Mitte August geht es vielerorts gegen Ende der Ferienzeit zu. Der richtige Moment noch einmal ein Open Air zu besuchen. Vor zwei Jahren zum ersten Mal auf dem Kalender aufgetaucht ist das Rock The Lakes in der französisch sprechenden Schweiz. Gleich auf Anhieb konnte das Festival mit einer unglaublichen Location inklusive grossartiger Aussicht auf den Murtensee punkten. Ich war damals zugegen (Bericht hier) und auch im Folgejahr (auch hier gibt es einen Bericht darüber). Das Festival konnte mit seiner sympathischen Art überzeugen und man merkte, dass mit dem Initiant Daniel Botteron ein Rockfan die Fäden in der Hand hat und genau weiss, was er möchte. Die dritte Ausgabe findet jedoch nicht mehr an gleicher Stätte statt und auch sonst hat sich einiges geändert. Wie es war, erfahrt ihr in diesem kleinen Festivalrückblick.

Die Anreise verläuft total unkompliziert, die Unterkunft, die ich im letzten Jahr schon gleich im Anschluss gebucht habe, finde ich auch nach einem Jahr Abwesenheit sogar wieder auf Anhieb. Mein überschüssiges Zimmer, konnte ich sogar noch kurzfristig einem Kollegen vermitteln. Mit ihm treffe ich mich dann auch in der Unterkunft unter dem lauschigen Gartenrefugium und so fahren wir dann gemeinsam in Richtung Cudrefin, dahin wo das Festival neu platziert wurde. Schon bei der Anfahrt müssen wir uns aber an die Redseligkeit einiger Autofahrer gewöhnen, die auf der einspurigen Strasse zum Parkplatz wohl noch das Eine oder andere zu monieren haben. Eigentlich ist doch recht einfach, hinfahren, fünf Franken zücken und wegfahren zum Parkplatz. Übrigens finde ich, dass richtig günstig, parkieren für einen Fünfliber, wohlverstanden für die kompletten drei Tage. Wir bleiben letztlich jedoch nur einen Tag auf dem Parkplatz, dazu aber später mehr. Auch meinen Presseausweis inklusive Zugang zum Fotograben kann ich extrem zügig entgegennehmen. Super, dass man für Gäste und Presse ein eigenes Häuschen aufgestellt hat, was dem Fluss im Eingangsbereich doch erheblich erleichtert, gerade wenn dann noch viele Leute kommen. Also ab und rein ins Geschehen. Das Pressezelt ist auch schnell gefunden hinter der VIP-Tribüne. Sofort natürlich geht es über zur (Schnupf)Begrüssung der bereits anwesenden Kollegen und Freunden, die bereits hier sind. Der erste Rundgang über das Gelände muss natürlich auch noch drin liegen, bevor es dann um Punkt 13:00h mit dem Liveprogramm losgeht. Hoch über dem Neuenburger See gelegen ist das Gelände mit allerlei kulinarischen Ständen gefüllt. In der Mitte protzt eine grosse VIP-Tribüne, gleich nebenan der FOH-Turm mit der ganzen Technik. Einige wenige Zelte sind auch ausmachbar damit an diesem glutheissen Tag hin und wieder auch einmal der Schatten aufgesucht werden kann. Prominent in Seerichtung natürlich der Grund weshalb am heutigen ausverkauften Freitag die Doppelbühne. Ja in diesem Jahr sind es zwei Bühnen, die für das Publikum die Sicht auf den See versperren. Jetzt aber genug Vorgeplänkel, schliesslich bin ich ja wegen der Musik hier

Das Festival eröffnet mit Vicious Rain eine Schweizer Band aus dem Kanton Aargau die Casino Stage. Die Band hat sich erst 2022 zusammengetan und ihr Debüt Album erscheint auch erst am 11. Oktober. Trotzdem hat es die Band geschafft, mit ihrem Metalcore die Veranstalter auf sich aufmerksam zu machen. Auch haben sie es geschafft von Start weg gleich mit Arising Empire ein auf ihr Genre zugeschnittenes grosses Label zu begeistern. Live hat die Band bereits auf einigen Bühnen Erfahrung sammeln können. Nun spielen sie also auf der neuen grossen, eigens von Megaforce für dieses Festival geschaffene Doppelbühne mit einer Spannweite von 50m. Die ideale Spielwiese für eine aufstrebende Band die hier einen gelungenen Einstieg in drei Tage harte Klänge liefert.

Avralize die als nächstes die Iceberg Stage zum ersten Mal bespielen, gewinnen garantiert keinen Stilwettbewerb in Sachen Klamotten. Spätestens jetzt wird klar, was zwei Bühnen bedeuten. Es gibt kaum Luft zum Verschnaufen zwischen den Bands. Es bleiben gerade einmal maximal fünf Minuten Pause, bevor es Schlag auf Schlag weitergeht. Richtig abholen konnten mich die Label Kollegen von Vicious Rain mit ihrem Modern Metalcore jedoch nicht. Auch diese Band ist noch nicht so lange im Geschäft und haben erst anfangs des Jahres ihr Debütalbum veröffentlicht. Mir fehlt noch ein wenig die Identität der Band, die irgendwo in den Gewässern von Electric Callboy zu fischen versuchen. Bleibt aber sicher interessant die Karriere weiter im Auge zu behalten.

Bereits bei der dritten Band, ich habe es erwähnt, es geht Schlag auf Schlag, vor allem bei den ersten Bands. Kaum ist man aus dem Fotograben raus, geht es an diesem heutigen sehr heissen Tag schnell in den Schatten. Oder zu den dankbarerweise vielerorts auf dem Gelände installierten Wasserhähnen und kühlt sich etwas ab, bevor es wieder in den Fotograben geht. Und dann steht auf der Bühne eine Band dessen Namen ein Gefäss ist für die Aufnahme der Asche nach einem 1000°C heissen Verbrennungsprozess. Das Trio nennt sich Urne und spielt heute zum ersten Mal in der Schweiz. Die Engländer kann man irgendwo in der Schnittmenge von Gojira und Tool ansiedeln mit Songs, die nur so vor Schmerz strotzen, was sich in meinen Augen auch auf die Band überträgt. So zumindest habe ich es in meinen Festivalnotizen niedergeschrieben. Anders kann ich mir den Gesichtsausdruck von Bassist Joe Nally nicht erklären. Er hat nach drei Bands bereits den Titel als grimmig, schmerzverzerrt dreinschauender Musiker bereits sicher im Sack. Da hilft auch die Entschuldigung nichts, dass sie kein Backdrop dabeihaben.

