Die Rocknacht Tennwil markiert in diesem Jahr den Abschluss meiner Festivalsaison. Seit ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal in Richtung Meisterschwanden unterwegs war. Wusste ich erst vom Hörensagen von der einmaligen Atmosphäre dieses Kleinods in der Festivallandschaft. Aber schon beim ersten Betreten des Geländes war ich schockverliebt. Was hier die Organisatoren jedes Jahr auf die Beine stellen mit ihren vielen Helfern ist einzigartig. Dahinter steckt der Verein Junge Tennwiler, die heute gar nicht mehr so jung sind, aber immer noch mit der gleichen Leidenschaft ans Werk gehen. Genau diese Leidenschaft, die spürt man ab dem Moment, wo man auf den kostenfreien Parkplatz der gleich in Gehdienst liegt. Bis ich aber heute auf dem Parkplatz ankomme muss ich erst einmal losfahren. Da ich entgegen anderen Jahren in diesem Jahr noch arbeite und keinen freien Tag beziehe. Geht es auch erst etwas später los. Meinen Sohn ins Auto packen und noch den Kollegen Thomas abholen. Die Fahrt vergeht wie im Fluge, kein Wunder, mit Kollege Choco sind Unterhaltungen über das Musikbusiness immer ein Genuss. Natürlich besprechen wir schon einmal das Line-Up und auch die neue Helloween Platte. Auf dem Gelände angekommen stehen die wirklich jungen Tennwiler und weisen uns auf den Parkplatz. Die Fahrt auf diese findet aber schon bei der ersten Kurve abrupt ein Ende. Sitzen doch mit geöffnetem Kofferraum zwei bekannte Gesichter und richten sich mit ihrem Nachtlager ein. So gibt es einen ersten Drive-Through-Schnupf, dies hatte ich auch noch nicht alle Tage. Auto hingestellt, ausgestiegen und schon fallen mir die nächsten bekannte Gesichter in die Arme. Fängt ja gut an. Noch keine zehn Meter zu Fuss zurückgelegt und schon mehr Leute begrüsst, als an einem Stammtisch Platz hätten.
Das Festzelt übrigens ist im Normalfall beheizt, um auch an kühlen Herbstabenden eine angenehme Wärme auszustrahlen. Diese Heizung ist in diesem Jahr aber glaub ich nicht von Nöten. Der Sommer bäumt sich nochmals richtig auf und uns steht ein wirklich herrliches Sommerende bevor. Also angekommen im Festzelt nehme ich als erstes den nötigen Badge entgegen, welcher mich legitimiert im Fotograben und darüber hinaus auch in Bereiche Einblick zu bekommen, der im Normalfall verborgen bleibt. An diese Stelle schon einmal mein herzliches Dankeschön an Thomas und Urs vom OK für das Vertrauen und den Pass.
