunsten lassen. Spätestens nach der in meinen Ohren unsäglichen Coverversion von Jolene, wende ich mich jedoch von der Band ab und lasse das Soziale wieder ein wenig spielen.

Destroy Boys aus Kalifornien sind die nächste Band auf der kleinen Bühne. Ganz alle Jungs hat die Frontfrau Alexia doch nicht zerstört zusammen mit Gitarristin Violet. Auch sie haben zwei Boys in der Band, obwohl fix zur Band nur gerade Schlagzeuger Narsai zählt. Der Bassist muss wohl auf Leihbasis mitspielen und bekommt den Preis für die höchste Basshaltung des Festivals. So wie er den Bass hält erinnert er mich sehr Mark King von Level 42. Auch wenn hier die gesangliche Leistung eher zu wünschen übriglässt, überzeugen sie doch mit einer energiegeladenen Show, zumindest die ersten drei Songs, danach mache ich mich wieder auf den Weg zur Hauptbühne.

Dort stehen Wolfmother bereit und lassen ihren 70er Jahre Sound auf das Publikum los. Wolfmother waren noch nie meins und werden es auch nicht werden. Mich quält die Stimme von Andrew eigentlich nur, für mich zu quitischig hoch an der Tinnitus Grenze. Musikalisch zwar einwandfrei, halt eben nicht meins. Deshalb widme ich mich nach den ersten drei Songs auf den Auslöser knipsen wieder anderen gesellschaftlichen Themen, die es auf einem Festival so zu erledigen gibt.

Einmal quer über das Gelände geschlendert mit einem Tankstopp bei den Wasserspendern bin ich dann gerade rechtzeitig bei den Münchnern von Emil Bulls angelangt. Der Start mit The Ninth Wave, The Age Of Revolution und Euphoria liess mich fast nicht mehr ruhigstehen. Es war einer der Momente, wo ich mich fragte, wieso will ich eigentlich alle Bands fotografieren, wieso kannst Du nicht einfach einmal ein wenig länger da stehen bleiben. Die Emil Bulls sind live einfach richtig geil, aber ich befürchtete ein relativ anstrengendes Vordrängeln zur Hauptbühne. Den mittlerweile hat es schon ordentlich Leute auf dem Platz und ich hatte Lust auf Mittelalterrock.

Also flugs zurück zur Jungfraustage, um sich In Extremo anzuhören. Und es hat sich gelohnt. Sie sind eine der erfolgreichsten Bands ihres Genres und seit fast 30 Jahren unterwegs. Heute zünden sie ein Feuerwerk an Hits und lassen auch die Gasrechnung in die Höhe schnellen. Es ist dieser Mix aus mittelalterlichen historischen Instrumenten wie Schalmei, Dudelsack, Drehleier und weiss ich was alles Töne hergibt, welche die Mannschaft um das Letzte Einhorn ausmacht. In Kombination mit knallharten E-Gitarren sind sie auch regelmässig Gast in den Hitparaden. Was vor allem auffällt, kein einziger Song der Berliner, der nicht sofort in die Beine geht und einen entweder mitwippen oder im Reise tanzen lässt. Ein grossartiger Auftritt der mich die Zeit vergessen liess.

Deshalb schaffte ich es gerade noch knapp zu Lionheart auf der kleinen Bühne. Die Kalifornier blieben mir aber nicht wirklich hängen. Für mich zu wenig eigen, ich hatte da immer wieder Hatebreed in den Ohren, die bereits am Festival waren.

Es ist Zeit, um mit den Wikingern von Amon Amarth in die Schlacht zu ziehen. Von der Bühne aus kommt Dauerfeuer schräg über die Köpfe und lässt das Haupthaar doch nahe an die Schmurzelgrenze bringen. Für mich sind die Schweden klar der Headliner des Abends. Überzeugen einmal mehr mit einer astreinen Performance. Lassen das Publikum schon einmal ihr eigenes Drachenboot rudern. Bei aller Boshaftigkeit, die im Sound zu finden ist, überzeugt Sänger Johan eher durch seine sympathische kumpelhafte Art. Es wird alles geboten, was man von einer Amon Amarth Show erwarten kann. Inszenierte Schlachten auf der Bühne um den Einzug nach Valhalla oder nordisch mythologische Gottheiten die über die Bühne stolzieren. Erneut ein riesen Auftritt der Nordmänner der am Schluss die Methörner in die Höhe schnellen lässt. Alle Register wurden gezogen und ich glaube es war keiner auf dem Feld der nicht mit der Band zusammen gegen Asgaard reiten würde.

So langsam neigt sich das Greenfield Festival 2023 dem Ende zu. Auf der Eigerstage steht mit Avatar bereits der letzte Act auf der Bühne. Und was in der Folge da gezeigt wird, gehört zu der Kategorie grossartige Inszenierung mit theatralischem Mehrwert. Anfangs kommt Johannes Eckerström (der übrigens extrem gut deutsch spricht) wie aus Zauberhand aus der vom Roadie herangetragenen Kartonbox und zelebriert im Anschluss zusammen mit seinen Bandkollegen eine Wahnsinnsmischung aus Metalshow und Rocktheater. Egal ob es Synchronhaarschwingen ist (wäre dies olympisch, es würde eine Goldmedaille geben) oder in der Selbstdarstellung von Johannes. Da wird schon mal das Schlagzeug an den Bühnenrand geschoben und Bandgründer John Alfredsson spielt in bester Bela B. Manier stehend auf der Rumpelkiste, oder es wird der Flügel auf die Bühne gefahren, um ein paar gefühlsvoller Töne vom Besten zu geben. Absolutes Highlight dann aber die Livepremiere des neuen Songs «Violence No Matter What» mit Lzzy Hale von Halestorm als Gesangspartnerin. Kollege Pam vom Metalinside und ich fühlten uns so was von belohnt dafür, dass wir nicht runter zu Slipknot Bühne pilgerten. Der Auftritt von Avatar war für mich ein absolutes Highlight und ein würdiger Abschluss auf der kleinen Bühne

Von Slipknot gibt es genau gleich viel zu berichten wie zwei Tage vorher von den Ärzten, nämlich nichts, und dies aus denselben Gründen. Trotzdem habe ich es geschafft ein Foto von «Slipknot» zu knipsen.