Den Weg kenne ich ja mittlerweile auf Pratteln ins Z7, für viele Musikfans, das Wohnzimmer mit der perfekten Musikanlage. Trotzdem erwische ich mich den ganzen Tag schon, wie ich einen Blick auf den Routenplaner riskiere. Hat ja auch den ganzen Tag schon Stau rund um Luzern. Zudem muss ich etwas früher los, da ich noch zwei Abholaufträge habe im Raum Basel, die ich genau kalkuliert habe, um mich so etappenmässig bis ins Z7 vorzuarbeiten. Was mir dann schliesslich sogar gelingt, mehr als gut sogar. Der Parkwächter hat gerade seine Schilder aufgestellt und darf mich schon als Kunde für die Parkgebühr begrüssen. Dies heisst aber auch, ich bin ordentlich früh dran. Türöffnung ist um 19:00 und ich bin bereits kurz vor 18:00 auf dem Parking. Da war die Routenplanung dann wohl schon etwas zu optimistisch. Naja, der frühe Vogel fängt den Wurm. Zum Glück hat es rund um das Z7 um diese Uhrzeit genügend Schatten, denn die Sonne brennt wieder einmal erbarmungslos auf die Schweiz nieder. Beim Z7 angekommen sehe ich dann schon das erste vertraute T-Shirt, ein UrRock Festival Shirt, und es sollte nicht das letzte sein, welches ich heute sehe. Als flugs hin zum Träger und ihn für die perfekte Garderobe loben. Aus diesem kleinen Lob, wird dann aber doch eine angeregte Diskussion, welche die Wartezeit im Flug vergehen lässt. Unkompliziert wie immer wird die Akkreditierung in Empfang genommen und ich begebe mich genau so unkompliziert zur Halle, wo heute ein gepflegtes Dark Rock Programm stattfinden wird.
Ein Blick in die Runde zeigt schon, dass am heutigen Konzertabend ein anderes Publikum vor Ort ist, als dass ich es mich eigentlich gewöhnt bin. War dieses Jahr bei mir bisher eher von Hard Rock und Heavy Metal in ihren Ausprägungen auf dem Programm, ist mir Mono Inc. eben doch eine ganz andere Stilrichtung in der Konzertfabrik zu Gast. Obwohl die T-Shirts ein kunterbuntes Allerlei von Kissin’ Dynamite über Iron Maiden bis hin Death Metal Bands reicht, inklusive den bereits erwähnten UrRock Shirts. Aber es ist auch klar wer hier spielt, die Rabenshirts haben ganz klar Überhand und der Merchstand ist auch beträchtlich grosszügig ausgelegt.
Und nun mein liebes Tagebuch (der musste jetzt sein), kann der Abend beginnen. Die Kameras sind bereit eine Voreinstellung ist fixiert. Die Bühne ist heute auch noch mit einem Walk of Shame ausgestattet, damit die Akteure auf der Bühne auch noch etwas näher ans Publikum rangehen können. Das Z7 ist heute schätzungsweise zu dreiviertel voll, als die Vorband Florian Grey die Bühne betritt. Schwups war auch meine Kameravoreinstellung futsch und ich darf ich doch auf viel rotes Licht, relativ dunkle Bühne einstellen. War ja irgendwie klar, es ist ja Dark Rock auf dem Programm, da gibt es keine Chilbibeleuchtung. Die Hamburger um den Namensgeber und Frontmann Florian Grey legen auch sehr beachtlich los, so dass doch einige, die noch vor der Halle stehen sich nun doch auch die Bühne, oder zumindest zwischen FOH und Bühne, begeben. Mir ist die Band bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch gänzlich unbekannt und sträflich von mir, habe ich im Vorfeld auch noch keinen Ton ins Songmaterial der Band angehört. Da ich aber leider auch keine Setlist zu Augen bekam, kann ich nun auch keine Titel wiedergeben. Florian Grey wissen aber durchaus zu gefallen, wenn auch nicht endlos zu begeistern. Der Showstart ist sehr beachtlich und mit reichlich Tempo ausgestattet, der Drive geht dann aber in der Mitte ein wenig verloren. Legte dann aber wieder zu. Beim letzten Song setzt sich Florian dann zuvorderst am Bühnenausläufer hin und singt eine Ballade. Ich finde diese Wahl eher suboptimal, denn als letzter Song wünsche ich mir jeweils etwas mit Pfupf. Schliesslich zählt nicht nur der erste Eindruck, der letzte hinterlässt ebenso Spuren. Zudem ist bei Florian Grey der Walk of Shame eher ein Walk of Darkness, da dieser Teil bei ihnen noch nicht ausgeleuchtet ist. Generell fehlt der Band noch der grosse «Hit», die Songs sind durchwegs gut, bleiben bei mir aber leider nicht hängen. Wer die Band gerne nochmals live erleben möchte, kann dies am 17. März 2024 im Rockfact in Münchenstein nachholen, sie treten dann als Support von Manntra auf. Lohnen tut es sich auf alle Fälle, sind sie doch sehr publikumsnah und wissen auch mit den Fans zu interagieren.
