Am 31. Juli 1981 erschien ein Album, das den US-Amerikanischen Arena-Rock für immer verändern sollte: „Escape“ von Journey. Es markiert den absoluten Höhepunkt der Bandkarriere, verkaufte sich allein in den USA über 10 Millionen Mal (Diamant-Status) und brachte Welthits hervor, die bis heute jede Generation mitsingen kann.

Anfang 1981 stand Journey an einem Wendepunkt. Nach erfolgreichen Jahren verließ Gründungsmitglied und Keyboarder Gregg Rolie die Band. Als Ersatz kam Jonathan Cain von The Babys, ein Glücksfall für die Bandgeschichte. Cain brachte nicht nur frischen Wind am Keyboard mit, sondern auch ein Notizbuch voller Songideen. Bereits bei der ersten gemeinsamen Jam-Session in einem Lagerhaus in Oakland, Kalifornien, stimmte die Chemie sofort. Innerhalb weniger Wochen schrieben Gitarrist Neal Schon, Sänger Steve Perry und Jonathan Cain das Material für ein neues Album. Für die Produktion zeichneten Mike Stone und Kevin Elson verantwortlich, die der Band einen druckvollen, radiotauglichen und dennoch extrem dynamischen Sound verpassten.

Das Resultat war ein Album ohne Schwachstellen, das vier Top-10-Singles in den US-Billboard-Charts platzierte:

„Don’t Stop Believin’“: Die ultimative Durchhalte-Hymne. Die Idee für den Titel stammte von Jonathan Cains Vater, der ihm während schwieriger Zeiten in seiner Musikerkarriere immer wieder riet: „Don’t stop believin’, Jon.“ Der Song ist auch strukturell ungewöhnlich: Der eigentliche Refrain ist erst ganz am Ende des Stücks zu hören. Lustigerweise kam der Song erst im Jahr 2024 in die Schweizer Hitparade und ist seither immer wieder raus und rein gekommen. Streaming wird hier wohl der Grund sein. Denn Dank der Schlussszene der TV-Serie The Sopranos (2007) und zahlloser Musical- und Filmauftritte (u. a. Glee) erlebte Don’t Stop Believin’ im digitalen Zeitalter ein gigantisches Comeback und wurde zu einem der meistverkauften digitalen Tracks des 20. Jahrhunderts. Zuletzt war er letzten Sonntag auf Platz 65 der Schweizer Hitparade notiert worden. Weiter Kurios ist das rätselhafte South Detroit. In „Don’t Stop Believin’“ singt Steve Perry von einem „just a city boy, born and raised in South Detroit“. Geografisch gesehen gibt es kein Stadtviertel namens „South Detroit“, südlich von Detroit liegt bereits die kanadische Grenze (Windsor, Ontario). Perry gab spätestens zu, dass er den Begriff wählte, weil er phonetisch einfach am besten klang.

„Open Arms“: Eine der bekanntesten Rockballaden aller Zeiten. Ursprünglich hatte Cain die Melodie für seine frühere Band geschrieben, doch deren Sänger lehnte sie als zu schmalzig ab. Steve Perry erkannte das Potenzial sofort, schrieb den Text mit und sang sich damit in die Musikgeschichte. Gitarrist Neal Schon war anfangs skeptisch gegenüber der Ballade, doch der Erfolg gab Perry und Cain recht. Der Song verbrachte sechs Wochen auf Platz 2 der US-Charts.

„Who’s Crying Now“ und „Separated Ways“ (letzteres erschien kurz darauf): Sie bewiesen das perfekte Zusammenspiel aus Schons prägnanten Riffs, Cains eingängigen Piano-Linien und Perrys unverwechselbarer, glasklarer Stimme. Separated Ways stellte meinen Einstieg in die Welt von Journey dar. Ich habe den Song zuerst auf einem Sampler gehört, welchen ich Mitte der 80er Jahre einmal gekauft habe.

Escape stürmte direkt auf Platz 1 der US-Billboard-200-Charts und zementierte Journeys Status als Giganten des Arena-Rock. Das Album war in den 80ern so populär, dass Data East 1982 ein eigenes Videospiel namens „Journey“ für Arcade-Hallen herausbrachte. Darin steuerte man die Bandmitglieder auf einer Mission, ihre Instrumente vor Aliens zu beschützen, untermalt von digitalisierten Escape-Tracks. Das Zusammenspiel aus handwerklichem Können, mitreißenden Melodien und emotionalen Texten macht das Album auch 45 Jahre nach seiner Veröffentlichung zu einem zeitlosen Klassiker der Rockgeschichte.