Es war wohl doch nicht die richtige Wahl der Anfahrt, um in die The Hall in Dübendorf zu kommen, als ich mich entschied, quer durch die City zu fahren, um via Zoo an den 40. Geburtstag der Kürbisköpfe von Helloween zu fahren. Bleibt nur die Frage gibt es einen richtigen Weg, um einmal quer durch die Stadt zu fahren? Aber dass ausgerechnet heute die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt um 18:00 angeschaltet wird und dabei rund 65’000 Besucher erwartet werden, erfahre ich dann am Radio, als ich bereits mitten im Stau stand. Ich und mein Sohn, wir schaffen es dann aber doch noch rechtzeitig zum Veranstaltungsort, flugs meinen Sohn mit dem Ticket reinschicken, während ich mich für mein Presseticket anstehe, was heute aufgrund ein paar komplizierten Gästen, die vor mir stehen, dann doch nicht so schnell geht. Während ich durch die Scheibe bereits die restlichen Fotografen bereit machen stehe ich also noch an und warte bis das hin und her am Schalter vorüber ist und bewundere die Ruhe der Mitarbeiterin. Ich schaff es dann doch gerade noch rein, als unser Medienbetreuer Manu uns begrüsst. Der Terminplan geht also rechtzeitig auf, alles andere wäre ja Zeitverschwendung.
Also rein ins Getümmel, die Halle ist bereits zu Beginn schon relativ gut gefüllt, was bei den Vorbands im Normalfall ja auch nicht immer so ist. Beast In Black die auf dieser Tour als Stimmungsmacher agieren, sind nun mal auch keine Unbekannte mehr. Mit drei Alben im Gepäck und dem Vierten in der Mache, welches 2026 erscheinen soll, kann man so einen Supportslot auch mit einem Best-Of Programm füllen. Personell musste man ja während der Tour noch ein wenig umdisponieren. Kasperi Heikkinen hat aus heiterem Himmel und ohne bisher bekannte Gründe die Band verlassen. Mit Daniel Freyberg von Crownshift konnte man aber sehr schnell einen Ersatz für die laufende Tour finden. So wie es scheint, hat er sich auch recht gut eingelebt und zeigt auch einige mit der Band einstudierte Choreographie-Elemente und kommt auch immer wieder in den Genuss von Solo-Einlagen die er auf dem grosszügigen Laufsteg, oder Walk Of Shame, wie ich die Dinger immer wieder nenne, zeigen darf. Es wird nicht mehr ganz so wild für die Fotografen «gepost» wie es Kasperi jeweils tat, was dem ganzen Auftritt ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit aufdrückte. Einen Keyboarder hat es aber trotzdem bisher noch nicht in die Reihen der Biester geschafft, so kommt doch beachtlich viel ab der Konserve, was die Metal-Anhängerschaft doch zu spalten scheint. Beast In Black ist eine Band, die man entweder liebt oder hasst, dazwischen gibt es nicht viel. Gerade beim neuen Song «Enter The Behelit» fällt es massiv auf. Lässt hier die komplette Saitenmannschaft ihr Instrument nur am Gurt hängen und spielt während den Strophen nicht einen Ton. Kein Bass, keine Gitarre, nur Gesang und Schlagzeug vom Dauergrinser Atte. Dafür die volle Breitseite an Samples, naja wenn dies der Weg sein soll, werden Beast In Black die Kluft zwischen Liebe und Hass noch weiter öffnen. Dies dürfte der Band aber wohl egal sein, denn es sind überraschend viel Anhänger im Publikum die ihre Lieblinge frenetisch abfeiern und das Ticket für die nächste Show, wohlverstanden Headlinershow, im Herbst 2026 kaufen werden.
Umbaupause ist angesagt, die mit Smalltalk ausgefüllt wird, kennt man doch die eine oder andere Person in der Halle. Zum vereinbarten Zeitpunkt finde ich mich dann aber wieder beim Fotograben ein. Die Regeln heute sind etwas straffer als noch vor zwei Tagen bei Sabaton. Wir dürfen die ersten beiden Songs fotografieren, als anders als üblich drei. Ich hoffe jetzt, sie packen nicht die kürzesten beiden Songs aus und ich bin nach fünf Minuten wieder die Kamera am Weglegen. Robbie Williams erschallt über das PA und besingt, dass man uns unterhalten möchte, ja davon gehe ich doch aus. Die Kürbisköpfe backen seit der Pumpkins United Tour ja wieder beachtlich grosse Brötchen und zerlegen jede Halle in die Einzelbestandteile. Ich bin dann mal gespannt, wie das heute ausgehen wird. Die Vorfreude ist gross, wie auch die Erwartungshaltung, also einmal schauen, ob sie auch erfüllt wird. Der Vorhang fällt und ein Laser graviert eine Kürbisfratze auf den riesigen Screen, bevor im Schnelldurchlauf auch gleich alle Plattencovers vorbeihuschen. Richtig, man feiert heute 40 Jahre Helloween. Teils bebrillt mit supercoolen Sonnenbrillen stürmen die Hauptdarsteller die Bühne und legen mit «March Of Time» los. Bevor es dann mit «The King For A 1000 Years» in die zweite Runde geht. Puuh, zum Glück nichts mit zwei kurzen Songs. Geht «Kings» doch über zehn Minuten. Von Anfang an wird auch klar, der «Walk Of Shame» ist nicht nur für gelegentliche Sonntagsausflüge bei schönem Wetter gemacht. Andauernd versammeln sich die Musiker zuvorderst am Steg. Mal ist es Michael und Andi, dann wieder Sascha, Kai, Weiki und / oder