Ab Türöffnung bleibt nur eine knappe halbe Stunde bis mit Felskinn die erste Band den Abend eröffnet, deshalb gibt es erst einmal eine schnelle Runde auf dem Festivalgelände, um die nächsten bekannten Gesichter mit einem kurzen Hallo zu begrüssen, für mehr reicht es vor der ersten Band nicht, wird aber nachher ausgiebig nachgeholt. Kollege Ralf ist auch wieder besser bei Nase als noch vor Monatsfrist und die gute Seele Dalila leiht schon mal ihren Arm, um das Schnupfen auf den nächsten Level zu heben (wird im Verlaufe des Tages noch zur Maximalstufe ausgebaut). Jetzt aber schleunigst in den Fotograben, schliesslich erklingen von Felskinn bereits die ersten Akkorde des Eröffners «Remember My Name». Topmotiviert beginnt der Konzertreigen nun also pünktlich um 18:30h mit Andy, Toni, Kusi und Gregory, ja ich erinnere mich an die Namen. Wie könnte ich auch, durfte ich vor einem Jahr die Jungs anlässlich ihres Comebacks in der Met-Bar bereits fotografieren. Was mir heute besonders auffällt, Felskinn ist deutlich eingespielter als damals in Lenzburg. Was dort teilweise noch mit vorsichtiger (was vielleicht das falsche Wort ist) Zurückhaltung dargeboten wurde und erst im Verlaufe des Konzertes Fahrt aufnahm, davon ist heute nichts mehr zu spüren. Felskinn gibt von Anfang an Gas und animiert, dass sich noch sonnende Publikum, ins Zelt zu kommen, was auch gelingt. So spielt man sich in der Folge durch 20 Jahre Bandgeschichte. Das Gregory aktuell wohl zu den besten Schlagzeugern der Schweiz gehört, beweist er in einem kurzen Schlagzeugsolo, teilweise stehend über seinem Arbeitsgerät und mit der Wildheit des aus der Muppetshow bekannten Animal. Felskinn ist endgültig zurück und knallt uns ein Hammerset vor die Fresse. Beste Werbung für die Konzerte im Januar 2026 zusammen mit Stepfather Fred.
Die Umbaupause wird jetzt genutzt, um die sozialen Kontakte zu pflegen. Ich habe es eingangs schon geschrieben, es bin bisher nicht über ein kurzes Hallo hinweggekommen. Da läuft mir aber auch schon Tom Atkinson von Absolva über den Weg. Wir kennen uns schon eine gewisse Zeit seit seinem Engagement von Fury. Der Small-Talk wird sehr schnell beiseitegelassen und das Gespräch bekommt etwas mehr Tiefe. Tom, respektive Absolva, sind für mich heute definitiv der Hauptgrund, weshalb ich hier bin. Erst weil ich Absolva bisher noch nie live gesehen habe, obwohl sie schon einige Male in der Schweiz waren. Jedoch vorallem Tom ist der Grund, habe ich ihn doch schon fast 10 Monate nicht mehr gesehen. Dabei verrät er mir, dass Gin Annie, die als nächstes auf der Bühne stehen werden, richtig gut sind und er sie unbedingt auch vom Bühnenrand herschauen möchte.
Gin Annie sind zum ersten Mal in der Schweiz und so hatte ich auch bisher noch nie das Vergnügen mit den Briten. Auch habe ich mich natürlich einmal mehr wieder nicht mit dem Songmaterial der Band auseinandergesetzt. Was eine Schande ist, ich muss da echt einmal was daran ändern, vielleicht hilft ein Vorsatz auf das neue Jahr, mal schauen. Gin Annie auf alle Fälle begeistern mich gleich von Anfang an mit ihren melodischem Hard Rock und ihrer positiven Energie, welche schnell von der Bühne auf das immer zahlreichere Publikum rüberschwappt. Einen nicht unerheblichen Anteil daran kann sich Frontmann David Foster zuschreiben. Mit einer unglaublichen Gelassenheit singt er die Songs. Überhaupt, obwohl viel Bewegung mit im Spiel ist, wirkt es nie übertrieben hektisch und ich bin nicht versucht mich visuell vom akustischen ablenken zu lassen. Durchaus süffige Songs lassen mich über die gesamte Konzertdauer vor der Bühne verharren. Nie vergessen die Protagonisten, dass ihre Art der Musik auch Spass verbreiten soll, und ihre Leidenschaft ist aus jedem Akkord zu spüren, der gespielt wird. Die Chemie der Musiker muss grossartig sein, gerade auch weil ich gehört habe, wie sich die Jungs auch abseits der Bühne verhalten, Tom hat mir da ein paar Anekdoten des laufenden Tages erzählt. Genau diese Chemie ist aber auch zu spüren. Das kann man nicht lernen, entweder man hat es oder man es nicht und Gin Annie besitzen davon mehr als ein Fass Gin im Lager der besten Destillerie. Ich hoffe schwer die Band schon bald wieder einmal in der Schweiz begrüssen zu dürfen. Der Kontakt zur Band wird später noch bei einem Smalltalk im Backstage Bereich hergestellt. Gin Annie wird zurecht an diversen Stellen als aufstrebender Stern der britischen Rockszene gehandelt.