Allein der Schriftzug von Bodysnatcher zeigt schon in welche Stilrichtung der nächste Auftritt geht. Hardcore ist bei der Band aus Melbourne angesagt. Nicht das Melbourne in Australien, sondern die gleichnamige Stadt aus Florida. Der Aufforderung nach Circle Pit kommt das Publikum natürlich nach, auch wenn er im Moment noch in einem etwas überschaubaren Kreis stattfindet. Den ein Blick auf die Zufahrtstrasse zeigt, dass noch einige Autos darauf warten ihren Parkplatz beziehen zu dürfen. Ich bin geneigt dazu irgendwo auf dem Gelände ein Stand aufzusuchen, der die guten alten Ricola verkauft, denn wo wie hier der Frontmann kreischt, glaube ich, dass er ein guter Abnehmer für ein paar in Würfel gepresste Alpenkräuter wäre. Ich gebe zu, es ist nicht ganz meine Baustelle, das Publikum hier in Cudrefin jedoch feiert bisher jede Band so ziemlich ab.

Kompletter Stilbruch folgt als nächstes. Mit All For Metal steht eine der angesagten Heavy Metal Bands auf dem Programm. Der Aufstieg des Ensembles ist schon fast kometenhaft. Innerhalb eines Jahres konnte man bereits zwei Europatourneen absolvieren, spielte auf allen etablierten Festivals des alten Kontinents und bringen demnächst ihr zweites Album auf den Markt. Die Band rund um Tetzel und Antonio Calanna ist also alles andere als faul. Dabei grenzt es fast an ein Wunder, dass sie alle ihre Termine organisieren, ist man teilweise noch in anderen Bands oder mit Musicals beschäftigt. Dies funktioniert aber, wenn man einen Blick auch hinter die Kulissen wagt und sieht, wer da alles als Songschreiber involviert ist. Da ist doch die eine oder andere Überraschung dabei. Vor allem mit Hardy Krech hat man da eine Person im Wikingerboot der weiss wie grosse eingängige Geschichten geschrieben werden, sei es im zuckersüssen Pop hin zum Schlager bis zu Rock, selbst auf dem gerade erschienen Kissin’ Dynamite Album hat er seine Kredits hinterlassen. Wie umgekehrt Hannes auch teils bei All For Metal Songs seine Finger mit im Spiel hatte. Was folgt ist eine Machtdemonstration der deutsch/italienischen Truppe. Es wird richtig was geboten auf der Bühne, nicht nur dank den beiden Tänzerinnen. Der Derwisch schlechthin ist aber Bassist Florian, der die Bühne richtiggehend einverleibt und jeden Zentimeter ausnützt. Die Hymnen sind zum Mitsingen gemacht, dies weiss die Band auch und lässt das Publikum in Ekstase tanzen. Sobald die Fotografen raus aus dem Fotograben sind, stürzt sich Antonio in den Graben und geht mit den ersten Reihen auf Tuchfühlung. Derweilen auf der Bühne Tetzel die Muskeln spielen lässt und Gitarristin Jasmin eine Grimasse nach der anderen schneidet. Die Maschine All For Metal läuft wie ein Motor, es werden Goodies in Form von Bierdeckeln, Kleber oder auch T-Shirts verteilt. Da ich die Band erst vor Kurzem im Z7 gesehen haben, nichts neues für mich. Aber es ist eine unglaublich nette Geste und macht die Jungs und Mädels einfach um einiges sympathischer. Natürlich gibt es im Anschluss noch eine Autogrammstunde. Es ist eines der Konzerte, welches ich mir auch bei der Affenhitze gerne auch von hinten bis zum Schluss anschaue und mich sehr gut unterhalten fühle. Auch wenn die Songs nach dem üblichen Schema gestrickt sind, die Band schafft es alles rund um einen herum vergessen zu lassen. Natürlich nur, wem es gefällt, und mir tut es das.

Den Preis für die coolste Bühnendeko geht ganz klar an Rise Of The Northstar. Die Band aus Paris kann natürlich nicht nur mit französischen Ansagen punkten, aber einen Kirschblütenbaum neben dem Schlagzeug habe ich auch noch nicht gerade gesehen, hübsch anzuschauen und mal schauen, ob es auf den Fotos dann auch so rüberkommt. Der japanische Einschlag auf dem Backdrop spiegelt sich aber auch auf die Musiker. Ich selbst hatte bisher noch keine Berührungspunkte mit der Band, ist also Neuland für mich. Es ist eine Mischung aus Rap-Metal, Groove Metal und Hardcore, eine Mischung, die es nicht nachhaltig in meine Playlist schaffen wird. Obwohl es viel Spass macht den Ninjas auf der Bühne zuzuschauen, die ebenfalls sichtlich ihren Spass an der Sache haben. Dieser Einfluss aus der japanischen Kultur ist interessanter Farbtupfer. Dass die Band durchaus ihre Anhänger hat, zeigt der Blick ins Publikum, wo ich dann doch auch noch ein paar Kimonos und aufgehende Sonnen entdecken konnte.

Für mich gibt es die ganz grossen Melodic Death Metal Bands, dazu gehören Amorphis und Dark Tranquillity, die ich beide im Rahmen des Festivals noch hören werden. Auf dem Podest steht da zwar noch eine andere Göteborger Institution aber die Finnen von Insomnium teilen sich diese Bronzemedaille mit In Flames. Insomnium gibt es nun auch schon etliche Jahre und haben sich über diese Zeit eine ziemliche Fanbase erarbeitet, was man auch an der Anzahl Shirts auf dem Gelände ansieht. Und es geht gleich mit 1696 los und die Finnen haben sofort das Publikum hinter sich. Das Album Anno 1696 ist auch gleich für die Hälfte der Setliste verantwortlich. Einem Set, welches eigentlich viel zu kurz ist. Es ist einfach nur sphärisch, dramatisch schön den Finnen zu lauschen und nicht wenige auf dem Gelände sprechen hier schon von einem echten Höhepunkt des Festivals. Sie bauen hier in der Schweiz auch kontinuierlich die Fanbase aus, war es doch bereits der dritte Auftritt in diesem Jahr in Hel(l)vetia.

Zurück an der Iceberg Stage geht es dann wieder etwas böser zu. Lionheart entert die Bühne. Nicht zu verwechseln mit dem englischen gleichnamigen All-Star-Ensemble rund um Jess Cox und Dennis Stratton. Hier gehen Kalifornier ans Werk und stampfen mit ihrem Hardcore alles in den Boden. Gelernt ist gelernt, schliesslich ist man bereits seit 20 Jahren im Geschäft. Nun kommen auch die ersten Pyroeffekte zum Zuge und lassen ein paar Flammen in die Höhe schnellen. Zugegen ich bin ein wenig überrascht, als ich durch den Sucher fokussiere und auf einmal die zusätzliche Wärme verspüre. Weiter stehen noch ein paar maskierte Backgroundsänger auf der Bühne und nicht nur dort. Als ich mich ins Infield begebe, laufen auch ein paar maskierte Kameramänner rum, die ohne Zweifel garantiert auch zum Tourtross der Amerikaner gehören. Die Band hat einen gewissen Kultstatus und das merkt man als Frontmann Rob Watson die Band zu Beastie Boys Fight For Your Right vorstellt und jeder Name gefeiert wird.

