Vor ein paar Wochen meinte mein Sohnemann, dass HammerFall ins Z7 kommen und er dort gerne hingehen möchte. Ich wäre ja ein schlechter Vater, wenn ich diesen Wunsch nicht erfüllen würde, zumal mit Tailgunner eine Vorband mit im Programm ist, die es mir in jüngste Zeit ebenfalls sehr angetan hat. Also Vorverkauf aktivieren und mal schnell Tickets ausdrucken, da auch meine Frau mitkommen möchte. Es gibt also an diesem Mittwoch, 14.01.2026 einen kleinen Ausflug ins Baslerische Pratteln. An die Kombination HammerFall und Z7 habe ich nur gute Erinnerungen. Eines meiner ersten Konzerte in der Halle der Hallen welches ich besuchte war hier, wo auch die Soundqualität immer herausragend ist, verglichen mit vielen anderen Lokalitäten. Hier habe ich auch eines der geilsten Schlagzeugsolos in meinem Leben gehört, eben auch von HammerFall, damals als Anders Johansson noch zur Band gehörte und «Breaking The Law» solo auf die Tierfelle dreschte. Meine Frau meinte noch, wir müssen früh los, schliesslich möchte sie wieder ganz nach vorne ans Absperrgitter (was sie dann auch schaffte). So finden wir uns kurz vor Türöffnung ein und die Anstehschlange war schon sehr beachtlich lange. Auf dem Weg den Fotopass abzuholen, setze ich gefühlt keine zwei Schritte aneinander, ohne bereits hier schon einige Freunde begrüssen zu können. Die Halle ist ausverkauft und lockt auch einige mir bekannte Gesichter an, was den Abend zu etwas besonderem werden lässt.
Eröffnet wird der Abend von der englischen Band Tailgunner. Es gibt sie noch nicht solange die Jungspunde aber sie haben schon beachtliche Spuren hinterlassen. Mit den ersten Auskopplungen aus dem erst im Februar erscheinenden Album haben sie mich schon ziemlich beeindruckt. Ich bin, so wie es ausschaut, auch nicht der Einzige, der sich nun von den Live-Qualitäten überzeugen lassen will. Überraschend voll ist der ausverkaufte Musiktempel schon vor dem ersten Akkord, was bei einer Vorgruppe doch eher die Ausnahme darstellt, oft steht man noch draussen und verdrückt noch Bratwurst oder Pommes und quatscht noch ein wenig. Nicht so heute. Kurz vor dem Start der Tour, hatte die Band jedoch noch eine Herausforderung zu stemmen. Ihre Gitarrstin Rhea Thompson musste aus gesundheitlichen Gründen Forfait geben, mit Jara Solis von Hunger fand man aber den notgedrungenen Ersatz. Wer mit der Band nicht vertraut ist, dem wäre dies aber bestimmt nicht aufgefallen. Jara integrierte sich so gut ins Gesamtkonzept, man kann meinen, sie ist bereits seit Ewigkeiten mit dabei. Tailgunner legen gleich mit dem Titelsong des kommenden Albums «Midnight Blitz» los wie die Feuerwehr. Ja die Jungen die sind noch gut im Saft, überaus motiviert und gut gelaunt. Diese gute Laune wirkt ansteckend und gleich mit dem ersten Riff ist die Stimmung sofort nahe dem Siedepunkt. Für Tailgunner ist es gemäss meinen Infos der erste Auftritt hier im Z7. Nicht so für Sänger Craig Cairns, er kennt das Lokal bereits, feierte schon mit seiner ehemaligen Band Induction (welche ich in ein paar Wochen auch wieder sehe), hier schon eine Livepremiere. Die 40 Minuten vergehen wie im Fluge und ich bin mir sicher, die Band hat noch eine grosse Zukunft vor sich, als sie das Set mit dem Titelsong des letzten Albums «Guns For Hire» beenden. Hier stimmt das Kollektiv einfach perfekt. Sollte Judas Priest in Zukunft an ihre Rente denken, dann steht mit Tailgunner der würdige Nachfolger Gewehr bei Fuss, um das Erbe des echten Heavy Metals anzutreten.