Für mich die nächste Premiere steht nun auf der Bühne, Absolva. Ich habe es schon geschrieben, hauptsächlich wegen dieser Band bin ich heute hier. Im Vorfeld darf ich mich noch auf gutes Licht für die Fotografen freuen. Absolva versichert uns Fotografen noch, dass sie kein rotes Licht verwenden und weitestgehend auf Nebel verzichten. Das freut doch das Auge hinter dem Sucher und so viel vorweg, sie halten Wort. Die Gebrüder Chris und Luke Appleton verstärkt Tom Atkinson an der Leadgitarre und Schlagzeuger Martin McNee zelebrieren den Heavy Metal, der sowohl die modernen Elemente mit sich bringt aber auch den klassischen Metal wie er nur in England gespielt. Eingängige Riffs, teils doppelläufig, pfeilschnelle Soli gepaart mit melodischen Gesangslinie ist es die moderne Art und Weise des NWoBHM. Im Gepäck bringen sie ihr neues Album «Justice» mit, welches gleich einmal vor dem Schlagzeug-Podest in Szene gesetzt wird und einen Kaufanreiz bietet, dieses am Merchstand wo Janet und Anne die Bandutensilien zum Verkauf anbieten. Die Band selbst hat ein wenig am Personalkarrusell gedreht. Mit der Hinzunahme von Tom als Leadgitarristen, Hat Luke den Bass wieder übernommen. Ursprünglich sollte Tom «nur» für ein paar Konzerte aushelfen, wird aber zwischen der Rocknacht Tennwil und dem Zeitpunkt, wo ich jetzt diese Zeilen schreibe, als fixes Bandmitglied bestätigt. Sagen wir es so, es ist nun zusammen was zusammengehört. Absolva ist eine überaus aktive Band, agiert sie auch als Backing Band von ex Iron Maiden Sänger Blaze Bailey, verfügt sie über genügend Liveerfahrung und Wissen wie eine richtige Heavy Metal Show zelebriert werden muss. Also Verstärker nach bester Spinal Tap Manier auf die 11 und ab nach vorne. Visuell akzentuiert Sänger Chris dies auch immer wieder mit seinen Grimassen, während Tom beim shredden ebenfalls mit dem Gesicht mitspielt. In Einheitsuniform, sprich in der eigenen Absolva-Kutte, die Luke anfertigt, stehen sie also für die nächste Stunde auf der Bühne und lassen ein Gewitter an Riffs und Akkorden durch das Zelt donnern, welches gar nicht so weit von Iron Maiden weg anzusiedeln ist.