Wieder ist Kontrastprogramm angesagt, Amaranthe macht sich bereit auf die Bühne zu kommen. Ich bin zu einer Zeit auf die Schweden gestossen, als die Überballade Amaranthine veröffentlicht wurde, und war auf Anhieb hin und weg von der Band. Zwei Sänger und eine Sängerin die unterschiedlicher in den Gesangsstimmen nicht sein können haben mich damals fasziniert. Heute ist dieses Überraschungsmoment von damals bei mir ein wenig verblasst. Die Band schreibt immer noch grossartige Songs mit Ohrwurmqualitäten, dies steht ausser Frage. Nur packen mich die Songs seit zwei Alben nicht mehr so. Vielleicht kann auch nur Status Quo seit mehr als 50 Jahren Songs schreiben, die immer gleich klingen den Partyfaktor aber trotzdem immer hochhalten. Bei Amaranthe gefallen mir die Songs zwar aber reissen mich aber mit den neuen Sachen einfach nicht mehr. Zudem ist heute der Sound der Schweden echt scheisse. Die Sampler pflastern alles zu und das Schlagzeug ist sowas von hoch getriggert, dass ich versucht bin zu sagen wir haben heute eine Drum & Bass Band am Start. Olof ist an den sechs Saiten fast nicht auszumachen. Das Schlagzeug ist wirklich omnipräsent und nimmt mir den Spass ein wenig an der ansonsten sehr professionell agierenden Band, auch wenn man schon fast versucht ist zu sagen, zu professionell. Die Performance ist mir fast schon zu steril einstudiert. Dem Publikum macht es aber Spass auch an der Amaranthe hausinternen «Noise Competition» mitzumachen, welche sie über die gesamte Festivalsaison veranstalten. Bei «That Song» wird sogar der Überhit «We Will Rock You» von Queen mit eingebaut. Mit dem Abschlusssong «Dead Drop Cynical» haben die Schweden dann aber auch mich wieder auf ihrer Seite.

Nun steht eine echte Thrash Legende auf der Bühne. Wieso man die Big Four nicht auf die Big Five ausgeweitet zu Gunsten von Exodus hat, ist mir unerklärlich. Genau da gehören die Bay Area Thrasher nämlich hin. Bereits im Fotograben mache ich mich bereit auf den Moment, wenn der Schlagzeuger seinen Arbeitsplatz betritt und sich der Menge vor der Bühne zeigt. Meist ist es der Moment, an dem man den Drummer am besten ablichten kann, bevor er sich hinter all seinen Becken versteckt. Da stehe ich also, das Intro läuft bereits (Zehn kleine Jägermeister) blicke durch den Sucher und mache schon einmal die erste Grobeinstellung an der Verschlusszeit und dem Iso-Wert. Genau in diesem Moment schaut Tom Hunting zwischen seinen Toms, Becken und dem einen Kick hindurch und entdeckt mich. Kurz kleiner und Zeigefinger in die Höhe und ein Lächeln aufsetzen und mein Schnappschuss ist im Kasten, dabei unterlasse ich es nicht mich mit einem «Daumen hoch» zu bedanken. Was dann Steve Souza, Gary Holt, Lee Altus, Jack Gibson und Tom zelebrieren, markiert den kompletten Abriss. Dies mit gleich zu Beginn mit Bonded By Blood im Set ist aber auch ein leichtes Unterfangen. Gray Holt ist in unglaublicher Spiellaune und rockt die Bühne mit seinen nicht minder aktiven Bandmitglieder. Dabei spielen sie ein Setlist für die Thrashgötter. Die 1981 gegründete Band gehört in dieser Form noch lange nicht zum alten Eisen und machen hoffentlich noch einige Jahre die Bühnen der Welt unsicher.

Seit einer Ewigkeit stehen bei mir auf dem Podest der Lieblingsbands an zweiter Position Amorphis. 1996 nutzte ich Black Winter Day als Hintergrundmusik bei meinem Anrufbeantworter meines damals eigentlich schon veralteten Wählscheibentelefon, welches ich erst gewechselt hatte, als es hiess; für deutsch drücken sie die 1. Die Fanbrille ist also aufgesetzt und ich werde einmal mehr nicht enttäuscht. Haben Amorphis eigentlich schon einmal einen schlechten Auftritt hingelegt, ich glaube nicht. Es kommt nicht anders als erwartet, eine Symbiose aus Progressivität, Melodie und wunderschönen Klangteppichen in tadelloser Soundqualität erschallt hier hoch über Cudrefin über das Gelände. Als Fotograf ist es zwar eine kleine Herausforderung einigermassen Bilder hinzukriegen. Es war wieder einmal ganz grosses Kino und Tomi hat auch schon weniger gesprochen als heute, er war also sicherlich auch sehr angetan ab dem, was vor der Bühne abging.

Jetzt ist es aber Zeit für den Headliner Behemoth und auf die freue ich mich nun bereits seit einem Jahr. Ich höre mir privat zwar nicht wirklich sehr viel Black Metal an, aber die Polen rund um Frontmann Nergal gehen irgendwie immer. Ich habe sie vor ein paar Jahren für mich entdeckt und war sehr begeistert nicht nur von ihrem Sound, sondern eben auch von der Präsenz des Frontmannes, der auch neben der Bühne schon einmal zu polarisieren weiss. Er schreibt einfach grossartige Songs und wer mit seiner Stammkapelle nichts anzufangen weiss, soll auch einmal in seine andere Band Me And That Man reinhören und wird überrascht sein. Erst aber ist die Bühne noch von einem grossen weissen Tuch bedeckt auf dem beim Intro ein paar Schattenspiele stattfinden. Als dann der Vorhang fällt, knallen uns rasiermesserscharfe Riffs entgegen und eine richtig gut gelaunte Band, die eine wahre Spielfreude an den Tag legt. Eines Headliner mehr als würdig auch die Bühnenshow. Da brennt schon einmal der Drumriser und auch sonst schiessen die Pyros in die Höhe. Auch die seitlich erhöhten Podeste werden wacker genutzt und so wird die ganze Show zu einem Siegeszug für die Band aus Danzig. Fasziniert stehe ich etwas weiter hinten vor der VIP-Tribüne und einverleibe mir den kompletten Auftritt, genau wie 5’000 weiteren Gäste, der heutige Tag ist schliesslich ausverkauft. Ich denke mit diesem Auftritt haben Behemoth definitiv weitere Fans dazugewonnen. Eine Show ohne Makel.