Als vor mehr als 30 Jahren HammerFall die Bühne betraten, war der Heavy Metal komplett am Arsch. Die Rockwelt starrte damals nach Seattle, wo die Quelle einer musikalischen Rock-Evolution zu sprudeln begann. Auf einen Schlag verschwanden damals Haarspray und Lederklamotten von der Bildfläche und machten Platz für Flanellhemd mit eher depressiver Grundstimmung in Moll Pentatonik. In Göteborg schmiedete im Jahre 1993 Oscar Dronjak und Jesper Strömblad (der drei Jahre zuvor schon In Flames gründete) andere Pläne. Sie gründeten HammerFall. Ein paar Jahre danach veröffentlichten sie mit dem Album «Glory To The Brave» das Album, welches wie der Prinz im Märchen Dornröschen, den Heavy Metal wachküsste. Nicht wenige, mich inklusive, schreiben HammerFall deshalb den Fakt zu, wären sie nicht gekommen, der Heavy Metal würde heute anders aussehen. Jetzt aber zurück in die Gegenwart. HammerFall sind endlich wieder einmal im Z7, nachdem sie die letzten Jahre live eher einen Umweg um Pratteln gemacht haben. Das Publikum weiss dies mit einer ausverkauften Show zum Tourstart zu verdanken. Sie lassen auch gleich von Anfang an nichts anbrennen. «Avenge The Fallen» leitet ein Feuerwerk an Hits ein, lässt gleich ein «Heeding The Call» und «Any Means Necessary» folgen. Den Psalm, welchen Joacim am Abend zuvor, in einem deutschen Hotelzimmer in einer Bibel gelesen hat, wo drinsteht, dass man keinen Yngwie Malmsteen braucht, wenn man einen Pontus in der Band hat, muss er mir mal zeigen. Menschlich gesehen gebe ich ihm da vollkommen recht. Das zeigt auch das Wirken auf der Bühne, da gibt es keine Egoisten, sondern eine Band, die allesamt an einem Strang ziehen und auch nach über dreissig Jahren hungrig sind und auch relevant. Sänger Joacim ist richtig gut bei Laune und macht seine Sprüche, wenn es darum geht, wie man den Bandnamen im Rahmen eines Mitsing-Spieles auszusprechen hat. Es ist nicht FallHammer sondern HammerFall. Nachdem ich meine Kamera nach den üblichen drei Songs weggepackt habe, geselle ich mich zu meinem Sohnemann und meiner Frau, die wie üblich ganz vorne am Absperrgitter mitfeiern. Dort führe ich auch den einen oder anderen Smalltalk mit Rönu vom Metalfactory und Pöch vom Metalinside. Erfahre dann mit einem Augenzwinkern, wie relevant der Kanton Bern in der Karriere so mancher heute grosser Band ist, oder war. Aber ich erlebe hier auch den emotionalen Moment als HammerFall «Glory To The Brave» anstimmen. Ein Teil der Community wird hier und jetzt eine Träne verdrücken, in Gedenken an den viel zu früh verstorbenen Kaufi, der in bestimmten Foren das Pseudonym Hector getragen hat (Hector ist das Maskottchen der Schweden). Auch mich berührt der Song heute zutiefst und wird wohl auch in Zukunft immer so bleiben, in solchen Momenten fehlt der Kollege einfach. Zwei Songs später ist der offizielle Teil dann beendet und mit zwei weiteren Songs, mitunter dem obligate Hearts On Fire, wird nach viel zu kurzen 90 Minuten der Abend beendet. Da hätten ruhig noch ein paar Songs Platz gefunden in der Setliste, wäre die Umbaupause nicht so lange gegangen. Viel umzubauen gab es nämlich nicht, da wären gut und gerne noch 15 Minuten drin gelegen. Ist aber jammern auf sehr hohem Niveau. Was wir heute gesehen haben, war ein erstklassiger Tourauftakt einer Band die vor 30 Jahren den Metal gerettet und einer jungen Band die dieses Banner locker weitertragen wird.