Den Job als Headliner übernimmt in diesem Jahr Herman Frank. Die deutsche Gitarrenlegende lässt dabei seiner gesamten Schaffensperiode Revue passieren. Das Vermächtnis von ihm ist gewaltig und reicht über viele Station, sei es Accept, Victory, Iron Allies, Moon’Doc oder seinem Solokatalog. Songs gibt es genügend die für ein abendfüllendes Programm von mehreren Stunden reichen könnte. Dabei greift er auch gleich auf mehrere Sänger:innen zurück, welche er mit zur Rocknacht Tennwil bringt. Zum einen ist da seine Frau Martina, der von Bonfire bekannte Dyan und unsere Schweizer Rockröhre Gianni Pontillo, der ebenfalls bei Victory vor dem Mikrofon steht. Gianni wird zugleich morgen Samstag dann auch noch mit seiner Band The Order auf der Bühne stehen. Ich Döddel mach mir ja fast ausschliesslich Notizen im Kopf und schaffe es auch noch Kollege Dutti beim Schreiben auf den Arm zu nehmen, von wegen ich kann es in meinen alternden Hirnwindungen noch abspeichern. So bin ich mir jetzt gerade nicht sicher, aber meine der erste Song war dann «Right In the Guts» zu dem Dyan die Bühne stürmt. Ich sehe ihn heute zum ersten Mal live und muss attestieren der Bursche hat ein echt geiles Stimmorgan und auch eine starke Bühnenpresenz. Als nächstes wird der Schweizer Joker gezogen und Gianni kommt auf die Bühne um mal alle zu «Welcome To The Show» zu begrüssen. Es macht es einfach auch gleich richtig sympathisch, wenn die folgende Begrüssung auf Schweizerdeutsch ist. Aber auch Gianni verschwindet nach einem Song wieder von der Bühne und macht Martina Platz für den Accept Gassenhauer «Burning». Ich hätte nicht gedacht, dass eine Frau einen Accept Song so stimmgewaltig rüberbringen kann, ohne dass man den Herrn Dirkschneider vermissen muss. Ich finde es aus Sicht des Fotografen natürlich super, wenn bei den drei Songs, die aus dem Fotograben fotografiert werden dürfen, bereits alle Sänger vor dem Sucher standen. Wenn ich weniger super finde ist der Herr am Drücker der Nebelmaschine. Die Bühne wird bei allen Bands, bis auf Absolva, sowas von zugenebelt, dass ich schon fast das GPS benötige, um mich zu orientieren. Ich verstehe ja, dass die Lichtkegel besser zur Geltung kommen, wenn sie sich durch den Nebel fräsen. Nur wenn quasi über die gesamte Konzertdauer gerätselt werden muss, ob jetzt nun ein Schlagzeuger auf der Bühne sitzt oder der Drumcomputer seinen Dienst macht, ist es einfach zuviel. Im Falle von Herman Frank und seiner Legacy ist es Michael Wolpers, denn man nur erahnen kann, ob er nun hinter der Schiessbude sitzt oder nicht. Die übrigen Musiker kommen dann auch immer einmal ein paar Schritte nach vorne, um sich zu präsentieren. Dabei fällt mir das Dauergrinsen von Ingo Lühring am Bass auf. Er hat hier definitiv seinen Spass. Herman selbst steht mehrheitlich hochkonzentriert an seinem Platz und haut Songs, die teils einfach zur Rockgeschichte gehören raus, dass es ein wahrer Genuss ist. Selbst mein Sohn, der halb so alt ist wie der Gassenhauer «Balls To The Walls» nickt andächtig im Takt mit. Es ist ein starkes Set das Geboten wird, finde aber im Mittelteil doch ein paar Hänger ausmache zu können. Ich für meinen Geschmack hätte gerne noch den einen oder anderen Victory Song mehr gehört, ist aber Jammern auf hohem Niveau. Der Rausschmeisser «Check’s In The Mail» stimmt mich dann schon etwas versöhnlich. Die grösste Rampensau auf der Bühne ist dann aber schon Dyan, ihn muss ich mir unbedingt noch einmal mit seiner Stammband reinziehen gehen.
So geht der Tag zu Ende und ich packe meine Mitfahrer ein. Auf dem Heimweg verpennt mein Sohnemann dann die Diskussion über den heutigen Tagessieger zwischen Thomas und mir. Auch mit einer kleinen Fanbrille aufgesetzt, vergebe ich diesen an Absolva, knapp vor Gin Annie und stelle fest, für mich sind es längst nicht mehr die grossen Namen und Headliner, die mich auf Festivals zu überzeugen wissen. Was ich als klares Qualitätsmerkmal an die Bands der sogenannt zweiten Reihe anerkennen muss.