Als Intro läuft bereits «take on me” von a-Ha und dann gleich noch ein weiterer 80er Jahre Hit. Da ich wieder einmal sehr schlecht vorbereitet bin, und mir die jetzt dann gleich auf die Bühne stürmenden Comeback Kid im Vorfeld nicht angehört habe, dachte ich jetzt kommt eine Band, die irgendwelche 80er Hits neu vernudelt. Aber die Band heisst ja nicht Comeback Hit. Die Idee habe ich aber spontan ganz gut gefunden, was würde dies für eine Party geben, alte Hits zu verwurschteln. Als Rausschmeisser nach dem Abriss von Behemoth hat man es heute nicht leicht. Die Hardcore Band aus Winnipeg hat schon eine recht umfassende Diskografie über die letzten 22 Jahre im Gepäck. Ich belasse es aber bei den ersten drei Songs und verziehe mich wie bereits viele Andere aus dem Publikum in Richtung Auto. Zusammen mit Kollege Ivan suchen wir das Auto und finden es auch fast auf Anhieb. Der Zweifel am Parkgelände den wir aktuell hegen bekommt dann noch einen zusätzlichen Schub, als unsere Hilfe angefordert wird einen Kleinwagen aus dem Schlamm zu schieben, was uns nicht gelungen ist. Für uns ist klar, morgen parkieren wir unten im Dorf und machen Gebrauch vom Shuttlebus.

Der Samstag beginnt damit, dass ich schon einmal etwas Bilder vom Vortag aussortiere, damit ich zu Hause dann schon einmal etwas weniger Arbeit habe. Die Entscheidung zwischen, dieses Bild hier nehme ich, dieses hier nicht ist immer so eine Sache. Danach noch ein wenig Hunde der Vermieter kraulen und einen kurzen Schwatz mit den anderen Gästen im Hause, die ebenfalls am Tag zuvor auf dem Gelände waren. Dann fahren Ivan und ich auch schon los Richtung Cudrefin. Wie erwähnt parkieren wir auf dem grossen öffentlichen Parkplatz im Dorf. Da der Shuttlebus noch etwas auf sich warten lässt nehmen wir den Fussmarsch hoch zu Gelände unter die Füsse. Zeitlich geht dies super auf, da wir genau zur Öffnung auf dem Gelände ankommen. So bleibt noch etwas Zeit für Smalltalk bevor es dann um 13:00h wieder pünktlich losgeht.

Die erste Band am heutigen Tag ist erneut aus der Schweiz. An allen drei Tagen wird das Festival jeweils von einer einheimischen Band eröffnet. Diesmal sind Kassogtha an der Reihe, der Bandname kommt aus dem weitläufigen Umfeld von H.P. Lovecraft und wird als Cthulhus Schwester dargestellt. Der Fünfer aus Genf ist aber definitiv nicht im Horrorsektor anzugliedern. Da würde allein schon der Schlagzeuger nicht hinpassen, er setzt über die komplette halbe Stunde ein Dauergrinsen, so dass es ein Genuss ist ihm zuzuschauen. Er, wie auch die der Rest der Band haben sichtlich ihren Spass, hier auf dem Rock The Lakes zu spielen. Im Frühling waren sie noch in halb Europa unterwegs als Support von Nervosa, überhaupt ist die Band ziemlich aktiv. Auch nach dem Konzert sieht man die Musiker immer wieder über das Gelände laufen und sich mit Fans und Freunden zu unterhalten. Genf ist ja auch nicht so weit weg.

Da hatten Thrown schon ein bisschen die längere Anreise. Die Hardcore Band kommt aus Schweden und sind eigentlich noch relativ jung, gegründet wurde die Band 2020. Da Hardcore wirklich nicht so richtig das meine ist, laufe ich jetzt einmal die Essensstände ab und entscheide mich für etwas asiatisches. Es muss jetzt schnell gehen, denn kaum verpflegt steht auch schon die nächste Band auf der Iceberg Stage bereit.

Dabei handelt es sich um die schottische Band Vukovi aus Cill Fhinnean (Kilwinning). Nicht gerade die Stadt von Welt, hat aber mit dem Men At Work Frontmann Colin Hay schon eine bekannte Persönlichkeit in der Musiklandschaft platzieren können. Und die Band punktet ebenfalls gleich am Anfang mit der sympathischen Art der Sängerin Janine Shilstone. Mit stark schottischem Akzent verspricht sie extra langsam zu sprechen, damit man sie auch versteht. Die Wölfe (Vukovi ist das serbische Wort für Wolf) bringen überhaupt einen musikalischen Farbtupfer auf das Festival, Rock mit Alternative Metal Einschlag ist die Devise. Die Energie, die von Janine ausgestrahlt wird, übertrifft alles, sie wirbelt über die Bühne, so dass es durchaus seine Berechtigung hat, dass das Schlagzeug auf die linke Seite rausplatziert wird. Räkelt sich auch schon am Bühnenrand und zeiht den Fokus des ganzen Fotograbens auf sich. Ein sehr erfrischender Auftritt des Trios.

Als nächstes folgt eine gesunde Portion Symphonic Metal. Ein Genre, dass mir grundsätzlich sehr zusagt, auch sind Xandria keine Unbekannten, die sich in diesen Gewässern bewegen. Ich habe sie zwar noch nie live gesehen, deshalb freue ich mich auch darauf diese Premiere über mich ergehen zu lassen. Die Band rund um Marco Heubaum hat sich vor zwei Jahre rundum erneuert und wie aus dem Nichts stand auf einmal eine neue Band da, mit Marco als letzte Konstante. Ich habe von vielen Stimmen auf dem Gelände gehört, dass sie Xandria noch nie selten so gut erlebt haben. Meine Begeisterung hält sich aber vom ersten Ton an in Grenzen. Es liegt nicht an der Musik und auch nicht am Engagement der Protagonisten auf der Bühne, dies passt alles. Aber, und jetzt kommt das grosse Aber. Wieso kann man Symphonic-Metal spielen ohne einen Keyboarder in der Band. Klar auf den Aufnahmen macht dies alles Marco selbst, aber auf Tour darf man doch einen mitnehmen. Zudem steht heute auch kein Bassist auf der Bühne, ich habe Videos von Summerfestivals gesehen, da war der Bassist dabei, dies kann natürlich seine Gründe haben, der Terminkalender lässt es nicht immer zu. Aber bei mir hinterlässt dies leider einen zwiespältigen Eindruck. Da trennt sich in meinen Augen die Spreu vom Weizen, wenn man die grossen dieses Genres anschaut. Heute kommt dann halt einfach die Hälfte vom Band. Wie gesagt, hat bestimmt seine Gründe, die Band selbst agiert jedoch wirklich top.

Bei Annisokay sitzt heute auch nicht der etatmässige Schlagzeuger Nico auf dem Stuhl, sondern ein Fellgerber namens Silas. Nico musste aus familiären Gründen passen. Der Metalcore der deutschen Band hat mir aber schon früher immer sehr zugesagt und so ist es auch heute. Die Band ist gut drauf und spielt sich. Mir gefällt vor allem die Stimmfarbe des Clean Gesanges von Gitarrist Christoph Wieczorek. Natürlich darf die Wall of Death nicht fehlen. Diese wird über das gesamte Wochenende mehrmals gefordert, genau wie auch der Circle Pit. Beim Auftritt frage ich mich aber einmal mehr, weshalb haben fast alle Sänger von Metalcore Bands kabelgebundenes Mikrofon. Sind doch gerade die Shouter diejenigen mit dem grössten Bewegungsradius und schleppen diese Stolperfalle über kreuz und quer über die Bühne.