Markus. Der Schrittzähler der Musiker bekommt richtig was zu tun, vielleicht gibt es auch bei den Krankenkassen eine Rückvergütung für den Bewegungsdrang. Jetzt zeigt sich aber zum ersten Mal wie geil die Fotobedingungen noch vor zwei Tagen waren. Denn kaum habe ich die Kamera verpackt, packen Helloween erst richtig aus. Luftschlangen, sanfter Einsatz von Pyros inkl. Flammenwerfer mit welchem Andi über die Bühne stolziert. Schade, dies hätte bestimmt ein paar coole Fotos gegeben, ist aber gut dokumentiert mit zahlreichen Handyfotos aus dem Publikum…. leider. Hauptsächlich wird der visuelle Teil jedoch von den grossartigen, auf jeden Song abgestimmte, Animationen auf dem Screen übernommen. Wenn Andi und Michael gerade nicht eine auf Deutsch gehaltene Ansprache ans Publikum richten, dann übernimmt dies auch schon einmal der Keeper persönlich, dann jedoch international auf Englisch. Ich glaube aber auch Helloween könnten heute auf alle Gimmicks verzichten. Das Publikum frisst ihnen aus den Händen und schon von Beginn an ist klar, dass wird ein Siegeszug. «If you’re out there all alone» kennt jeder und die Eskalation beginnt jetzt spätestens mit dem dritten Song «Future World». Der Gesang wird dem Publikum überlassen, die lauthals lossingen, man würde die Barden mit Mikrofon wohl eh nicht mehr hören. Ich kämpfe mich durch bis zu meinem Sohn, der in der zweiten Reihe steht und eingehüllt in Luftschlangen ist. Der Sound ist glasklar, wie ich es mit in The Hall eigentlich gewohnt bin und erst die Stimmung, was hier vorne abgeht ist echt der Hammer. Die Spielfreude überträgt sich aufs Publikum und umgekehrt wird die Band zur Höchstleistung angestachelt. Mir ist schon früh klar, dass hier ist echte Weltklasse. Sascha, Kai und Weiki werfen sich die Gitarrensolos nur so zu, jagen die pfeilschnellen Läufe über die Tonabnehmer ins Publikum, es ist eine wahre Freude. Bevor der von Kai Hansen geschriebene Song «Twilight Of The Gods» nimmt sich Michael Kiske die Zeit, um über das immer mehr von der Welt in Anspruch genommene Phänomen der künstlichen Intelligenz, zu sprechen. Ja es ist mittlerweile Fluch und Segen zugleich. Michael stellt aber klar, dass er an echten Emotionen von Menschen interessiert ist und diese auch fühlen möchte. Dieser Wunsch wird ihm an diesem Abend von den rund 5000 Anwesenden nachgekommen. Ich frage mich jedoch schon, wo die Reise noch hinführen wird, hat doch gerade Warner Music einen Vertrag mit Suno unterschrieben, dies aber nur als kleine Randbemerkung, die aber schon nachdenklich stimmt. Wenn Andi und Michael mal Pause machen, dann springt Kai am Mikrofon ein, so wie es sich bei «Ride The Sky» gehört. Diese Hymne vom Debütalbum muss einfach er singen, genau wie später noch die Gesetzgebung «Heavy Metal (is the law)», der meiner Meinung nach schlechteste Song der Setliste, da hätte ich mir eher ein «If I Could Fly» gewünscht. Mit «Giants & Monsters» hat Helloween zudem ein starkes neues Album im Gepäck. Vier Songs daraus finden den Weg in die Setliste, die insgesamt zehn ihrer 18 Studioalben umfasst. Das Highlight davon ist aber «Universe», wer hier noch nicht textsicher war, konnte den Text Karaoke gerecht vom Screen ablesen und mitsingen, was zumindest da wo ich stehe, einige mit mehr oder weniger schiefen Tönen auch tun, mich eingeschlossen. Schlagzeuger Dani Löble kriegt vor heimischem Publikum auch die Chance sein Können mit einem Solo zu zeigen. Der Emotionale Moment folgt dann etwas später. So sitzt Vater Löble im hohen Alter von 87 Jahren im Publikum wird vom Scheinwerfer gesucht und gefunden. Ihm wird gedankt für die Zeugung des besten Schlagzeugers. Abschluss des regulären Sets macht das übermachtige Halloween. Mein Sohnemann ist mittlerweile komplett ausser Puste, zwei Stunden an vorderster Front nagen an der Ausdauer eines 15-jährigen der aktuell die komplette Metal-Welt in sich aufsaugt. Mich dabei an meine Jugend erinnert, als ich all die neuen Bands noch mit Hilfe der einschlägigen Printmedien entdeckte. Er hat es leichter und überrascht mich fast täglich mit seinen «Neuentdeckungen» und dem Wunsch diese live zu sehen. Da am Folgetag Schule angesagt ist, mache ich mich als pflichtbewusster Vater auf Abschiedsrunde. Während der Zugabeteil mit dem starken «Eagle Fly Free» beginnt verlasse ich die Halle und weiss, dieser Abend gehört zu den Konzertmomenten des Jahres 2025.
Gerne hätte ich einen Abend nur mit den Kürbissen gehabt, so wie damals bei der Pumpkins United Tour, als sie noch länger spielten als heute. Was bedeutete, dass noch mehr Hits im Programm landeten. Und Hits haben Helloween genügend, wenn man bedenkt, was für Perlen sie auslassen mussten und bis auf den einen Song, der mir einfach nicht so zusagte, nicht einen Hänger hatten. Es blieb keine Zeit zum Durchatmen, es war einfach nur ein weiterer grossartiger Abend mit Helloween und ich hoffe man kann schon bald wieder Hello sagen.