Der Samstag startet ein wenig entspannter, die Fotos vom Vortag auf die Festplatte kopieren, Sicherheitskopie auf die zweite Platte legen und gut ist, denke ich zumindest erst einmal. Dann ein wenig in den sozialen Medien stöbern und schon ist der Druck da. So haben die Kollegen:innen Dani von great-moments.ch, Ralf von wrphotography.ch und Alice vom Rocknews.ch bereits die ersten Bilder online gestellt. Ich glaube auch Rockslave vom metalfactory.ch war bereits aktiv. Dies geht natürlich nicht, also noch schwups mindestens von jeder Band ein Bild editieren. So gross ist der Druck unter uns Fotografen:innen 😊. Es kann nicht oft genug gesagt werden, auch wenn wir mit der Kamera alle für irgendein anderes Magazin fotografieren, der Zusammenhalt und die Freundschaft untereinander ist gewaltig. Man kennt sich, respektiert einander und ist auch einmal eines lobenden Wortes für das gelungene Bild des Anderen nicht zu schade. Oder hilft einander aus, wenn es das Kamerasystem erlaubt oder es mit der Bildbearbeitung vielleicht einmal nicht klappt. Auf der Hinfahrt bilde ich erneut die Fahrgemeinschaft ab Schwyz und natürlich geht die Diskussion weiter über das, was uns heute noch bevorsteht, nichts ahnend was noch kommen soll. Auf dem Gelände angekommen, erklingt aus dem Zelt noch der Soundcheck von Hardline und ich stehe bereits am Tischchen mit Booker Urs und bewundere die Stimmgewalt von Johnny Gioeli.
Soundcheck abgeschlossen macht sich die Band Sevi aus Bulgarien bereit den Einheizer zu spielen. Auch heute ist das Heizen zwar nicht wirklich nötig, denn draussen vor dem Festzelt brennt die Sonne nochmals mit sommerlichen 26°C vom Himmel. Frontfrau Svetlana muss also erst einmal die bereits Anwesenden vor die Bühne locken, was ihr auch mit ihrer sympathischen Art gelingt. Die Band selbst beschreibt ihren Stil als Heart Rock und besteht auch schon seit 15 Jahren. Trotzdem habe ich es bisher noch nicht geschafft sie live zu erleben. Die Rocknacht Tennwil hält also auch heute für mich Premieren auf Lager und Sevi sind nicht die letzte am heutigen Tag. Leider hat auch jetzt am frühen Abend die Nebelmaschine auf Dauerbetrieb geschaltet, was es bereits jetzt schon schwierig macht, den Schlagzeuger Nick auszumachen. Wenn es als im Generellen am ganzen Festival zu kritisieren gibt, dann ist es genau diese Nebelmaschine, die bereits auf Modus Herbst einstellt, ist und jedes vernebelte Flussbett als Kindergeburtstag dastehen lässt. Ansonsten merkt man überall, dass die Rocknacht Tennwil so eingespielt ist, dass einfach alles wie am Schnürchen läuft, zumindest macht es für mich den Anschein dazu. Ich treffe über die beiden Festivaltage immer wieder Thomas, Urs und Chrigu vom OK an und die sind so tiefenentspannt, also glaube ich trügt der Schein auch nicht. Erneut fängt Jürgen, der Mann am Mischpult, an, einen traumhaften Sound unter die Zeltplanen zu zaubern. Er ist einfach auch immer ein sicherer Wert, wenn es darum geht, eine Band akustisch ins richtige Licht zu rücken. Zurück auf der Bühne, da wo die Musik spielt, bewegt sich Svetlana, kaum ruhend im Halbkreis rund um ihren Mikrofonständer und pendelt so zwischen ihrem Bassisten Rally und Gitarristen Luca hin und her. Für mich wirkt dies im Verhältnis zu ihrer traumhaften Stimme und dem «Heart Rock» zunehmend nervös. Sie kann sich bei den Soli oder instrumentalen Passagen aber auch gut zurücknehmen und steht dann dezent im Hintergrund und lässt ihre langen Haare wirbeln. Der Höhepunkt ist dann aber der Moment, als sie einen Gast auf der Bühne begrüsst. Johnny Gioli wartet nicht, bis er mit Hardline an der Reihe ist, sondern setzt bereits kurz vor Schluss des Sets ein Duftzeichen ab. Man merkt die beiden stehen nicht zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne und werden demnächst auch wieder zusammen in der Schweiz auftreten. So geht ein kurzweiliges Set zu Ende, dass gegen Ende auch immer mehr Leute vor die Bühne zu holen vermag.