Kurze Umbaupause und es kann dann auch schon mit Mono Inc. Losgehen. Über mangelnden Platz im Fotograben darf auch hier nicht gelästert werden, sind wir doch nur gerade zwei Knipser und der offizielle Bandfotograf im Pit. Mono Inc. habe ich vor rund 10 Jahren für mich entdeckt und liebe sie seitdem und die Begeisterung steigt mit jeder Veröffentlichung der Band mehr. Trotzdem habe ich es bis heute noch nie an ein Konzert der Hansestädter geschafft. Obwohl ich schon mal Tickets hatte und das Konzert damals von Seiten des Veranstalters abgesagt wurde. Als Vorband eines irgendwelchen Acts wollte ich die Raben dann aber doch nie sehen, es muss eine Headlinershow sein. Was in der Folge terminlich nie geklappt hat, ist also nun heute Tatsache. Ich sehe nun Mono Inc. auch auf einer beträchtlich grösseren Bühne als es noch vor Jahren gewesen wäre, als sie noch in einem 200er Club hätten auftreten sollen. Erst aber sieht man gar nichts auf der Bühne ausser einem grossen schwarzen Tuch, bevor dann zu einem stampfenden Beat schon einmal die Bühnenbeleuchtung zu pulsieren begann. Dann aber fällt das Tuch endlich und der Blick auf die Siegerpodest ähnliche Bühnenaufbauten werden freigegeben. Zuoberst thront Katha mit Krone und gigantischen Rabenflügel. Auf dem, um beim Siegerpodest zu bleiben, zweite und dritten Platz stehen Carl Fornia und Val Peron. Die Ravenblack Tour macht nun also definitiv Stopp in der Schweiz und legt fulminant los mit «At The End Of The Rainbow». Da die Bühne nun auch besser ausgeleuchtet ist kann ich meine Kamera auch wieder auf Ausgangsposition zurückstellen. Zudem wird der Bühnenausläufer nun von einem Verfolger ausgeleuchtet. Überhaupt, die Lichtshow, die aufgefahren wird, gibt schon einiges her und ist ideal abgestimmt auf die Songs und tragen massgeblich zur Stimmung bei. Apropos Stimmung, das Publikum geht schon am Anfang recht gut ab und frisst vor allem Martin Engler sprichwörtlich aus der Hand. Bei Arabia geht es dann aber das erste Mal so richtig ab, nicht nur auf der Bühne, wo nun auch die Pyros gezündet werden, auch im Publikum wird der Siedepunkt ein erstes Mal erreicht. Auch wenn der hin und wieder eingestreute «Ravenblack» Martin noch nicht zufriedenstellt, es kann noch lauter werden und wird es auch. Wer von euch weiss die Bedeutung des Wortes «liebenswert» richtig zu deuten, so in etwa die Frage ins Publikum. Was folgt sind ein paar sehr gute Sätze über Liebe, Soziales und Wertschätzung. Worte die auch mich berühren. Diese Sätze kommen natürlich nicht von ungefähr leiten sie über zum Song «Liebe Mich». Coverversionen gehören bei Mono Inc. auch immer ins Programm, als erstes muss Gary Moore herhalten, dessen «After The War» in ein Medley gepackt wird und zudem auch die Pyros erneut aufflammen lässt. Nur mit einer akustischen Gitarre bewaffnet, befreit von der Band, steht Martin ausgeleuchtet am Bühnenrand und sind Leonard Cohens «Hallelujah» am Ende witzelt er dann, dass der Text vermutlich doch zu schwer ist für das Publikum und es jetzt mit etwas einfacherem probiert werden soll. Ein «lala la lalala» sollte doch machbar sein, findet er, und fängt «The Passenger» von Iggy Pop an. Geht doch und schon steigt am Schluss die Band wieder mit ein. Ein kurzes Drumsolo folgt, begleitet von Kesselpauken inszeniert man eine coole Show, hat eigentlich nur noch Martin an einem zweiten Drumset gefehlt, was es auch schon gab, denn Martin selbst ist ebenfalls ein exzellenter Schlagzeuger. Jetzt nimmt die Show aber nochmals richtig Fahrt auf, es werden die fetten Klassiker geboten, «Get Some Sleep» und «Voices of Doom» lassen nichts mehr anbrennen. Es folgt der wohl intimste Moment der Show von Mono Inc. Die Bühne wird ein wenig hergerichtet. Nostalgisch wirkende Leuchter kommen auf die Bühne, das Instrumentensetting wird geändert, so spielt Val nun auf dem Piano und Carl zupft das Cello. Während dem Katha und Martin sich am Bühnenrand aufstellen und «Wiedersehen woanders» darbieten. Über die gesamte Songlänge zweistimmig gesungen, verursacht das Lied bei mir dann doch Hühnerhaut. Langsam geht es gegen den Schluss der knapp 120 Minuten langen besten Unterhaltung, die man an einem warmen Samstagabend bekommen kann. Klar es muss ja noch «Children of the Dark» kommen. Dieser Ohrwurm bleibt mit danach noch auf der gesamten Heimfahrt hängen und auch tags darauf summt es immer noch in meinen Gehörgängen. Das ist Dark Rock vom Feinsten und Besten und hätte von mir aus noch einiges länger dauern dürfen. Endlich konnte ich Mono Inc. so nun von meiner Bucket List streichen und weiss, ich werde wieder einmal dabei sein, wenn die Raben zum Flug ansetzen.