DER DONNERSTAG
Erster Tag am Greenfield 2024 und traditionell wird dies von den Alphornbläser eröffnet. Also mache ich mich auf den Weg in den Fotograben. Doch was sehe ich da, nichts, oder zumindest fast nichts. Die Bühne ist abartig hoch, so dass ich selbst mit ausgestreckter Hand nicht an die Bühnenoberkante hochkomme. Dies müssen so um die 2.30m sein oder sogar noch mehr. Zudem sind für die nachfolgenden Bands bereits ganze Batterien an Pyros, CO2 und Konfettikanonen installiert. Gleichbedeutend mit zusätzlichen Zentimeter die irgendwie überwunden werden müssen. Es ist der Moment wo ich mir wünsche die Plateauschuhe von KISS im Gepäck zu haben. Selbst die Fans in der ersten Reihe sind die Gelackmeierten, denn vielmehr sehen auch die nicht. Die urchigen Klänge schallen durch das Berner Oberland, es wird bereits gerudert, Moshpits werden runtergespult, man bringt sich also schon einmal auf Betriebstemperatur zu «Nothing Else Matters» und «Smoke On The Water».
Richtig geht es nun aber mit Life Of Agony los. Meine Mission in diesem Jahr lautet alle Bands zu fotografieren, ob es dann am Schluss auch gelingt, wird sich dann in etwas mehr als 48 Stunden am Samstagabend zeigen, es könnten ja noch einige Verträge oder Managements dazwischenfunken. Es sind da schon ein paar Kandidaten, die mir auf dem Weg dorthin einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Also rein ins Geschehen, Life Of Agony sind ja schon eine recht erfahrene Band, die weiss bestimmt wie man ein Festival zu eröffnen hat. Angeführt von Mina Kaputo, die sich vor einigen Jahren als transgeschlechtlich geoutet hat, überzeugt die Leadsängerin mit ihrer rauen Stimme. So ist es ein leichtes für die Band dem Publikum zu geben, was es haben möchte, nichts mehr als eine wilde Rockparty.
Auf der kleinen Eiger Bühne machen sich nun die Zürcher von The High Times ans Werk. Mit einem kurzen „sinder zwäg“ steigen sie auch gleich energiegeladen in die Setliste ein. Wem die Band irgendwie bekannt vorkommt, hat vermutlich schon Überyou gesehen. Den dreiviertel der Truppe kommen von dort. Verstärkt nur durch die Sängerin Domi, die die Bühne in seiner ganzen Dimension einzuverleiben vermag. Da ich aber schon bald wieder zur Jungfraustage rüber muss, bleiben mir leider nicht mehr als die drei Songs Zeit, der Band zuzuhören.
Wenn Saltatio Mortis auftreten dann steigt auch der Partyfaktor um ein paar Level an. Und sie machen gleich mal richtig Dampf. Dreh und Angelpunkt natürlich Sänger Alea der die Meute richtig im Griff hat. Gegenüber anderen Auftritten sind sie aber auf Sparflamme unterwegs. Dies bedeutet jedoch nicht die Herangehensweise der Band und die Setliste, die ist wie immer bei Ihnen absolut top. Sparflamme bezieht sich mehr auf die sonst eingesetzten Gimmicks resp. Showelemente wie Feuer, Pyros und dergleichen. Wie ich später hören werde, wurde ihnen dies untersagt, da die später auftretende Tanztruppe namens Babymetal den Anspruch erhob, diese als erste Band auf der Jungfrau Stage verwenden zu dürfen. Steigert bei mir den Sympathiewert dieser von einer Talentagentur zusammengestellte Truppe nicht gerade. Schade haben es Bands nötig, gerade auf einem Festival, solche Forderungen zu stellen. Gerade auf Festivals sind immer Fans der jeweiligen Band im Publikum die vielleicht mit der anderen nichts am Hut haben. Dabei würden sie gerne die Show ihrer Lieblinge sehen, die sie sich gewohnt sind und nicht eine durch andere, meist Managements, kastrierte Aufführung. Saltatio Mortis lassen sich aber nichts anmerken und liefern allererste Güteklasse ab. Was für großartige Jungs sie sind, zeigen sie auch nach dem Konzert, als sich Teile der Band unters Publikum mischen.
Fjort kannte ich bisher noch nicht und hätte die Band rein vom Namen her eher als skandinavische Band abgetan. Dem ist aber nicht so, dass Trio stammt aus Aachen und wurde vor 12 Jahren gegründet. Stilmässig beschreibt Wikipedia den Sound als Post-Hardcore, also einer Stilrichtung der ich nicht allzu abgeneigt bin. Mich fesselt bei dieser Schubladisierung der Musik jeweils immer die Wut und Aggressivität die tontechnisch verarbeitet und in die Weite eines Konzertgeländes geschmettert wird. Es wird auch nicht viel gesprochen in der Zeit, die ich vor der Bühne verweile, sondern es wird Musik gemacht und die hat es in sich. Ja die Band wird in Zukunft noch öfter in meiner Playlist auftauchen.