Mit Crownshift hat das Rock The Lakes eine kleine sogenannte Supergroup verpflichten können. Die Band gibt es erst seit knapp einem Jahr und bringen einen Tonträger, der erst im Mai erschienen ist, mit, der in der Melodic Death Szene schon für beachtliche Resonanz sorgen konnte. Da stehen aktuelle oder ehemalige Musiker von Bands wie Nightwish, Wintersun, Children Of Bodom und Finntroll auf der Bühne und reissen hier am frühen Nachmittag das Gelände nieder. Positive auffallen tut mir vor allem Jukka Koskinen, er ist deutlich aktiver auf der Bühne unterwegs und präsent als er es bei Nightwish ist und steuert sogar Gesangslinien bei. Dass es die Band noch gar nicht so lange gibt, merkt man aber überhaupt nicht an. Die Jungs harmonieren so gut auf der Bühne, als wären sie schon jahrelang miteinander im Tourbus unterwegs. Gerade das Gitarrenduo Daniel Freyberg und der Tourgitarrist JC Halttunen ergänzen sich perfekt. Da bin ich aber sowas von gespannt, was von Crownshift in Zukunft noch kommen wird. Die Band hat bei mir nun auch live einen sehr sehr positiven Eindruck hinterlassen und lassen teilweise die genialen Children Of Bodom auch durchsickern. Großartig, dass sogar die Patrouille Suisse während des Gigs in Formation noch über das Gelände flog.

Am Gyros Stand bin ich mittlerweile auch schon diverse Male vorbeigelaufen, habe mir auch fest vorgenommen mir einen solchen im Verlaufe des Festivals auch noch einzuverleiben. Jetzt geht es aber vom griechischen Essensstand rüber zur Bühne, da stehen die Griechen von Rotting Christ auf der Bühne. Die Band wurde bereits 1987 gegründet und trotzdem kamen sie bei mir bisher noch nie bewusst auf den Plattenteller. Was hauptsächlich daran liegt, dass ich bei Bands mit unleserlichen Schriftzügen immer irgendwie eine Hörblockade habe. Also geben wir den Helenen eine Chance sich bei mir zu profilieren. Und verdammt nochmal, wieso habe ich die Band bisher ignoriert. Für mich zählen sie zu der Neuentdeckung in meinem Musikgeschmack des Jahres. Dass sind unglaubliche Soundteppiche, die hier von der Bühne wehen, hochmelodiöser Black Metal mit Gothik Einschlag. Dieser schleppende fast schon Trancezustände verursachende Metal lässt mir die Kinnlade auf den leicht angefeuchteten Boden schlagen. Ja es geht auch mal ein bisschen zügiger zur Sache, aber auch dann, der Melodieanteil bleibt bestehen und Rotting Christ zeigen eindeutig, dass sie Meister ihres Faches sind und weshalb sie bereits, seit mehr als drei Dekaden unterwegs sind. Nicht nur bei mir kommen sie gut an, das Publikum kommt den stetigen Anfeuerungsrufen von Sakis Tolis in jeder Sekunde nach und feiert die Band ebenfalls zurecht ab.

Die Brüder und Schwester von Brothers Of Metal lassen selbst die grosse Casino Stage in Cudrefin klein aussehen. Es herrscht Überbevölkerung auf der Bühne. Zuhause läuft die schwedische Metalvereinigung, die sich selbst zur besten mit den besten Songs des gesamten Festivals ernennt, noch relativ oft auf der Stereoanlage. Dementsprechend ist auch meine Erwartungshaltung hoch an die acht Musiker. Leider werde ich aber enttäuscht, selbst aus den Zuschauerreihen höre ich das Wort Frustbier. Es liegt sicher nicht an den Songs, aber der Sound lässt so ziemlich zu wünschen übrig. Das Schlagzeug schlägt nicht, es kommt so schrecklich dumpf über das PA, dass man gewagt ist zu sagen, die hauen auf ein paar Kartonschachteln. Der Übersong Yggdrasil ist so was von schlecht abgemischt, da hat der Mischer (war das der eigene) den schlechtesten Job des ganzen Festivals abgeliefert hat. Ich musste dem Infield entfliehen und war echt wütend ab dieser Leistung. Weshalb sie übrigens drei Gitarren in dem Reihen habe und keiner in die Tasten haut, weiss ich auch nicht. Die Band wurde vor Jahren als Spassband gegründet, heute aber bereiten sie mir jedoch alles andere als Spass, schade, denn ich habe gehört, dass es auch anders geht und die Band wirklich Spass verbreitet. Bei mir blieb er auf der Strecke, das Publikum jedoch feierte wacker mit.

Da kommt mir doch Caliban richtig gelegen. Einer der wichtigsten deutschen Vertreter aus der Metalcore Szene. Die Band lebt ganz klar vom Charisma von Frontmann Andreas Dörner. Auch heute, was hat der für eine Energie. Noch als wir im Fotograben sind, kommt er runter mit seinem (kabelgebundenen) Mikro steigt auf die Absperrbarriere, lehnt sich erstmal ein wenig rüber, bevor er sich vollends auf die sich im entgegenstreckenden Armen legt. Jetzt beginnt das Crowdsurfen, und zwar singend. Klar, dass nun die Menge tobt, der Siegeszug ist somit angetreten und Caliban lässt all ihre Erfahrung spielen und gibt auch keinen Millimeter mehr her. Leider machen sich ein paar technische Probleme breit und am Schluss entschuldigt sich Andreas auch dafür, ich glaube aber jetzt im Nachhinein, dass dies erst ein Vorbote auf der Iceberg Stage zu dem, was noch kommen sollte.

Bereits den halben Nachmittag bewegt sich Mikael Stanne, der Frontmann der Göteborger Institution Dark Tranquillity, auf dem Gelände und geniesst die Atmosphäre des schön gelegenen Festivalgeländes. So lernt er seinen Arbeitsplatz also schon einmal von der anderen Seite her kennen. Zurück auf der Bühne erfahre ich erneut ein Konzert der allerersten Güteklasse. Das neue Album Endtimes Signals ist erst einen Tag alt, als tags zuvor entschieden. Die Schweden sind jedoch so mutig, dass sie bereits heute vier Songs vom neuen Album in die Setliste einbauen. Die neuen Songs kommen aber auch beim Publikum gut an. Zudem packen Dark Tranquillity auch noch ein paar ältere Songs aus, welche schon länger nicht mehr live gespielt wurden. Mikael strahlt wieder einmal wie ein Maienkäfer und steckt damit das komplette Infield an. Er ist und bleibt einfach einer der sympathischsten Frontmänner im gesamten Zirkus. Als am Schluss dann noch der Überhit Misery’s Crown ausgepackt wird, kann der Sack zugeknüpft und das Konzert als Erfolg verbucht werden.

