Durch meine sehr frühen Berührungen mit dem NWoBHM bin ich zwangsläufig in den 80er Jahren bereits über die britische Heavy Metal Legende Saxon gestolpert. Damals noch roh und ungefiltert mit Songs wie das gigantische „Crusader“. Dabei war der Kreuzritter Song nicht einmal der erste den ich gehört habe, der schaffte es damals nicht auf den Sampler, denn ich damals erworben habe. Es folgten dann Alben die sich dem Zeitgeist anpassten und sehr melodischen Hard Rock lieferten, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Ich taufte in den 90er Jahren in der Firma, wo  ich damals arbeitete, sogar die Koordinaten-Messmaschine auf den Namen „Jenny“, weil ich den Song „Hold On“ so sehr liebte. Heute 30 Jahre später, bin ich dreifacher Vater, habe jedoch keine Tochter aber der Text von „Hold On“ trifft es irgendwie auf den Punkt mit dem was ich erlebt habe. Heute 30 Jahre steht sogar eine Jenny auf der Bühne, dazu später mehr. Als das Z7 im Rahmen des Sommer Open Air die Band Saxon angekündigt hat, hörte mein Jüngster, sich die Band an und verliebte sich gerade auch in deren Sound, wie ich es bei mir vor über 40 Jahren auch geschehen ist. Es sind die Songs, die einfach zeitlos sind und nach wie vor nichts von ihrer Faszination eingebüsst haben. Also mussten Tickets her und der Dienstag 04.08.2026 wurde im Familienkalender dick markiert.

So der Tag ist gekommen und voller Vorfreude auf einen gelungenen Abend machen wir uns auf den Weg nach Pratteln. Ich mag mich gar nicht mehr richtig erinnern, wann ich überhaupt zum letzten Mal an einem Z7 Summer Oper Air gewesen bin. Es ist lange her und muss vermutlich noch Nightwish gewesen sein, anfangs der 2000er Jahre. Also irgendwie ist es heute als wieder Neuland für mich. Rechtzeitig auf die Türöffnung sind wir vor Ort und verlieren uns auch schon in den ersten Gesprächen. Unterbrechen tue ich solche meist nur ungern, aber der Blick auf die Uhr zeigt, ich muss mich sputen um in den Fotograben zu kommen. Wenige Minuten später beginnt die Lörracher Band Fireborn ihr Set. Die Band um Frontfrau Jenny (da haben wir sie wieder) bringt auch gleich von Anfang an ordentlich Stimmung aufs Gelände. Sie nutzen den quasi-Heimvorteil optimal aus. Da sind einige Fans über die Grenze gehuscht um gleich zu Beginn mit den Schurken zu tanzen, sie steigen also direkt mit „Dancing With The Villain“ ein, bevor es über „Likes For A Life“ zum Titelsong des neuen Albums „Dreamcatcher“ übergeht. Mir gefällt. dass auf der Bühne gebotene richtig gut und Fireborn wissen auch wie man die Bühne zu nutzen hat, wechseln die Seite und suchen den Blickkontakt zum Publikum. Selbst nach der Show, sind die einzelnen Musiker im Publikum, schwatzen mit den Fans, machen Selfies oder lauschen einfach den nachfolgenden Bands. Jetzt aber wieder zurück auf die Bühne, schliesslich verdienen sie dort ihre Aufmerksamkeit. Jenny ist zwar Dreh- und Angelpunkt, und auch Blickfang, stellt sich aber nie sonderlich in den Mittelpunkt und überlässt auch der Saitenfraktion ihren Anteil am Bühnenrand. Viel zu schnell geht die Auftrittszeit vorbei und nachdem die Band vorgestellt wurde, ist dann auch mit „Human“ Schicht im Schacht. Auch wenn vermutlich viele Fans der Band mitgereist sind, sie haben heute bestimmt wieder einige dazugewonnen.