Babymetal ist so eine Geschichte. Da will man J-Pop mit Metal verbinden und präsentiert dies dann mit einer einstudierten Choreografie. Anscheinend hat die Band aber auch schon mächtig Fans in der Schweiz, denn am Absperrgitter tummeln sich nun so richtig viele Leute und die Babymetal – Rufe sind auch nicht von schlechten Eltern. Für die Fotografen gibt es aber erst noch eine vertragliche Hürde zu nehmen, bevor die ausgewählten dann in den Pit dürfen. Was folgt ist dann wohl reine Geschmackssache, mein Geschmack ist es auf jeden Fall nicht. Da hüpfen ein paar Japaner zu Metalklängen rum und versuchen gesanglich die Töne zu treffen. Ich schreibe absichtlich versuchen, denn diese werden selten bis gar nicht getroffen und wenn klingen sie wie die Quietsche-Badeente wenn einer meiner Hunde zu Hause drauf rum kaut. Der Höhepunkt aber ist dann der instrumentale Teil, bei welchem eine durchaus gut funktionierende Band quasi ihr Können zeigt, aber auf der Bühne nicht sichtbar sind, sondern hinter den Podesten der drei Tänzerinnen, in Masken ihr Programm runterspulen. Naja, ich habe die Girls, oder sind es eher fremdgesteuerte Puppen, gesehen, die Fotos sind gemacht, die seht hier alle in der ausdrückliche verlangten Galerie, und das Thema wird abhakt. Ach ja, mehr Bilder gibt es nicht zu sehen. Das Management erlaubt nur fünf von ihnen ausgewählte Bilder zu veröffentlichen, dem leisten wir jetzt auch schön brav Folge.
Weiter auf der kleinen Bühne geht es mit den Norwegern von Bokassa, erneut ein Trio die ihrer Wut freien Lauf lässt. Diesmal aber sind doch auch leichte Punkspuren im Hardcore zu verorten. Explosiv wie ihr drittes, 2021 veröffentlichte, Werk mit dem Titel Molotov Rocktail benannte Album, treffender kann man es wohl nicht beschreiben.
Zurück an der Jungfrau Stage spielt nun die Band, auf die ich mich heute am meisten gefreut habe, SUM 41. Und die Kanadier zelebrieren eine Hammer Pop Punk Rock Show. Angeführt von Deryck Whibley, der unermüdlich über die Bühne wetzt, sich schon einmal eine Gitarre umhängt, folgt jetzt ein Feuerwerk quer durch die musikalische Karriere. Auch mit echtem Feuerwerk wird nicht gegeizt, sprich Pyros kommen schon massig zum Einsatz. Sie dürfen ja jetzt, Babymetal hatten ja ihre Stunde schon. Bei der Band aus Ajax (Ontario) stehe ich auch gerne nur da und geniesse die Show bis fast zum Ende. Muss natürlich noch ein kleines Video drehen und es einem Freund zu schicken, der wohl der grösste Fan der Band ist, welchen ich kenne, heute aber nicht hier sein kann, vielleicht schafft er es dann in die Westschweiz, wenn Sum 41 zum Finale ihrer Karriere noch einmal in der Schweiz spielen. Das Geniessen der Shows auf der Jungfrau Stage ist in diesem Jahr aber gut möglich ist. Die Spielpläne sind ein wenig angepasst worden. Als Fotograf hat man in diesem Jahr mehr Zeit vor der grossen Bühne stehen zu bleiben, bevor die nächste Band auf der kleinen wieder loslegt, umgekehrt klappt es weniger. Liegt auch daran, dass pro Tag eine Band weniger spielt als noch im Vorjahr. SUM 41 sind heute irgendwie klar der heimliche Headliner. Bei den nachfolgenden zwei Bands auf der Jungfrau Stage hat es definitiv nicht mehr so viele Leute vor der Bühne wie bei den Kanadiern. Es scheint als sind heute die Fans eher dem Punklager zuzuordnen als dem härteren Rock.
Escape The Fate sind die nächsten auf der Eigerstage. Dabei trifft man den Gitarristen Matti Hoffman schon viel früher in der ersten Reihe an der Jungfraustage an. Dort lauscht er doch tatsächlich länger dem Geschehen auf der Bühne und macht bereitwillig auch Bilder mit Fans, die ihn erkennen. Der Sound der Las Vegas Kapelle ist irgendwo in der Schnittmenge von Metalcore aber auch mit einigen Zutaten aus der Emoszene anzusiedeln. Obwohl ab Konserve mir der Sound eigentlich durchwegs noch ins Beuteschema reinpasst, springt der berühmte Funke nicht wirklich auf mich rüber. Der Blick zumindest in die erste Reihe zeigt aber durchwegs begeistertes Publikum, die, glaubt man dem Kartonschild hinter mir, teils nur wegen Escape The Fate angereist sind.
