Es war wieder einmal Zeit ins Z7 zu pilgern. Endlich könnte man schon fast sagen, es war wieder das erste Mal nach der Virus-Blockade für die Pilgerreise ins Z7. Vorher hat es leider zeitlich nicht so gereicht, aber vor dem langen Auffahrts- Wochenende riefen doch das nordische Dreigestirn Temple Balls, Reach und H.E.A.T. dazu auf und diesem Ruf musste ich einfach Folge leisten. Apropos Zeit, dass es ein langes Wochenende gab, merkte man vor allem auf der Strasse, veranschlage ich im Normalfall etwas mehr als eine Stunde für die Fahrt in den Musiktempel der Schweiz, brauchte ich an diesem Mittwochabend alleine schon eine geschlagene Stunde für die Fahrt von Zug nach Luzern. Aber alles kein Problem, denn ich war früh genug dran. So kam ich auch zeitlich in Pratteln an und traf gleich vor dem Eingang wieder die ersten vertrauten Gesichter, die man teilweise doch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen hatte. Einem gemütlichen Konzertabend stand also nichts im Wege.

Pünktlich um 20:00h legten Temple Balls aus Oulu, Finnland, los. Und wie, gleich ihr Übersong «Thunder From The North» wurde ins Publikum geschmettert. Eine Nummer, bei welcher ich im Normalfall überhaupt nicht ruhig stehen kann. Doch mit der Kamera in der Hand durfte nur der Fuss leicht mitwippen, was für ein Start. Die Finnen überzeugten souverän mit ihrem Auftritt und ihrem Melodic Metal. Selbst «Strike Like A Cobra», die neueste Nummer vom kommenden Album, fand seinen Platz in der Setlist. Die Studioaufnahme riss mich zwar nicht vom Hocker, da zu austauschbar, aber live kommt sie dann doch um einiges geiler rüber. Richtig Partystimmung gab es dann mit «Bad Bad Bad», wer da noch stillstehen kann, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

Als zweite Band stand dann das schwedische Trio Reach auf der Bühne. Der Funke den Temple Balls gezündet hatte, konnte, zumindest bei mir, kein Feuer entfachen. Obwohl handwerklich hervorragend gespielt, erinnerte mich die Musik phasenweise an ein Musical. Unglücklicherweise hatte die Band auch noch ein paar technische Probleme was den Konzertgenuss leider nochmals ein wenig trübte. Auch wenn das Feuer nicht entfacht werden konnte, habe ich mir die Band im Nachgang zu Hause mal über (Achtung Schimpfwort) Spotify angehört. Da war der Hörgenuss dann jedoch intensiver. Eine sehr interessante Band, die ich jetzt auf dieser Tour ein wenig fehlplatziert empfand, aber auf dem Kopfhörer seine Wirkung entfalten konnte.

Nach einer kurzen Umbaupause, da war es wirklich gut, dass alle Bands über das gleiche Schlagzeug spielten, standen die Headliner H.E.A.T. auf der Bühne. Ich war gespannt wie ein Pfeilbogen, war es doch das erste Mal, dass ich die Band nach dem Abgang von Erik Grönwall nun live vor den Augen hatte. Kenny Leckremo ist der neue alte Frontkasper der nach einer Dekade Abwesenheit wieder zurück in der Band ist. Nach dem üblichen Glenn Frey Intro legten die Schweden wie die Feuerwehr mit «One By One» los und liessen mit «Rock Your Body» und «Dangerous Ground» gleich zwei weitere Kracher aus dem jüngsten Album «II» folgen. Bereits jetzt war klar, die Band macht keine Gefangene und Kenny macht es mit seinem Bewegungsdrang den Fotografen nicht gerade einfach ihn einzufangen. Der Typ ist sowas von einem Aktivposten und einverleibt die Bühne in seiner gesamten Dimension, ohne auch nur einmal die Stimme unruhig wirken zu lassen. Die Stimmung im mittlerweile gut gefüllten Z7 war bereits am Kochen und die Band liess sich davon natürlich anstecken und legten ein heisses Eisen nach dem anderen nach. Man bediente sich aus allen bisher erschienen Alben mit mindestens einem Song, mit Hauptgewicht auf die jüngste Veröffentlichung. Dabei kamen aber zwei Songs «Back To The Rhythm» und «Nationwide» die auf der am 5. August erscheinenden neuen Platte «Force Majeure» zum Zuge. Gerade «Nationwide» zündet live gewaltig und wird wohl auch noch Jahr im Liveset der aus Upplands Väsby stammenden Band (aus dieser Stadt kommen übrigens auch ein Grossteil der Mitglieder von Europe) sein. Auch wenn ein paar von meinen Lieblingssongs wie «Mannequin Show» fehlten, es wurde zu keinem Zeitpunkt langweilig. H.E.A.T. wurden abgefeiert vom Anfang bis zum Ende. Es gibt für mein Empfinden nur ein Kritikpunkt, und dies ist bei mir eigentlich immer der gleiche, ich bin nunmal kein Fan von Schlagzeugsolos. Aber ich gönne es jedem Schlagzeuger, die jeweils immer ein wenig wie der Motor unter der Haube, im Hintergrund tätig sind. Aber hey, dies ist auch hier wiederum, jammern auf hohem Niveau.

Auf alle Fälle ging ein kurzweiliger Abend mit Treffen von vielen Freunden, die man teilweise schon länger nicht mehr gesehen hat und interessanten Gesprächen, dann halt irgendwie doch wieder zu früh zu Ende. Jetzt bleibt noch zu hoffen, dass die Testphase mit dem Parkiersystem beim «Grüssen» erfolgreich verläuft. Es wäre einfach zu schade, wenn die beste Konzertlocation der Schweiz Ende des Jahres tatsächlich verkünden müsste, dass es das gewesen ist. Ich persönlich finde es Top vom Grüssen-Center hier ihr Entgegenkommen zu bekunden und so eine Möglichkeit zu geben, ein wichtiger Teil zum Fortbestehen des Z7 beizusteuern.