Ich habe erst neulich einen Beitrag über die GEMA gelesen, wie diese so funktioniert und ob es sich als Musiker überhaupt lohnt da Mitglied zu sein. Zudem kam neulich ein Kumpel zu mir, dessen Söhne Musik machen und sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie sich bei einer Verwertungsgesellschaft anmelden sollen. In der Schweiz haben wir mit der SUISA ebenfalls eine Organisation, resp. eine Verwertungsgesellschaft welche die Künstler im Musikbereich vertritt in Sachen Nutzungsrechte und Entschädigung von musikalischen Werken. Die SUISA ist ein reiner Geldeintreibungs- und Verwaltungsbetrieb und unterliegt dem Staat und beschäftigt im Jahre 2018 rund 240 Angestellte und erzielte einen Umsatz von über 160 Millionen Franken. Die SUISA ist dem Institut für geistiges Eigentum untergeordnet. Die Aufgabe der SUISA besteht darin, bei Radio, TV, Veranstaltern und anderen Geld zu verlangen für die Verwendung resp. die Aufführung von Musik. Diese werden dann nach einem Verteilschlüssel den Musikern oder den Inhabern der Rechte, den sogenannten Urhebern, aufs Konto überwiesen.

Das heisst, jedes Mal wenn ein Song am Radio läuft, erhält der Urheber dafür eine Entschädigung, was im Bereich von einem Franken zu liegen kommt. Ich habe vor ca. 2 Jahren mal gelesen, dass Sting alleine mit den Rechten an Every Breath You Take immer noch pro Jahr so rund 1 Million an Tantiemen einnimmt, nur aus den Radioeinsätzen weltweit, es lohnt sich also einen zeitlosen Hit zu schreiben. Ebenfalls wird eine Entschädigung fällig wenn eine Band einen Song live spielt. Wer also eigene Songs live aufführt, verdient so im Prinzip zweimal, einmal mit der Gage für das Konzert und an den Rechten, weil er diesen Song gespielt hat.

Die SUISA arbeitet international mit diversen Partnerorganisationen zusammen, so auch mit der GEMA und vertritt somit auch die Rechte der dort gemeldeten Künstler für den Schweizer Markt. Aus dieser Sichtweise vertritt die SUISA somit die Rechte von weltweit etwa 2 Millionen Urheber. Die SUISA ist nicht gewinnorientiert und hat einen klaren Verteilschlüssel. Was auch zwingend erwähnt werden muss, die SUISA verwendet ebenfalls einen tiefen einstelligen Prozentsatz der Einnahme als Förderbeiträge um Künstler zu fördern, die auf dem Sprung sind erfolgreich zu werden.

Wenn nun also ein Künstler in der Schweiz seine Songs öffentlich publizieren möchte, allenfalls eine CD pressen will, dann führt eigentlich kein Weg an der SUISA vorbei. Was natürlich Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Als grosser Vorteil kann man sich natürlich als Musiker auf das Musikmachen konzentrieren und braucht nicht auch noch dem Geld nach zu springen, welches einem zusteht. Wer hat schon Zeit und Muse als Musiker alle Radiostationen usw. im Auge zu behalten ob jetzt nun meine Musik gespielt wird. Dann auch noch das Geld eintreiben, dies kann bei einer Band die gerade so den Durchbruch schafft zu einer Mammutaufgabe werden, die es nicht mehr zulässt, neben all der Bürokratie dann auch noch Songs zu schreiben.