Es wird Zeit für Machine Fucking Head. Die Kalifornier sind heute saugut in Form und rotzen ein Hammer Heavy Metal Set runter, untermalt mit einer eindrücklichen Bühnenshow. Irgendwie aber stehen trotzdem nicht so viele Leute vor der Bühne, wie sie es eigentlich verdient haben. Machine Head sind heute auch die einzige reine Heavy Metal Band auf dem Programm, dies war andere Jahre hier auch schon anders hier auf dem Greenfield. Mit dem Quervergleich zu den vor ihnen spielenden Sum 41, zeigt sich, dass das Publikum wohl definitiv beim Punk angekommen ist. Denn auch der Headliner Bring Me The Horizon zieht nicht so viel Leute vor die Bühne wie es am späten Nachmittag der Fall war. Schade den Machine Head zeigen definitiv, wo der Hammer hängt und dies nicht nur dank den verteilten aufblasbaren Plastikschlagwerkzeugen. Für uns Fotografen jedoch ist der Auftritt ein Albtraum, wir erinnern uns, die Bühne ist einfach zu hoch und vorne mit allerlei Pyros zugepflastert, so dass man nur gerade ein kleines Guckloch hat, zwischen welches die Linse durchzielen kann. Die Band verzichtet auch auf Podeste und steht zudem ziemlich tief hinten auf der Bühne. So wird es verdammt schwierig mehr als nur Robb Flynn vor die Kamera zu kriegen. Der Auftritt ist vom Feinsten und im Vorfeld wird schon über die Setliste gemunkelt, ob da „is there anybody out there“ heute mit drauf ist, nicht wie vor Wochenfrist in Deutschland. Und ja der Übersong ist heute mit dabei. Machine Head machen aber nicht nur mit diesem Song alles nieder, der Sound ist auch vom Feinsten garniert mit Pyros, Feuerwerk und Konfettis. Ein Auftritt nach Mass für die Amerikaner
Die weiteste Anreise haben wohl Karnivool gehabt, aus Perth, Australien stammend macht die Band auf der Eiger Stage heute den Tagesabschluss. Wie mir gesagt wurde sind sie in ihrer Heimat schon richtig gross, hier aber aufgrund mangelnder Präsenz noch nicht richtig auf dem Radar sichtbar. Es soll auch erst der zweite Auftritt in der Schweiz sein, wie mir verraten wird. Für mich war dann aber auch schon bald Schluss an der Eigerstage und dies nicht nur weil die Band sich liebend gerne im roten Licht badete, was definitiv nicht so meins ist.
Die Bühne ist schon wuchtig hergerichtet worden für Bring Me The Horizon. Drei Ebenen bis fast unter die Bühnendecke hoch, alles zum Austoben, hauptsächlich für den Selbstdarsteller Oli Sykes. Eingeleitet durch ein futuristisches Intro, welches zwar englisch aus den Boxen kam, aber deutsch auf den Screens dargestellt wurde, starten die Briten in ein Set, dass beim Publikum richtig gut ankommt. Im Video Einspieler wird einem die Show des Lebens versprochen und dass es wohl das letzte und beste sein wird, was der Zuschauer zu sehen kriegt. Naja, grosskotzig ist das allemal, denn schliesslich stehen über das gesamte Wochenende noch einige Konzerte an, und grosskotzig hergerichtet ist eher die Bühne. Untermalt durch eine imposante Bühnenshow mit Pyros, Laser und Feuerwerk, sie liessen wirklich nichts aus. Vielleicht muss ich meine Aussage korrigieren, dass BMTH ein nicht würdiger Headliner ist für ein Festival dieser Grössenordnung, eher in einer 5’000er Halle anzusiedeln wäre. Heute aber haben sie diese Aussage klar widerlegt. Obwohl, ich habe es früher schon geschrieben, der Publikumsauflauf heute auch schon grösser war und ich sicher bin, dass er am Samstag bei Green Day massiv anders aussehen wird. Sänger Oli lässt es sich aber nicht nehmen auch einen Ausflug in den Fotograben zu machen, natürlich erst als wir Fotografen das Weite gesucht haben. Unterschreibt dort schon einmal ein Stück nackte Haut und der Fan lässt sich dies im Nachgang auch noch von Tätowierer nachstechen, wie ich tags darauf gesehen habe. Es ist wahrlich eine grossartige Rockshow die Bring Me The Horizon da abliefern, so dass sie die Messlatte für die folgenden Tage doch ordentlich hochlegen. Auch wenn ich nicht der grösste Fan der Band bin, muss ich attestieren, dass sie ein würdiger Headliner waren und ich meine 5000er Aussage gerne korrigiere, lässt man BMTH freien Lauf, reissen sie das Ding nieder.
DER FREITAG
The Baboon Show eröffnen gewohnt energiegeladen die Show. In bester Wendy O’Williams Manier mit abgeklebten Brustwarzen stürmt Frontfrau Cecilia Boström über die Bühne. Meine Fresse was die Frau Hornissen im Arsch, da ist nichts zu spüren vom Frauen Streiktag zu spüren, so geht Arbeitsverweigerung definitiv nicht. Später zieht sich die Dame dann noch ein ZZ Top Shirt über, aber die Power bleibt ungleich hoch. Was ich jedoch nicht ganz verstehe, ist bei der beschränkten Spielzeit, dass man solch eine ausgedehnte Bandvorstellung zelebrieren muss. Als Einheizer nimmt dies den Drive der Show und davon war zuvor echt viel da. Da hilft dann auch der Publikumsausflug von Cecilia nicht wieder die Temperatur hochzujagen oder nur bedingt da, wo sie sich über die Abschrankung beugt.