Die kurze Umbaupause wird jetzt wieder für Gespräche und Albereien genutzt, während sich auf der Bühne The Order bereit macht. Gianni Pontillo hat steht somit an diesem Wochenende bereits zum zweiten Mal auf der Bühne. Nach seinem sporadischen Einsatz am Vorabend hat er nun für eine Stunde die komplette Aufmerksamkeit zusammen mit seinen Mitmusikern. The Order gehören eigentlich bereits zum alten Eisen in der schweizerischen Hard Rock Welt, gibt es sie doch auch schon 20 Jahre und kann auch auf genügend Songmaterial zurückgreifen. Mein Eindruck ist auch, dass Gianni heute noch besser bei Stimme ist als noch am Vorabend. Auf alle Fälle ist er mit «seiner» Band lockerer unterwegs und lässt auch schon einmal den einen oder anderen Spruch vom Stapel. Dass The Order sich wieder im Studio befinden und neue Songs aufnehmen, kündigt er auch gleich an und gibt auch die Veröffentlichung für das Frühjahr 2026 bekannt. Einen neuen Song lassen sie auch gleich folgen, der angenehm härter ausfällt als das bisher gewohnte Material. Insgesamt hinterlässt die Band eine starke Visitenkarte und rockt die Bude gewaltig. Ich bin jetzt richtig warmgelaufen für die nächste Premiere.
Black Oak County kommen aus Dänemark und treten zum ersten Mal in der Schweiz auf. Dies obwohl ihr Tourfahrzeug sich beim Grenzübertitt verabschiedet und den Dienst quittiert, wie ich uns später von der Bühne her erzählt wird. Dänemark steht seit jeher für Rock der Güteklasse 1A. Was dieses kleine Land schon an grossartigen Bands hervorgebracht hat ist unglaublich. Von Black Oak County habe ich bis vor einem Jahr noch nie etwas gehört. Bis Foto(gr)affen- Kollege 😊 Ralf mir damals von der Band vorschwärmte. Natürlich habe ich nach seiner abgegebenen Expertise dann auch einmal reingehört und musste eingestehen, der Junge hat Recht, die Band rockt gewaltig und ziemlich frisch von der Leber weg. Er schwärmte vor einem Jahr ja nicht nur bei mir sondern auch beim Rocknacht Tennwil Booker Urs und er verkündete letztes Jahr als erstes schon die Verpflichtung von Black Oak County. Es herrschte damals zwar noch eher betretenes Schweigen als das alle gleich in Jubelstürme ausbrachen. Die Dänen war ja auch noch nie in der Schweiz bis heute Samstag. Aber was jetzt folgt ist ein Auftritt wie aus dem Lehrbuch. Der Vierer stürmt die Bühne und gibt gleich einmal den Rock’n’Roll Tarif durch. Nicht wenigen verfällt die Kinnlade gerade der Schwerkraft und wird nur vom bereits etwas matschigen Boden im Festzelt aufgehalten. Sänger und Gitarriste kriegt sein Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht geschnitten, ich denke er weiss bereits beim ersten Song, diese Show ist im Sack. Trotzdem wird nicht in den Schongang geschaltet, ist man erst einmal oben auf dem Gipfel, bleibt noch ein wenig da und geniesst den Gipfelwein. Hier wird er serviert von einer Band die mit schonungsloser Art und Weise sich bachnass schwitzt bis der Schweiss nur so runterläuft und man sich auch einigen Kleidungsstücken entledigt. Getrunken wird dieser süffige Gipfelwein von einer durstigen Meute vor dem Absperrgitter und der Platz da wird auch zunehmend voller. Schnell wird klar, egal was jetzt noch kommen soll, man muss erst an den Dänen vorbei stürmen. Mir kommt es ein wenig vor wie an der Fussball-EM 1992. Damals hatte auch keiner die Dänen auf der Rechnung, als sie aus den Ferien die Fussballbühne stürmten und im Final mit 2:0 siegten. Black Oak County gewinnt auch 2:0. Das erste Tor schiesst der Booker, der auf einen Fotografen hört und diese geile Band nach Tennwil holt. Das zweite Tor schiesst die Band selber, die den Pass dankbar annehmen und unhaltsam im Tor versenken. Ich habe nach dem Auftritt niemanden gehört, dem der frische, energiegeladene Auftritt nicht gefallen hat. Also bitte schnell wieder in die Schweiz kommen, das war extrem geil.