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Die Abendsonne wirft ein warmes Licht über das Z7 Openair-Areal in Pratteln, der Blick auf das Wetterradar verrät aber dauernd ändernde Verhältnisse. Zur Sicherheit packe ich schon einmal meine Pellerine ein, bevor ich zum Fotograben gehe. Dort stehen nämlich in Kürze Girlschool auf der Bühne. Ist mittlerweile auch schon rund acht Jahre her, als ich die Damen zum letzten Mal live gesehen und fotografiert habe. Noch immer hat die 1978 in London gegründete Band mit Kim McAuliffe und Denise Dufort zwei Gründungsmitglieder in ihren Reihen. Live jedoch lässt sich Denise durch den Alcatrazz Schlagzeuger Larry Paterson ersetzen. Sie leidet an gesundheitlichen Problemen mit ihren Händen und die sind nunmal bei ihrem Handwerk unverzichtbar. Sie steigen mit Demolition Boy ambitioniert ins Set ein und legen mit der der Aufforderung C’mon Let’s Go gleich nach. Schnell sind die ersten drei Songs vorbei und der Regen setzt tatsächlich langsam ein, so dass ich schon einmal meine Kamera im Trockenen verstaue. Als ich mich wieder ins Open Air Gelände begebe, überrollt mich der Hunger und da Pommes im Regen relativ schnell pampig werden, geht es auch gleich wieder ins Innere des Z7, es ist halt sowas wie das Wohnzimmer der Rockgemeinde. Da lässt sich heute gemütlich sitzen und essen. Meine Lauscher hören von aussen den Sound der Band, typischer Old-School Metal mit Punk-Anlehnung. Was mir aber bereits draussen aufgefallen ist, mir wurden die Songs bereits nach drei Nummern eher langweilig. Es fehlen für mich die Überraschungsmomente. Da die Damen auch alle am Mikrofon stehen, wirkt es zudem sehr statisch. Hier ein Riff, da ein Riff, welches in der Varianz dem zuvor gehörten nur geringfügig abweicht, holt mich mittlerweile nicht mehr wirklich hinter dem Ofen hervor. Das war vor zig Jahren noch anders, als ich die Band erstmals hörte. Zur Verteidigung, mein Sohn hört Girlschool heute zum ersten Mal und bei ihm haben sie einen sehr guten Eindruck hinterlassen, wie er mir später attestierte. Keinen Moment jedoch zeigten die Akteure auf der Bühne Ermüdungserscheinungen und zelebrierten den Rock mit einer stets hohen Spielfreude. Mich haben heute die Jungspunde von Fireborn jedoch songschreiberisch und spielerisch viel mehr abgeholt, und diese beiden Fähigkeiten sind keine altersbedingte Attribute.

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Kurze Umbaupause und es wird alles hergerichtet für die englische Institution Saxon. 1976 gegründet noch unter dem nicht gänzlich jungendfreien Namen Son Of A Bitch, wechselten sie 1979 ihre bis heute gültig Bezeichnung. In all den Jahren haben sie es auf 26 Studioalben gebracht, mit dabei in jüngster Vergangenheit zwei Coveralben. Es ist also genügend Songmaterial vorhanden und ich bin echt gespannt wie die britische Legende heute Abend ihre Songauswahl zusammenstellt. Wie oft in bei Konzerten solch umtriebigen Bands mache ich mich eigentlich gefasst darauf, dass ich meinen Lieblingssong von Biff & Co nicht zu hören bekomme. Zu umfangreich ist ihr Backkatalog. Aber ich bin bereit für eine Zeitreise durch die letzten 47 Jahre der Band. So weit zurückspulen muss ich anfangs gar nicht, mit „Hell, Fire And Damnation“ packen sie als Eröffner gleich ein aktuelles Stück Heavy Metal aus und geben gleich einmal den Tarif durch, was für Einstieg. Unmittelbar danach werden 43 Jahre zurückgespult um zu zeigen wie gut alt und neu zusammenpasst. H.G. Wells hätte mit seiner Zeitmaschine seine wahre Freude hier hin und her zu reisen. Dann ein paar Worte des 75-jährigen Frontmannes und sie stimmen *Dogs Of War“ an. Ich bin immer noch im Fotograben und weiss