All To Get Her, diese junge Band haben beim Showcase von Rock4Future mächtig für Wirbel gesorgt und Kollege Pam vom Metalinside schwärmt auch schon von der Band. Auch den Greenfield Band Contest konnten sie für sich entscheiden, da hat man doch schon einiges erreicht, bin also gespannt, ob ich diese Expertisen ebenfalls teilen kann. Also runter zu Eiger Stage und selbst ein Bild machen, zumindest für drei Songs, denn für mehr reicht es nicht, will man die Mission Alle Bands erfüllen. Aber was ich in dieser Zeit mitkriege, zeigt eine gut gelaunte Band, die sich richtig freut hier auf der Bühne zu stehen. Eine Woche später steht dann auch noch das Summerside in Grenchen auf dem Spielplan. Für eine junge Band also schon einmal ein Einstieg nach Mass in die Festivalsaison.
Hey, ist das einer der Gallagher Brüder, die da die Bühne betritt, dies denke ich als der Gitarrist Sebastian Danzig von Palaye Royale 2.30m hoch über mir steht. Die Bühne ist also immer noch gleich hoch wie am Vortag, jedoch ist vieles von diesem Feuerwerkzeugs heute weggeräumt und die Sicht hat sich dadurch minimal verbessert. Die Band stammt aus Las Vegas und hauen mich komplett aus den Socken. Eine der Entdeckungen des diesjährigen Festivals für mich. Richtig geil gespielt, coole Songs und eine markante Stimme die erst noch die Töne trifft. Dies obwohl Palaye Royale musikalisch gar nicht so recht ins typische Greenfield Schema passt. Dann doch eher in Richtung Manchester zugeordnet werden kann, Garage Rock wie ich es selbst 22 Jahre konsequent erfolglos gespielt habe mit einem Hauch Glamour. Die Band ist auf alle Fälle auf die Muss-ich-wieder-einmal-sehen-Liste gelandet.
Runter an der Eiger Stage machen sich Future Palace aus Deutschland bereit. Der gleiche Kumpel, dem ich gestern noch ein Sum 41 Video geschickt hatte, gab mir als Antwort unter anderem zurück, bitte sag mir wie Du Future Palace findest. Objektiv beurteilen kann ich es ja nicht, dazu sind die drei Songs einfach zu wenig, auch weil ich mich auch noch aufs Einfangen von Bildern konzentrieren muss, hat es heute doch schon ein paar Fotografen mehr am Start als noch am Vortag. Die Berliner Band um Maria Lessing hat aber durchaus eingängiges Material am Start und ein Blick in meinen Spotify Account verrät mir sogar, dass ich einen Song „geliked“ habe. Und wer als Einfluss Mike Oldfield nennt, ist bei mir auch nie verkehrt. So ergibt es sich, dass ich ein bisschen langsamer zurück an die Jungfrau Stage laufe, um noch möglichst lange in der Reichweite der Beschallungsanlage der Eiger Stage bin, wenn da nur nicht dieses komische Coca-Cola Eventzelt wäre. Als Veranstalter ist man natürlich froh um Sponsoren, aber ich glaube es wäre auch angebracht diesen mitzuteilen, dass es sich um ein Festival der harten Gitarren handelt und diese Discostampfer mit Elektro-Bumm-Bumm hier eigentlich fehl am Platz ist.
Die Guano Apes sind wieder unterwegs, im letzten Jahr am Summerside schon gesehen, überraschen sie mich heute auch nicht wirklich. Wie gewohnt bei der Göttinger Band dürfen wir Fotografen einen kompletten Song im Graben sein und uns danach auch gleich wieder aus dem Staub machen. Ja die Band hatte ihre Zeit vor Jahren und da auch später nicht mehr viel kam, füllt man das Set auch mit Coversongs, die teils ja auch in der Guano Apes Version zu Hits wurden, so zum Beispiel Big In Japan von Alphaville. Nur Lose Yourself von Eminem habe ich erst vor zwei Wochen von Dave & The Dudes gehört und ehrlich gesagt, deren Version hat mich mehr aus den Socken gehauen als es heute die Truppe um Sandra Nasić gemacht haben. Ausser, dass sich ein wenig Stroh in meinen Schuh geschmuggelt hatte, bleiben die Socken noch da. War gut, nicht mehr nicht weniger.
Die Nebenbühne mausert sich indes immer mehr zur Neuentdeckungsbühne. Mit Imminence steht da gerade wieder so ein Kaliber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die ich mir bestimmt noch öfter anhöre. Metalcore angereichert mit Geige. So singt der adrett gekleidete Eddie Berg nicht nur sondern bringt noch die Saiten an der Schulter zum Schwingen. Dabei auch nicht unendlich lange Ansagen von sich gibt, sondern die Musik sprechen lässt. Da ich immer noch auf Kurs bin mit meiner Mission alle Bands zu fotografieren, verlasse ich die Eiger Stage früher. Hätte ich jetzt schon einen Minuspunkt in der Bandliste, würde ich wohl noch länger stehen bleiben da mir die Band auf der Hauptbühne eh nicht besonders zusagt.