Die wohl weiteste Anreise haben die Australier von The Amity Affliction. Der Auftritt der Jungs aus der Nähe von Brisbane wird von Pyros begleitet aber leider auch von technischen Problemen. Mir scheint als waren die Probleme auf der Iceberg Stage während des Auftritts von Caliban nur die Vorboten zu dem, was nun kommt. Auf einmal ist der komplette Sound weg und von der Bühne her hört man nur noch das Schlagzeug. Es kommt, wie es kommen muss, die Band muss abbrechen und die Bühne verlassen. Natürlich super ungünstig und sie tun mir auch richtig leid, da ist man als Musiker total machtlos, wenn die komplette Technik auf einmal versagt. Es braucht ca. 10 Minuten bis sie wieder auf die Bühne kommen und nun ihr Set zu Ende spielen. Ab jetzt geht es aber ohne Zwischenfälle weiter, die Australier lassen ihre Erfahrung spielen und ich gehe schon einmal für eine Bratwurst zu den Essensständen um gestärkt bei der nächsten Band pünktlich vor der Casino Stage zu stehen.

Den da kommen jeden Moment die Finnen von Beast In Black auf die Bühne und die wissen schon seit ein paar Jahren mit ihrem «Disco-Metal» zu begeistern. Dies ist überhaupt nicht abwertend gemeint. Es soll ausdrücken mit welchem Gespür Beast In Black Melodien komponieren und diese mit eingängigen Refrains zu Ohrwürmern entstehen lassen. Der Unterhaltungswert ist entsprechend gross und ein Konzert der schwarzen Biester ist immer eine Party, auch heute und auch jetzt wo der Regen einsetzt. Davon lässt sich aber weder das Publikum noch die Band beirren. Die Songs sind einfach zum Feiern gemacht, egal bei welchem Wetter. Auch weiss die Band wie sie zu posieren haben. Es macht einfach Spass sie auch zu fotografieren, obwohl auch schon besser Lichtverhältnisse bei ihnen vorgeherrscht haben. Sänger Yannis erwähnt auch wie stolz er ist, die Geschichte des Rock The Lakes mitgeschrieben haben zu dürfen. Beast In Black waren nämlich schon bei der ersten Ausgabe, ein paar Kilometer entfernt, in Vallamand, mit dabei. Die kühlen Finnen legen auf jeden Fall ein Auftritt am Siedepunkt des Wassers, welches nun ergiebig vom Himmel niederprasselt, hin.

Erneut gibt es einen krasse Stilbruch, vom Power Metal geht es jetzt zum Headlinergig von In Extremo mit ihrem Mittelalterrock. Für die Fotografen ist es nicht erlaubt in den Pit zu gehen, wir müssen von ausserhalb schauen, dass wir ein paar Bilder auf die Speicherkarte kriegen. Da es aber jetzt ziemlich schüttet, wage ich wirklich nur einen ganz kurzen Stopp gleich vor der VIP-Tribüne. Die Kamera geschützt unter der Pelerine, nehme ich sie wirklich nur ganz kurz hervor um vielleicht 1-2 Bilder einzufangen, bin dann gespannt ob da was Verwertbares dabei ist. Dann ziehe ich mich zurück ins Medienzelt. Der Grund, weshalb keine Fotografen in den Pit dürfen, ist die massiv genutzte Pyroshow der deutschen Band. Obwohl ich schon bei weit krasserem im Pit stand (Amon Amarth). Vom Medienzelt hat man leider keinen Blick auf die Bühne und so höre ich nur hin und komme dadurch nicht viel vom Geschehen auf der Bühne mit. Kollege Ivan kommt zwar mal nach hinten und erzählt, wie geil es ist, um gleich wieder nach vorne zu preschen. Ich von meinem Platz sehe einfach immer wieder mal die Flammen in die Höhe schnellen und geniesse die zum Mitsingen sehr geeigneten Songs und gröhle dann schon einmal ein «Sternhagelvoll» in die Nacht.

Die folgende Band Skald lasse ich aufgrund des nun eingesetzten Starkregens aus. Ich habe am anderen Tag Zahlen im Bereich von 100mm Wasser gehört, es schüttete als wirklich aus Eimern. So gibt es noch einen Tagesabschlussschnupf und Ivan und ich waten runter zum Shuttlebus. Das Glück ist uns hold und genau dieser fährt gerade vor als wir die Haltestelle erreicht haben, das ist perfektes Timing. Runterlaufen zum Auto wäre die Option gewesen sind aber wirklich glücklich das Plan B nicht zum Zuge kommen muss.

Es geht weiter mit dem Sonntag. Der Blick am Morgen aus dem Fenster verheisst nichts Gutes. Es ist zwar noch trocken am frühen Morgen (09:00h ist noch früh an einem Festival). Aber bereits zum Kaffee im Garten bin ich froh über das Dach über dem Kopf in der Lounge. Der Blick auf das Wetterradar nützt auch nicht viel, dieser wechselt nämlich selbst so alle 10 Minuten seine Meinung. Tja, es ist Open-Air Zeit und Regen gehört in diesem Jahr glaub ich fast bei jedem Festival dazu. Auf dem Gelände bin ich aber schon ein wenig verblüfft, dass es nicht schlimmer ist nach dem Starkregen in der vergangenen Nacht, es gibt noch ein paar Rinnsale auf dem Infield, aber im Grossen und Ganzen ist es ganz okay. Es macht sich aber rein gefühlstechnisch der Gedanke breit, dass wohl nicht alle Inhaber der ausverkauften 3-Tagespässe heute anwesend sind. Im Verlaufe des Abends verüble ich es diesen Personen dann auch nicht. Geschickterweise haben aber auch die Veranstalter gemerkt, dass das Parking wohl nicht mehr ideal ist für die Fahrzeuge, weil sonst der Traktor vermutlich Überstunden leisten muss und lässt die Autos unten im Dorf parkieren. Es gibt ja den gut organisierten Shuttlebus.

Mit Infinitas steht die erste Band auf der Bühne und mit den ersten Klängen der Muotathaler füllt sich auch das Infield immer mehr, so dass sie gegen Ende der halben Stunde zugesicherter Spielzeit schon beträchtlich Zuschauer haben. Dies absolut verdientermassen. Sympathisch auch, dass die Band das Publikum auf Französisch begrüsst. Infinitas spielt ein astreines Set das Gute Laune macht und die Animationsversuche von Frontfrau Mary finden auch beim Publikum Anklang. Munter werden die Arme hin und her geschwungen und es ist auch weit mehr als Höflichkeitsapplaus, welchen sie ernten. Zudem gibt es mit Laima auch noch einen brandneuen Song zu hören, der hier in Cudrefin Livepremiere feiern darf. Noch vor Wochenfrist wurde das Video im Kino Muotathal den Fans vorgestellt, welches später noch offiziell erscheinen wird. Es ist auch ein neues Album von Infinitas in der Mache welches mit einem Crowdfunding unterstützt werden kann, wer dies gerne machen möchte, hier der Link zur Kampagne. Ich nehme mit vor die Band an der Autogrammstunde noch kurz zu begrüssen. Ich sehe aber dann doch eine beträchtliche Anzahl alte und wohl auch neue Fans in der Schlange stehen und überlasse ihnen die kurze Zeit der Selfies und Unterschriften sammeln.