jetzt nicht, soll ich mitsingen und meine Stimme ruinieren oder weiterhin Fotomotive suchen und den Auslöser drücken. Eine Kombination aus beidem muss da herhalten, bei mir jedoch startet die Eskalation schon früh heute Abend. Dabei freue ich mich ungemein, wie gut die Stimme von Biff heute Abend beeinander ist. Der Methusalem der Band singt wie ein junger Gott und hat im typischen britischen Humor raus, dass sie heute tun und machen können was sie wollen, sie sind schliesslich Headliner. Während dem zweiten neuen Song „Madame Guillotine“ verstaue ich mein Kamera-Equipement möglichst schnell um mich danach rüber zum Steilhang zu begeben. Da wo mein Sohnemann mit erhobenen „Devil Horns“ und schüttelnder Mähne bereits den nächsten Klassiker abfeiert. Die beiden Gitarristen Doug Scarratt und Brian Tatler wechseln sich derweilen mit ihren Solos ab und schütteln die Riffs nur so aus dem Ärmel. Just im Moment als „Motorcycle Man“ angestimmt wird, vibriert mein Handy und der Sänger meiner Band, meint, heute vor 47 Jahren habe ich Led Zeppelin in Knebworth gesehen, ich bin alt. Da kann ich mich natürlich nicht zurückhalten, schicke im ein kurzes Handyvideo des besagten Songs, und meine; Alter hier rockt ein 75-jähriger gerade Pratteln in den Boden. Zwischenzeitlich hat auch der Ventilator vor dem grauen Mann seinen Dienst quittiert, es ist ja auch nicht mehr so heiss und Biff zieht sich sogar eine auf die Bühne geschmissene Kutte über. Was nun folgt, hätte ich je nach Ergebnis zum fiesesten Moment des Abends gekürt. Da stellt Biff Byford doch tatsächlich die Frage, ob nun als nächstes „The Eagle Has Landed“ oder „Broken Heroes“ gespielt werden soll. Jetzt aber, bitte keine Fehlentscheidung, „Broken Heroes“ ist nämlich genau dieser genannte Lieblingssong und ich beginne echt langsam zu zittern, muss mich schon am Absperrgitter festhalten um meine Energie in die Stimme zu legen, um genau diesen Song zu fordern. Zum Glück zeigen sich Saxon jedoch gnädig und spielen beide Songs, ich hätte es ihnen nicht verziehen. Was für ein Moment und ja ich weiss, ein Blick auf setlist.fm hätte mir gezeigt, dass der Song in den letzten Jahren immer wieder einmal zu Liveehren kommt, aber ich habe da so mein Glück gepachtet, dass genau dann, wenn ich vor Ort bin die Wahl meist anders ausfällt, als das irgendeine Band meinen Lieblingssong spielt. So kann nun kommen was will, auch der längst herbeigesehnte Regen, kann mir nun nichts mehr anhaben. Der „Heavy Metal Thunder“ fegt über das Gelände und dass der Himmel zu blitzen beginnt und das in Dallas auch erst 1pm ist, stört mich auch nicht weiter mehr. Vor dem strengen Arm des Gesetztes bin ich in der Vergangenheit, dank striktem einhalten der Geschwindigkeitslimiten auch verschont geblieben, trotz Rädern aus Stahl. Die Ankündigung eines weiteren Saxon Albums namens „Gods Of Thunder“ und der damit verbundenen kommenden Tour, dürfte vor allem meine Frau freuen, die leider aus gesundheitlichen Gründen heute passen musste. Biff und seine Mannen geniessen sichtlich auf der Bühne zu stehen und dieses leicht englische Wetter. So sehr, dass er anmerkt gar nicht erst von der Bühne zu gehen, sondern direkt in den Zugabenteil überzugehen und das Triple „Crusader“, „747 (Strangers In the Night) und „Princess Of The Night“ anzustimmen.

Was für ein genialer Dienstagabend, Spielfreude pur bei allen drei Bands, mit dem klaren Gewinner Saxon. Fireborn nutzten die Gunst der Stunde und zeigten einmal mehr, dass sie eine ganz ernstzunehmende „Nachwuchsband“ sind, die zu begeistern weiss. Girlschool fand ich nicht ganz so aufregend, hatten aber durchaus ihre Momente und die Freude schien auch ihnen ins Gesicht geschrieben.