Feine Sahne Fischfilet ist so eine Sache bei mir. Es ist nicht gerade meine Band und sie haben auch viel Boden gutzumachen. Die Band steigt massiv ins Set, wird vom Publikum gefeiert ohne Ende und wir im Fotograben dürfen die Köpfe einziehen, wenn Monchi die Bierbüchsen en masse ins Publikum schmeisst und dann noch die Kameras abdecken, dass die Dusche ausbleibt. Kann man machen hat aber so einen faden Beigeschmack, wenn die Büchsen nur so fliegen und im Gegenzug die Security beim Eingang zum Konzertgelände jede Büchse konfisziert. Bereits beim zweiten Song verlässt die Leaderfigur die Bühne, um an der Absperrung in engen Kontakt mit den Fans zu treten. Naja, wer es mag eine Bierdusche zu erhalten vom Gerstensaft, der erst im Mund des Sängers seine Wege gemacht hat, bitte schön, der ist hier an der richtigen Adresse. In der Mitte des Sets begibt sich dann noch ein Teil der Band komplett in die Menschenmenge. Ich beobachte derweilen das Geschehen vor Bierduschen geschützt im VIP-Zelt und lasse so das Set an mir mehr weniger vorbeiprasseln, vermisse es auch nicht mehr mitgekriegt zu haben.
Am Greenfield mache ich auch immer wieder ein paar Entdeckungen, die ich dann nach dem Festival gerne weiterverfolge. Und ich habe es weiter oben schon geschrieben, in diesem Jahr gibt die Eiger Stage so einiges her, diesbezüglich. Da ich in der Vorbereitung jeweils ein wenig schlampig bin und nicht wirklich jede Band anhöre kommt dies dann halt gerne vor. Genau so eine Entdeckung steht nun bereit. Against The Current werden als Pop/Rock Band gelistet, was für mich grundsätzlich so auch stimmt. Die Amerikaner gründeten sich 2011 und sind in erster Linie durch ihren YouTube Kanal bekannt geworden. Sängerin Chrissy zieht mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz alle Blicke auf sich und markiert dabei auch gleich die Rampensau. Wie ich im Nachgang erfahre, ist sie eine leidenschaftliche Zockerin und vor allem League Of Legends soll es ihr angetan haben. Kommt also nicht von ungefähr, dass Against The Current 2017 mit dem Song «Legends Never Die» den offiziellen Soundtrack zur LoL-Weltmeisterschaft geliefert haben. Ich wäre gerne noch länger, sehr gerne sogar, vor der Bühne stehen geblieben und mich von der Ausstrahlung der Band in ihren Bann ziehen lassen. Beim Betrachten der Bilder fällt mir dann aber auch noch auf, dass ich von allen Bandmitgliedern ausser Chrissy genau ein Bild gemacht habe, sagt einiges über die Ausstrahlung der 28-jährigen aus.
Das mit dem Propheten im eigenen Land war bei Eluveitie lange Zeit bei mir ein Thema. Da füllten sie im Ausland massig die Hallen und in der Schweiz waren es eher kleinere Locations. Mittlerweile hat sich dies massiv geändert und auch im Heimatland zählen sie auf eine stattlich angewachsene Anhängerschaft und die Platzverhältnisse vor der Bühne sind immer sehr eng und die Bühne immer grösser. Muss sie auch sein, den Chrigel Glanzmann gehört mit seiner Mannschaft einfach auf eine grosse Bühne. Eluveitie werden auch richtig abgefeiert mit einem geilen Set und einer ganz schön anständigen Pyroshow die da gezündet wird. Die Protagonisten auf der Bühne freut dies natürlich, was Chrigel auch immer wieder zum Ausdruck bringt. Muss echt ein geiles Gefühl sein, auf dieser Bühne zu stehen und es jubeln Dir Tausende zu. Und wo klingt ein «de Ruef vo de Bärge» schöner, imposanter und mächtiger als im Berner Oberland umringt von Bergen.
Auch die Kanadier sind bisher an mir irgendwie vorbei geflutscht, dabei spielen sie bereits zum dritten Mal auf dem Greenfield Festival und waren auch sonst immer wieder in der Schweiz zu Gast. Aber was soll es, ich kann ja nicht überall sein und hier und heute hole ich mir ja das Verpasste nach. Dabei erlebe eine durchwegs sehr geile Performance einer überaus spielfreudigen Band mit dem dauergrinsenden Josh Bradford. Wie ich später noch mitgekriegt habe, sollen sie noch eine unfassbar geile Version von Linkin’ Parks One Step Closer vom Stapel gelassen haben. Ob es auf der Bühne auch noch einen Heiratsantrag gegeben hat, wie zwei Wochen zuvor in Hamilton weiss ich nicht, ich war da schon weiter an der Jungfrau Stage, aber sowas geschieht schon einmal an einem Silverstein Konzert.
Wenn die Dropkick Murphys auf dem Programm stehen, dann steht einer fetten irischen Party eigentlich nichts im Wege. Die Band kommt auf die Bühne und es fällt gleich auf, der Frontmann Al Barr fehlt. Den Job übernimmt so vollumfänglich Ken Casey, die beiden teilen sich sonst üblicherweise die Gesangsparts. Al selbst fehlt, weil seine Mutter aus gesundheitlichen Gründen auf die Hilfe der Familie angewiesen ist. Das Publikum frisst ihnen aber auch aus den Händen, kein Wunder, wenn man eine Hymne wie The Boys Are Back schon so früh ins Set einbaut. Mein absolutes Highlight eines jeden Dropkick Murphy Gigs darf natürlich nicht fehlen, Rose Tattoo. Gut kann ich etwas länger vor der Bühne stehen bleiben und einfach nur geniessen, eine gute Zeit haben und fast schon vergessen, dass ich noch runter zur Eiger Stage spurten muss, was mittlerweile nicht mehr das leichteste Unterfangen ist, hat schliesslich einiges an Personenauflauf gegeben die hier ihre Party feiern wollen.