Auch heute geht es Schlag auf Schlag weiter und schon stehen Dymytry auf der Bühne. Ein bisschen Endzeit Mad Max Atmosphäre kommt auf als die Tschechen die Bühne betreten. Eine unglaubliche Energie wird gleich von Anfang losgelassen die keinen der Anwesenden kalt lässt. Bereits mit dem ersten Ton aus der Beschallungsanlage sind sie Gewinner. Die Songs sind hart, ehrlich und strotzen nur so von Ohrwurmqualitäten. Auch ihre Spielzeit ist leider entsprechend kurz am frühen Nachmittag und daher können sie natürlich wirklich die richtigen Kracher auf die Setlist packen die keine Gefangen macht. Kollege Pam meint noch, ihr singt die Songs ja mit. Ja klar, denn wer Dymytry noch nicht kennt sollte dies Lücke schnellstmöglich schliessen. Erwähnenswert aber ist vor allem Gitarrist Jiří Urban. Der krasse Bursche legt selbst mit umgehängter Gitarre noch einen Überschlag auf einer Hand hin und dies gleich im Doppelpack. Sowas habe ich bisher noch nie von einer anderen Band gesehen. Starkes Kino und bereits jetzt einer der Gewinner des Festivals. Was sie aber noch ein wenig üben sollten, die Technik wie man Plektren auch über einen etwas breiteren Bühnengraben schleudert. Dieses Unterfangen war amüsant anzuschauen, als ich bereits im Graben auf die nächste Band wartete.

Und diese nächste Band war wieder aus der Schweiz mit einigen in der internationalen Szene prominenten Musiker. Die Rede ist von Illumishade, die beiden weit über die Kontinentalgrenze bekannten Gesichter in der Band Jonas Wolf und Fabienne Erni von Eluveitie. Der Fünfer agiert sehr kompakt und trotz des stärker werdenden Windes der als Vorbote für die Regenzelle vor sich hergeschoben wird. Wie bereits Infinitas begrüsst auch Fabienne das Publikum auf Französisch und punktet dadurch zu Beginn eines stimmungsvollen Streifzugs durch das bisherige Schaffen der Band. Die Band überzeugt dabei auf der ganzen Linie und die Zeit geht auch viel zu schnell vorbei. Ich hätte Illumishade gerne noch länger zugehört bin aber sicher, dass sich die Wege noch ein paar Mal kreuzen werden. Ich glaube nämlich, dass der Band noch eine grosse Karriere bevorsteht, die Zutaten dazu sind innerhalb der Band zu finden.

Leider setzt nun der Regen sporadisch wieder ein als die Italiener von Elvenking die Bühne betreten. Sänger Damnagoras (bürgerlich Davide Moras) hätte sich zu seinem Geburtstag sicherlich auch besseres Wetter gewünscht. Da es gerade wirklich stark regnet, lasse ich meine Kamera ruhen und gehe mit Foto(gr)affen – Kollege Ralf beim Griechen vorbei und haue mir mal ein Gyros zwischen die Kiemen. Übrigens danke Ralf, dass Du auch noch meine Pommes mitgenommen hast 😊. Da vom Medienzelt kein Blick auf die Bühne gewährt ist, kann ich leider auch nicht sagen wie die Folk Metaller aufgenommen worden sind.

Frisch gestärkt schweift der Blick aus dem Medienzelt in Richtung Himmel als die US-Thrash Metal Band Havok die ersten Akkorde in die Axt haut. Ein paar wenige Tropfen machen nichts aus, also ab in den Graben, um auch von ihnen ein paar Bilder zu machen. Kaum dort angelangt öffnet auch der Himmel wieder seine Schleusen, dabei sind die Hausboote doch gar nicht hier auf dem Hügel, sondern weiter unten in der Ebene. Die letzten beiden Alben schafften sogar den Sprung in die CH-Hitparade und der Fanaufmarsch ist auch mit Regen nicht gering. Mehr als einmal erinnern mich die Jungs aus Denver an Megadeth. Also genau die Sorte von Thrash Metal die auch mir gefällt, zumindest viel besser als der Blick auf das Wetterradar. Nein ernsthaft, das war ein astreiner Auftritt der Amerikaner. Ich hatte sie bisher nicht auf meiner Agenda und es war meine erste Begegnung mit ihnen, entsprach aber genau meinem Gusto. Leider ist die Fotostrecke ein wenig kurz, aber einen Ausfall der Kamera überlasse ich den vom Festival bezahlten Fotografen und versicherungstechnisch dürfte es wohl schwer werden zu sagen, ja ich war bei Starkregen im Freien fotografieren.

Kontrastprogramm ist bei einem Festival Pflicht, man will ja möglichst viele Personen ansprechen und aufs Gelände locken. Gemäss meinen Gasseninfos heisst ausverkauft im Falle des Rock The Lakes 5’000 Personen. Diese Zahl könnte sicherlich stark noch oben geschraubt werden, macht aber den Spaziergang durchs Infield entsprechend angenehm, denn es ist nie überfüllt und man kommt überall locker durch die Menschenmenge, ohne irgendwo anzurempeln. Insgesamt sind über die drei Tage, als fast 15’000 Personen auf dem Gelände, was im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 35% darstellt. Gegenüber dem ersten Jahr sind die Zuschauerzahlen sogar um satte 70% gestiegen. Zurück zum Programm, Kontrast habe ich geschrieben und das heisst im vorliegenden Fall, dass Musketiere das Schlachtfeld zum Duell mit dem Publikum beschreiten. dArtagnan sind an der Reihe und punkten gleich von Anfang an der Präsenz des unglaublich sympathisch wirkenden Frontmannes und Obermusketiers Ben Metzner. Im Roman von Alexandre Dumas kommen aber drei Musketiere vor die hier in Form von Tim Bernard (Gitarre) und Gustavo Strauss (Geige) nicht minder sympathisch gemimt werden. Die restlichen Livemusiker verharrten ruhig an ihren Plätzen in der zweiten Reihe, falls einer fällt muss ja nachgerückt werden. Bei Namen genannt sind dies Sebastian Baumann (Bass), Matthias Böhm (Schlagzeug) und Haiko Heinz (Gitarre). Was soll ich sagen, die Stimmung brachte die sich bildenden Pfützen zum Kochen. Es waren nicht nur die Songs, die dazu beitragen auch die ganzen Ansagen von Ben zauberten das Schmunzeln auf die unter den Kapuzen hervorschauenden Gesichter. Sprüche wie «mein französisch ist trés merde» tragen das ihre dazu. Mindestens einmal muss an einem Festival auf gerudert werden, bei dArtagnan muss man dazu nicht sitzen, so kommt es einer Steh-Galeere gleich. Das abschliessende Cover Hey Brother bringt die Stimmung dann endgültig auf den Höhepunkt. Ein weiterer Höhepunkt aber bleibt der Schnupf im Fotograben mit den Kollegen Pam und Ralf während im Hintergrund die Band spielt, muss man gemacht haben.