Es gibt aber auch Nachteile. Wie schon eingangs geschrieben, ist die SUISA eine Verwertungsgesellschaft, dies bedeutet, bei der Anmeldung der Songs werden die Verwertungsrechte automatisch an die SUISA übertragen. Da jedes Pressewerk für CD oder Vinyl eine Bewilligung der SUISA haben muss, bevor sie überhaupt vervielfältigen dürfen, kommt man auch nicht drum herum. Wichtig zu wissen, der Song gehört immer noch dem Künstler, er hat also das Eigentumsrecht als Urheber. Er kann aber nicht bestimmen, bei wem wieviel Geld verlangt wird. Der Musiker hat zwar noch die Kontrolle über die Veröffentlichung aber eben leider auch nur noch zum Teil, da man jetzt quasi einen Vertrag mit einem Label hat. Streng genommen, kann man die eigene Musik nur noch über die eigene Webseite veröffentlichen. Eigentlich wäre ein hochladen auf YouTube oder Spotify nicht mehr erlaubt, wird aber im Normalfall noch geduldet. Wenn nun aber ein Kollege, Deine Musik, nur weil er Dir helfen will bekannt zu werden, auf seiner Webseite veröffentlicht oder als Hintergrund Musik verwendet, hört der Spass auf. Falls die SUISA davon Wind kriegt (und das werden sie) wird man zur Kasse gebeten. Dies findet auch bei Konzerten eine kuriose Anwendung. Als Band darf man eigentlich auch nicht mehr gratis an einem Benefizkonzert auftreten, sobald man seine Songs angemeldet hat. Da die SUISA ja der Verwerter ist, dürfen die bestimmen ob Du Deine Musik dort gratis spielen darfst. Für den Veranstalter wird es dann auch noch besonders tricky, wenn auch nur ein einziger Song bei einer Gesellschaft wie der SUISA angemeldet ist, ist die Veranstaltung SUISA pfllichtig. Was wiederum bedeutet, dass sie einen gewissen Prozentsatz der Gesamteinnahmen abzutreten haben. Wenn zum Beispiel auf einem Festival 10 Bands auftreten und nur eine Band bei einer Verwertungsgesellschaft angemeldet ist, muss der Veranstalter zahlen und es sieht nur diese eine Band dann auch etwas vom Kuchen auf ihrem Konto.

Es ist auch nicht möglich eine Band bei der SUISA anzumelden, sondern es muss sich jeder Musiker einzeln als Person anmelden. Die Anmeldung kann aber auch nur im Zusammenhang mit einem Song gemacht werden. Es ist also nicht möglich sich anzumelden und einen Song rauszugeben. Jetzt kann man sich entscheiden will mit dem ersten Song schon beitreten oder nicht. Macht man es nicht bleibt einem nur die Veröffentlichung kostenlos anzubieten über eine nicht käufliche Promo CD, die man selbst vervielfältigt, weil sonst ja wieder die SUISA ihr Einverständnis geben muss. Oder man wendet sich an eine bereits angemeldete Person, zum Beispiel ein Label. Dies bedeutet also im Extremfall, wenn Du einen Hit geschrieben hast, verdienst Du entweder nichts, oder ein anderer verdient Geld damit. Als Nachteil ist auch die Tatsache, dass wenn man einmal angemeldet ist, automatisch alle Songs die Du schreibst angemeldet sind, da Du Dich ja als Künstler vertraglich an die SUISA bindest, es ist nicht möglich nach der Anmeldung einen Song SUISA-frei anzubieten. Du kannst von jetzt an auch nicht mehr Konzerte spielen die nicht SUISA pflichtig sind, da Du Dich als Künstler an die SUISA gebunden hast. Davon sind übrigens alle Lieder betroffen die Du je geschrieben hast und die Du noch schreiben wirst.

Der Hauptbrocken an den Tantiemen kriegen übrigens immer der Urheber der Musik und der Urheber der Textes zu je 45%. Alle anderen in der Band gehen leer aus. War bei meiner alten Band lange so, weil sich der Schlagzeuger lange nicht als Urheber bei der SUISA angemeldet hatte. Dies kann natürlich umgangen werden wenn in der Band alle Einnahmen brüderlich geteilt werden. Dies war und ist immer noch ein Grund weshalb sich Bands meist trennen, weil der der nicht am Songschreiben beteiligt war, sich irgendwann benachteiligt fühlt, gerade dann wenn der Erfolg eintritt. Letztendlich kann man sich der SUISA jedoch nicht entziehen wenn man kommerziell Musik machen möchte, es hat seine Nachteile darüber soll man sich im Klaren sein und dessen soll man sich einfach bewusst sein. Nur glaube ich, und deshalb bin auch ich bei der SUISA schon seit mehr als 25 Jahren gemeldet, will man sich wirklich aufs Musik machen konzentrieren und nicht noch Leute einstellen müssen, die sich ums Finanzielle kümmern. Auch wenn ich in meiner konsequent erfolglosen Karriere als Musiker nie den grossen Wurf geschafft habe, für ein paar Bierchen hat es in meiner aktivsten Zeit gereicht.