Die Steilvorlage ist nun also für den Headliner Hardline gegeben, können sie den hohen Level oben behalten? Das Johnny Gioeli nach wie vor sehr sehr gut bei Stimme ist, habe ich schon beim Soundcheck mitgekriegt. Auch hat Hardline durch die vielen Besuche und Auftritte hier in der Schweiz eine beachtliche Fanbasis. Was ich aber beim Soundcheck schon bemerkt habe, da ist nicht die Stammannschaft auf der Bühne, Alessandro Del Vecchio fehlt. Wie ich bei meinen Recherchen dann schnell feststelle, ist er aktuell mit Vanden Plas auf Tour und spielt heute in Polen. Er wird im Gegensatz zu Anna Portalupi heute nicht ersetzt. Für Bassistin Anna hingegen springt der Meister der vier Saiten, Alex Jansen, persönlich ein. So ohne Keyboards könnte es heute also einen Zacken härter zu und her gehen. Der Einstieg in die folgenden 90 Minuten gelingt auch nach Mass und kratzt schon einmal am Level der Vorgänger aus Dänemark. Johnny wirbelt auf der Bühne rum, als hätte er sich in ein Hornissennest gesetzt. Eigentlich ein Wunder trifft er bei diesem Bewegungsdrang auch seine Töne wie der Gott der die Schweiz erschaffen hat, wie er unser Land heute noch rühmt. Also drei Songs aus dem Graben fotografieren, mal kurz zum FOH und ein paar Fotos machen. Dann ist der Plan auf die Bühne zu gehen, um auch dort ein paar Bilder des Schlagzeugers Marco Di Salvia auf die Speicherkarte zu bannen. Aber was ist den nun los. Alex und Marco sind nicht mehr auf der Bühne. Also stehe ich etwas abseits zum Monitormix und warte, warte und warte. Johnny redet und singt sich gerade durch ein Medley aus «Who Wants To Live Forever», «Hallelujah» und anderen Nummern. Begleitet nur durch Gitarrist Luca Princiotta, dessen Auftritt heute auch ein besonderer ist, wie Johnny verrät, hat Luca erst gerade seinen Vater verloren, Respekt und mein Beileid an dieser Stelle. Dies geht nun ein paar Minuten und irgendwann kommen sie dann aber wie auf die Bühne zurück und ich krieg auch meine Bilder vom Schlagzeuger. Leider nimmt dies in meinen Augen aber ein wenig den Fluss. Musikalisch und gesanglich natürlich immer noch absolut überragend aber ich habe das Gefühl, Hardline wird hier gerade ein wenig zu Softline. Ich nutze die Zeit mit zwei doch recht langen und tollen Gesprächen mit Toni und danach noch mit Moritz von Voltage Arc, die wieder geschlossen als Band hier an der Rocknacht sind, da wo ich sie zwei Jahre zuvor entdeckt habe. Ohne einen Blick auf die Bühne zu werfen habe ich aber auch nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben. So langsam drückt Hardline das Gaspedal wieder etwas nach unten und mit «Hot Cherie» holen auch sie mich wieder hinter dem Ofen hervor. Hot Cherie wurde damals ja auch vom Schweizer Steve Thomson (der einst den Titel Rockstar 1987 trug) gecovert. Was aber viele nicht wissen, die Nummer ist auch nicht von Hardline, sondern wurde von der kanadischen Band Streetheart geschrieben. Aber ja jetzt kommt wieder Leben in die Bude und Schwung in die Beine. Natürlich darf auch ein «Rhythm From A Red Car» nicht fehlen und bildet den Abschluss eines guten Konzertes, welches sich, zumindest für mich, im Mittelteil wie Kaugummi zog. Dabei steht aber die Qualität der Protagonisten auf der Bühne ausser Frage, die war stark.