Dort stehen als letzte Band die Norweger von Kvelertak auf der Bühne und nehmen uns alle in den Würgegriff. Ein Gitarren Triplet haute mächtige Riffs raus, so dass die Berge ringsherum erzittern mussten. Der Headliner auf der kleinen Bühne hatte die Meute auch von Beginn an im Griff, wenn auch ich als Fotograf von den Lichtverhältnissen nun nicht mehr gerade so begeistert war, letztlich zählt aber die Musik. Spätestens jetzt wissen wir auch das es in Norwegen genau wie in der Schweiz superteuer ist, wie Frontmann Ivar Nikolaisen feststellt. Auch mit Berührungsängsten hat Ivar nicht zu kämpfen. Ab in die Mitte der Meute, er surfte über die Menge und singt schon einmal auf den Schultern der Fans. Unglaublich diese Energie die hier am frühen Abend noch freigesetzt wurde.
Beim heutigen Headliner The Prodigy scheiden sich wieder einmal die Geister. Für die einen sind sie Helden und für andere wie mich einfach nicht so ihr Ding. Als dann am Eingang zum Fotograben noch die Information hängt, dass Stroboskope massig eingesetzt werden und dies gesundheitlich nicht für Jeden optimal ist, mache ich mir schon einmal meine Gedanken betreffend dem Fotografieren. Die Mission alle Bands ist aber immer noch auf Kurs, also mache ich mich mit gefühlten 50 anderen Fotografen in den Graben auf. Ja Strobos kommen zur Geltung und die Musik hat sich mit dem neuen Frontmann leider auch nicht geändert. Meine Liebe zu The Prodigy wird wohl auch heute nicht gedeihen, da haben mich heute Nachmittag auf der Eiger Stage einige Bands mehr abholen können. Es ist wirklich nicht so meins (was es auch nicht sein muss, Musikgeschmack sei Dank). Mache ich mich auf den Weg zum Hotel. Am nächsten Tag höre ich dann noch, dass die Spielzeit auch nicht ausgenutzt wurde, es jedoch für die Band ein sehr emotionaller Auftritt gewesen sein soll. So war es ihr erster Auftritt in der Schweiz seit dem frühen Tod von Keith Flint im Jahre 2019. Aber da sass ich schon am Computer und habe mir die Backups der Speicherkarten gemacht. Zudem wartet der Samstag auch schon in den Startlöchern.
DER SAMSTAG
Es ist Samstag, Abschlusstag am Greenfield und als ich wach werde, höre ich schon den niederprasselnden Regen auf dem Hoteldach durchs offene Fenster. Ja der Regen war angekündigt, aber Prognosen sind ja immer so eine Sache. Also Blick auf den Regenradar und es schaut schlimm aus, Gummistiefel habe ich nicht dabei, dafür meine hohen Wanderschuhe dies muss ausreichen. Erste Überlegung werden gemacht wie ich denn den Weg zur Pressekonferenz die um 12:00h beginnt, bewältigen soll, Auto oder wie immer zu Fuss, diesmal aber mit Regenschirm. Abwarten es sind ja noch ein paar Stunden, bis ich aufbrechen muss. Pünktlich zum Abmarsch hört der Regen auf und das Beste, er kommt den ganzen Festivaltag dann auch nicht mehr. Was bin ich für einmal froh lagen die Propheten heute mit ihrem Ausblick daneben. Der Wettergott ist also insgeheim doch ein kleiner Rocker.
An der Pressekonferenz werden dann ein paar Eckdaten bekannt gegeben. So ist die Besucherzahl mit etwas mehr als 84’000 Personen etwas höher als im Vorjahr, man nähert sich also langsam dem «Ausverkauft» Schild. Ansonsten ist man natürlich froh ist das Wetter so weit gut, auch wenn im Vorfeld bei den Aufbauarbeiten es teilweise übel geschüttet hat und auch zusätzliche Parkfelder erschlossen werden mussten, weil die anderen unter Wasser standen. Shelter 666 ist kurzfristig abgesagt worden und der Veranstalter fand in dieser kurzen Zeit auch keinen Ersatz. Grossen Zuspruch erhält aber der Festivalmarkt von Lidl, was ich auch über die bereits vergangenen Tage mitgekriegt habe, da hat man einen richtig guten Partner gefunden. Die Frage nach einer nachhaltigeren Abfallentsorgung in und um Interlaken wird seitens Veranstalter nochmals geprüft und man sieht da auch gewisses Verbesserungspotential. Weiter spricht die Organisation ihren Dank an die Medien aus, die jeweils über das Festival im Vorfeld und im Nachgang berichten, dieser Dank wird gerne von uns angenommen und auch zurückgegeben.