Ab jetzt verwandelt sich das Rock The Lakes zusehends in ins Rock The Mud. Selbst die deutsche Thrash Legende Sodom kann den Regen nicht mehr wegbomben. Der schon mehrmals erwähnte Blick auf das Wetterradar versprach für den Rest des Tages aber auch keine Besserung mehr. Es kommt, wie es kommen musste, mein Equipment ist mir zu wertvoll, um es vom Regen zerstören zu lassen und bei der Menge Wasser, welche da aktuell vom Himmel kommt, nützt auch mein Regenpariser nur bedingt etwas. Also packe ich die Kamera ein und wate durch die kleinen Bäche, die sich nun auf dem Gelände bilden in Richtung Ausgang. Ein Blick auf den Parkplatz zeigt bereits den Traktor bei der Arbeit, während ich zusammen mit Ralf und Ivan auf den Shuttlebus warte. Da sich das Warten hinzuziehen scheint, wagen wir den 15-minütigen Fussmarsch runter nach Cudrefin zum Parkplatz. Die Heimfahrt verzögert sich dann ebenfalls ein wenig, da sich auf der Autobahn noch ein paar Fahrzeuge einer ungewollten Kaltverformung von Blech hingeben haben. Zum Zeitpunkt als dann in etwa Kreator zum Finale blasen, sitze ich frisch geduscht im Wohnzimmer, während die letzten Bilder den Weg von der Speicherkarte ihren Weg auf die Festplatte machen. Es tut mir für die grossartigen Bands Sodom, DragonForce, Axel Rudi Pell, Jinjer und Kreator leid, bei diesem Hundewetter auf der Bühne stehen zu müssen und dass ich keine Bilder von ihren, sicherlich grandiosen, Auftritten machen konnte, aber es war den Schaden wirklich nicht wert. Hätte ich vom Medienzelt freie Sicht auf eine der beiden Bühnen gehabt, wäre da auch was draus geworden. Aber bei all dem wäre, hätte, könnte will ich es belassen. Ich weiss vom Metalinside Kollege Raphi, dass er bis zum Schluss ausharren will. So kann über das Geschehen dann später sicher auch auf ihrer Webseite nachgelesen werden, wie der finale Abriss vonstattenging.

Das Rock The Lakes 2024 geht so für mich ungewollt etwas vorzeitig zu Ende. Wettertechnisch nicht ganz so begünstigt wie die ersten beiden Ausgaben wandelte sich das Rock The Lakes vom Rock The Heat am Freitag zum Rock The Mud am Sonntag. Es waren erneut ein geniales Happening mit einigen Neuentdeckungen für mich. Ein Highlight auch immer wieder die Begegnung mit Festivalbesucher die für die eine oder andere Anekdote sorgten, ich sag da nur Arschfoto. Aber auch in der Weiterbildung wurde nicht gespart, so fand der Kaffee-Creme-Schnupf seinen Anklang und wird wohl auch weiterhin von einigen Freunden gelebt werden. Wie ich feststellen musste, habe ich aber auch einige mir bekannte Personen leider nicht getroffen, sorry dafür, ich hätte gerne zumindest ein Hallo abgesetzt. Verbesserungspotential gibt es auch in diesem Jahr, ist zwar Jammern auf hohem Niveau. Ich finde es waren zu wenig Mülleimer auf dem Gelände, diese waren hauptsächlich bei den Essensständen aufgestellt, würde aber nicht schaden auch an anderen Ecken ein paar aufzustellen und diese regelmässiger zu leeren. An einem Regentag wie Sonntag habe ich auf dem Gelände zum Beispiel auch einen Kaffeewagen vermisst, dieser hätte sicherlich seinen Anklang gefunden. Über die Preise will ich nichts schreiben, da gibt es für viele immer was zu meckern, diesbezüglich habe ich auch schon ein paar Kommentare in den sozialen Medien gelesen. Aber das grösste Verbesserungspotential ist beim Ausschank zu finden. Ich weiss, es ist immer schwieriger freiwillige Helfer zu finden. Nur, wenn ihr eine Person fix an den Zapfhahn stellt, welche nur Bier zapft und nicht jeder alles macht, von bedienen, zapfen bis zum bargeldlos kassieren, dann wird die Schlange vor dem Tresen immer länger und euch entgehen wichtige Einnahmen. Dies sollte flotter gehen. Ich für meinen Teil, und dies ist natürlich Ansichtssache, hätte es jedoch begrüsst, es bei einer Bühne zu belassen. Ich habe die Zeit, während der Wechsel sehr genossen, sich auf dem Infield mit Freunden und Kollegen zu unterhalten ohne Dauerbeschallung. Ich finde damit ist ein Teil des Charmes verloren gegangen, welches bei den ersten beiden Ausgaben das I-Tüpfchen ausgemacht haben. Ein letzter Punkt noch, und ich denke Personen mit Handicap würden es danken. Die Rollstuhlfahrer hatten ihren Bereich seitlich der Casino Stage, der Blick auf die Iceberg Stage war nicht wirklich gegeben. Zudem diese leichte Erhöhung war ja kaum nenneswert. Ihr stellt eine riesige Tribüne für VIP’s auf, was auch okay ist. Wenn ihr diese auch nur um ein Element erweitert hättet und auf der Rückseite über die gesamte Länge eine Rampe gebaut, glaubt mir die Rollstuhlfahrer hätten Euch vergöttert.

Final bleibt mir nur noch mich zu bedanken, bei all meinen Medienkollegen von diversen Onlinemagazinen und Plattformen. Insbesondere bei meinen Freunden vom Metalinside, Metal Factory und Just Pictures (oder, für wen auch immer Ralf gerade am Fotografieren ist), es ist mir immer eine Ehre mit Euch zusammen im Fotograben zu stehen oder sonst wie zu plaudern oder zu schnupfen. Danke an Ivan, der kurzfristig für meinen Sohnemann eingesprungen ist, war sehr cool. Ein herzliches Dankeschön an die Medienbetreuung vor Ort an David und vor allem Carlos, der uns immer wieder einmal anzeigte wie viele Songs wir den bereits im Fotograben sind. Auch das ein Landwirt sein Land für ein solches Festival zur Verfügung stellt ist nicht selbstverständlich, Florian Etter der Besitzer und Bewirtschafter der Fläche muss ein echter Rocker sein. Finally but not least an Daniel Botteron, der den Mut hatte vor drei Jahren ein Festival in die Landschaft zu stellen, welches sich bereits nach kurzer Zeit etabliert hat. ihm und seiner ganzen 500-köpfigen Rock The Lakes Crew gehört neben den Bands der grösste Applaus, DANKE.

Der Termin für das nächste Rock The Lakes steht ebenfalls bereits fest und man kann sich schon einmal 15. – 17. August 2025 fett im Kalender anstreichen. Tickets gibt es hier.