Wir sind nun nur noch einen Auftritt vom Ende der Rocknacht Tennwil entfernt. Diesen Abschluss dürfen die einheimischen Bloody Horseface machen. Und die Pferdegesichter hauen gleich mal einen Metalklassiker nach dem anderen aus den Saiten. Machen weder vor Manowar, noch vor Iron Maiden oder Pantera halt, da ist alles dabei was in den letzten 40 Jahren Klassiker abgeliefert hat. Der Auftritt markiert aber auch den letzten Einsatz des Bassisten Heinz, der während dem letzten Song gebührend und ehrenvoll verabschiedet wird. So findet die diesjährige Ausgabe einen würdigen Abschied.
Ich mache mich gerade vom Mischpult, von wo ich die letzten Fotos geschossen habe, auf den Weg in den Backstage-Bereich. Möchte mich der Kamera entledigen und mich noch etwas unter die Leute werfen und über das gerade zu Ende gegangene Festival philosphieren. Da erfahre ich wie nah Freud und Leid doch zusammen sind. Einen Augenblick von einander entfernt, ein Wimpernschlag. Es versetzt mich in Schockstarre, als mich Anne vom Metalfactory mit der Nachricht vom Ableben Kaufi’s in Kenntnis setzt, Ungläubig starre ich die nächsten mir entgegenkommenden Personen an, leider bewahrheitet sich die Nachricht. Deshalb widme ich diesen Festivalrückblick hier an Kaufi. Einer aussergewöhnlichen Person, über desen Fähigkeit, in seinen Berichten die Gratwanderung zu schaffen, immer wohlwollend zu schreiben, auch wenn es sich nicht um Kaufi Musik gehandelt hat, ich bewundert habe. Genau davon haben Thomas und ich heute bei der Hinfahrt im Auto diskutiert, nichtsahnend welch traurige Nachricht uns heute noch ereilen wird. Was soll ich über die Rückfahrt noch schreiben. Es war die Bedrücktheit in uns allen zu spüren. Wir diskutierten natürlich noch den Tagessieg aus und überhaupt den Festivalgewinner. Da ich Ralf mit nach Hause nahm, waren wir schon einmal zu Zweit mit der gleichen Meinung, dass es klar Black Oak County war. Leider habe ich aber die beiden Antworten der Mitfahrenden nicht mehr präsent. Meinen Sohn könnte ich ja jetzt noch fragen, der ist aber genau zu diesem Zeitpunkt wo ich diese Sätze hier schreibe, im Ausgang.
Das Datum für die nächste Rocknacht Tennwil steht auch bereits. Diese findet am 18. + 19. September 2026 statt.
Sämtliche Bilder die ich gemacht habe finden sich in der Galerie wieder, man muss halt mittlerweile ein wenig scrollen.
Zu guter Letzt bleibt mir noch mich bei allen Involvierten zu bedanken, die ein solches Fest ermöglichen. Danke dem OK für die Gastfreundschaft, es war mir wieder eine Ehre.