Heute vor 30 Jahren wurde der Heavy Metal auf einen Schlag neu erfunden. Am 03. September 1990 veröffentlichten Judas Priest ihr Album Painkiller. Ein Album, dass so nicht ganz erwartet wurde, wie ich aber dann erst später erlesen habe. Als ich auf Judas Priest aufmerksam wurde, war bei uns das Wanderdisco Zeitalter und da gab es dann auch immer diese Heavy Metal Runden. Oftmals lief dann auch Breaking The Law oder United bei der gleichnamigen Disco aus Schwyz. Über diese beiden Songs definierte ich erst Judas Priest. Dann kam Turbo auf den Markt, welches doch recht zu polarisieren vermochte. Ich fand es super, aber ich fand ja auch schon immer Keyboards gut und ob nun ein Schlagzeug aus der Konserve kam oder nicht, schien mich nie gross zu stören (bis ich dann selber anfing Musik zu machen). Ram It Down wurde dann wieder ein wenig härter, blieb mir aber eher wegen der unsäglich schlechen Cover Version von Johnny B. Goode in Erinnerung.

Danach wurde alles anders bei Judas Priest. Irgendwie schien es als mussten sie sich entscheiden welche Richtung sie einzuschlagen hatten. Soll es eher in Richtung des kommerziell erfolgreichen Mainstream Metals gehen, der gerade zu Höhenflügen ansetze oder soll es ein echter Arschtritt versetzen und zeigen wo der Hammer hängt. Judas Priest entschied sich fürs letztere und ging im Januar 1990 in Frankreich ins Tonstudio um mit den Aufnahmen zu beginnen. Beendet wurden die Platte dann im Wisseloord Studio in Holland. Auch wenn ich von Judas noch nie etwas gehört hätte, spätestens dann wäre es der Fall gewesen. Damals habe ich eigentlich fast alles blind gekauft, was aus diesem Studio kam. Im März war dann also die Platte im Kasten und sollte veröffentlicht werden. Die Plattenfirma liess sich jedoch noch Zeit damit. Hintergrund war der laufende Prozess gegen Judas Priest, die angeklagt waren, weil sich zwei Jugendliche umgebracht hatten, weil Judas Priest angebliche versteckte Nachrichten in ihren Songs versteckt hatten. Die Plattenfirma wollte unbedingt das Urteil abwarten welches dann auch am 24. August 1990 zu Gunsten der Briten entschieden wurde. Knapp zwei Wochen dann, stand das 12. Studioalbum Painkiller im Laden. Zum ersten Mal mit Scott Travis am Schlagzeug und er feierte einen Einstand nach Mass. Alleine der Anfang des Albums liess mir die Kinnlade hart auf der Tischkante aufschlagen. Es traf mich die Urgewalt eines Schlagzeugers in seiner vollen Wucht. Was für ein Einstieg. Das Album wurde zu einem vollen Erfolg, war selbst hier in der Schweiz für 9 Wochen in den Charts. Kein Wunder bei der Dichte an wahrlich grossartigen Songs. Hell Patrol rockt wie Sau, A Touch Of Evil ist sowas von böse und mein absoluter Favorit des Albums, Night Crawler, lässt mich auch heute noch 30 Jahre nach erscheinen die Anlage an den Anschlag aufdrehen.

Auf der folgenden Tour war ich dann auch in der Allmend Halle in Luzern, mein erster Konzertbesuch in dieser Halle. Leider musste ich dann knallhart erfahren was eine schlechte Akustik so ausmacht, aber egal, ich hatte die britische Legende zum ersten Mal live gesehen, es sollten dann noch einige Konzerte folgen. Annihilator waren damals übrigens Vorgruppe, dies am Rande erwähnt. Der Höhenflug von Judas Priest schien neue ungeahnte Höhen zu erreichen. Gegen Ende der Tour im Mai 1992 dann aber die Schockmeldung für alle Fans, der Metal Gott Rob Halford steigt aus. Als Grund wurden Spannungen innerhalb der Band angegeben, deshalb auch die Kündigung via Fax, so wenig Kontakt hatte man noch und wohl noch weniger zu sagen. Bis heute hat dieser Meilenstein der Rockgeschichte über 2 Millionen Alben verkauft und ist für mich das mit Abstand beste Judas Priest Album aller Zeiten. Heavy Birthday Painkiller