Nun aber geht es ab zur Bühne, die Mission lautet ja immer noch, möglichst alle Bands auf der Speicherkarte der Kamera zu verewigen. Bei der Bühne angelangt, sieht man erneut eine Veränderung, eine die ich sogar als positiv erachte. Der Green Day typische «walk of shame» wurde installiert, was heisst, die Fotografen (und davon hat es nicht wenige) verteilen sich besser um diesen Anbau herum. Was ich dann aber nicht verstehe, dass es immer noch welche Koryphäen gibt aus unserer Zunft, die es nicht unterlassen können, ihre Go-Pro Sticks am Bühnenrand in die Höhe zu heben und sich den Unmut des Rests zu sichern. Genauso wie die Personen, die vor einem stehen, nur um ihre Kamera hoch über Kopf in die Höhe zu strecken und diese genauso prominent im Bild der restlichen Fotografen zu verewigen, diese sind teilweise dann auch noch beratungsresistent. Ja die Bühne ist hoch aber die Rücksicht auf die anderen sollte meiner Meinung nach immer noch Vorrang haben. So nun aber auf die Bühne, denn dort macht sich mit Paleface Swiss die erste Band bereit und ich staune schon einmal nicht schlecht über den Zuschauerauflauf. Da ist anscheinend schon eine ziemliche Fanbase erarbeitet worden.
Auf der kleinen Bühne stehen aktuell «Alchemists» in den Startlöchern, zumindest steht am Anfang Sänger Julen noch auf der Bühne. Die Spielfreude ist ihnen anzumerken und es geht nicht lange da steht Julen mitten im Infield und rund um ihn rum kreist der Circle Pit seine Runden. Kaum zu glauben, dass der Sänger, nach eigenen Aussagen ein eher schüchterner Typ ist und dann so auf Fan-Konfrontation geht. Der Bassist Yoann braucht auch ziemlich grosse Finger, den bei ihm müssen es nicht vier, auch nicht fünf, sondern sieben Saiten sein. Auch Gitarrist gibt sich nicht mit einer handelsüblichen sechssaitigen Gitarre zufrieden, es dürfen da auch gleich deren acht sein, um sich die Flitzefinger zum Modern Metal mit Progressivem Einschlag wund zu spielen. Der pro-Kopf Saiten Anteil ist also wahrscheinlich der höchste am Festival. Die Gewinner des Westschweizer Greenfield Contests zelebrieren also schon einmal einen mächtigen Abriss.
Ab der frühen Spielzeit von Feuerschwanz bin ich zwar schon ein wenig erstaunt. Die Band jedoch ist ein klarer Partygarant und zieht so natürlich schon zur frühen Festivalstunde einiges an Publikum vor die Bühne. Die Band hat sich in den letzten Jahren eine treue Fanschar erarbeitet und weiss auch wie auf der Bühne zu agieren. Sie nutzen den Walk of Shame auch ausgiebig. Bereits jetzt weiss ich es zu goutieren, dass Green Day diesen Bühnenausläufer nicht nur exklusiv für sich beansprucht und so machen ziemlich alle Bands ausgiebig davon Gebrauch, um auch etwas näher an die Fans zu kommen. Prinz R. Hodenherz III. erfüllt dann auch den Wunsch eines Fans in der ersten Reihe der brav sein Schild «sign my cap» entgegenhält, schnappt sich die Kappe und signiert sie. Man muss die Band nicht lehren, wie man mit Fans umzugehen hat. Auch wenn die einige Dialoge zu sehr den Eindruck nach einstudiert vermitteln, animieren sie die gesamte Meute zum Mitmachen. Man geht eben nicht einfach an eine Feuerschwanz Show, man ist Teil davon, genauso die beiden Miezen ein fester Bestandteil der Band sind und das Konzert mit Schwert, Schild, Feuer oder Flammenwerfer untermalen. Beim einstigen Sommerhit und Coversong Dragostea din tei ist die Party endgültig entflammt und eigentlich können sich Hodenherz und der Hauptmann da den Gesang sparen, dies übernimmt das Publikum.
Ein Highlight stellt für mich die nächste Band auf der Eiger Stage dar. Rave The Reqviem, eine Alternative Metal Band aus Schweden. Die Band läuft bei mir auch privat viel über die heimische Anlage und fasziniert mich mit ihren Melodien, pompösen Arrangements und dann wieder mit den harten Beats. Hat man neben dem Schlagzeug auch noch einen Percussionisten in der Band, der zudem für die harschen Gesangslinien zuständig ist und sich immer wieder an den Bühnenrand verirrt und auf mich wie Gollum / Smeagol wirkt. Dezent im Hintergrund eine opernhafte Backgroundsängerin die für akzentuierte Farbtupfer sorgt. Derweilen Bassist Petter Perseius unentwegt über die Bühne fegt. Im Mittelpunkt aber immer die vor vier Jahren zur Band gestossene Sängerin Jennie Nord. Ein grossartiger Auftritt wie ich finde.
Auf der grossen Bühne machen sich die Australier von Thy Art Is Murder breit. Für mich wirkt der Auftritt eher ziemlich statisch. Ich finde auch das Deathcore am Greenfield eher auf die Nebenbühne gehört und auch glaube die Band wäre dort besser aufgehoben gewesen. Klar der Moshpit hat hier ein grösseres Einzugsgebiet. Neuzugang Tyler Miller lieferte aber gut ab, nur mitreissen konnten sie mich nicht wirklich. So sind jedoch die Regeln eines Festivals. Nicht alles kann / muss mir gefallen
Montreal kommen nicht aus Kanada, sondern aus Hamburg. Der Namen vermag da ein wenig zu irritieren. Das Trio stellt gleich einmal am Anfang klar, dass die Hard Rock Fans wohl eher nicht auf ihren Geschmack kommen werden. Schliesslich ist deutscher Punk Rock angesagt, der unheimlich Spass macht. Gewürzt mit den witzigen Ansagen der Band, die so gut aufdatiert sind, dass sie sogar den Spielstand des EM-Spiels der Schweiz, welches parallel zur Show läuft durchgeben können. Dem Hinweis, dass auf der Hauptbühne jetzt dann eigentlich The Interrupters spielen werden, leiste ich folge und pilgere wieder ein paar hundert Meter zurück. Über die Festivaltage kommen so gemäss meinem Schrittzähler etwas mehr als 42km zustande, ich leiste also erneut meinen alljählichen Marathon über die gesamte Distanz wieder am Greenfield, zwar nicht in Rekordzeit, aber ich bin die gesamte Distanz gelaufen, schliesslich zählt der Wille.
The Interrupters sind der interessante Farbtupfer auf dem Festival, ein bisschen Punk, ein bisschen Rock und ein bisschen Ska. Vorgetragen durch die Familienbande Bivona verstärkt mit Sängerin Aimee Allen. Obwohl sie auch Metal spielen könnten, wie von der Bühne zu vernehmen ist, hat man sich dagegen entschieden. Ich weiss auch nicht, ob dies auch in der rohen Form passiert wäre. Die Band aus Los Angeles hat so einen polierten schnörkellosen Sound, dass ich ihnen den Metal eh nicht abgenommen hätte. Dass dann der Wind auch so günstig steht, um Seifenblasen auf die Bühne zu winden, passt dann irgendwie zur Musik. Nett und unaufdringlich aber immer sehr sympathisch. Irgendwie genau die richtige Art von Musik, um einmal ein wenig zur Ruhe zu kommen, um dann den Endspurt im Konzertreigen in Angriff zu nehmen.
Auf den nächsten Act auf der Eiger Stage bin ich besonders gespannt. Die zweite Band aus Japan in diesem Jahr. Diesmal aber eine Band die ihre Instrumente auch selber bedient und nicht nur zu einer einstudierten Choreographie auf der Bühne rumhüpft. Die All-Girl-Band Hanabie. spielt zum ersten Mal in der Schweiz und punktet bereits beim Stürmen der Bühne mit der Schweizer Fahne. Was aber danach kommt ist in Worten kaum widerzugeben. Ist es Cosplay oder Manga, ist es Metalcore oder J-Pop? Auf alle Fälle ist es voller Energie, ziemlich abgedreht und sehr eigen. Keine Soloeskapaden in den Songs und auch kaum erkennbare Songstrukturen. Okay den Refrain, wenn es den einen gibt, hätte ich eh nicht mitsingen können. Einerseits weil ich die Band zuvor noch nicht kannte, andererseits weil es eh japanisch gesungen wird. Was aber auch zu sagen ist, die Band zieht das Publikum vollends auf ihre Seite, vielleicht der Exotenbonus, aber sicher nicht nur. Ich habe über das gesamte Wochenende nie soviele Leute auf dieser Seite des Geländes gesehen wie bei den Girls aus Japan. Dabei spielen auf der Jungfrau Stage gerade die sehr gehypten Crosses. Und da verirre ich mich auch noch kurz hin, wir erinnern uns die Mission lautet alle Bands zu fotografieren. Aber nach zwei Songs bin ich da wieder weg. Zum einen verstehe ich den aktuellen Hype um das Duo nicht und andererseits bin ich nach zwei Songs esoterisch gereinigt nach der Räucherstäbchen Wolke, die mir ab der Bühne entgegenwehte. Also zwei Songs, was nicht reicht für ein objektives Urteil, dafür wieder Abmarsch zu den verrückten Japanerinnen. Da ich nachher keine Lust habe erneut vor die Jungfraubühne zu gehen, bleibe ich auf halbem Weg in den Mediencontainer hängen und setzte mich mal bei ein paar Kollegen hin, bevor es dann wieder zurück an die Eigerstage geht, also nichts mit Abstecher zum Mediencontainer.
Es bleibt voll vor der kleinen Bühne als die christlichen Underoath ihren Metalcore ins Publikum schmettern. Die Band aus Tampa hatte sich schon einmal aufgelöst ist nun aber seit 2015 wieder unterwegs, wenn auch von der Gründungsbesetzung nur noch Schlagzeuger Aaron Gillespie übriggeblieben ist. Sie zerlegen das sonst schon recht sumpfig gewordene und mit viel Stroh ausgestattete Infield in Schutt und Asche ohne Rücksicht auf Verluste. Ich denke da bereitet man das Publikum schon einmal darauf vor was noch kommen wird.
Auf der grossen Bühne stehen Kraftklub bereit. Da die Band mich noch nie richtig begeistern konnte, nutzte ich die Gelegenheit mich zu verpflegen. Ein objektives Urteil bleibt somit aus. Kriege aber noch mit wie sich die komplette Band ins Infield begibt, um inmitten der Fans zu spielen und sich dann teilweise wieder zurück zur Bühne tragen lässt.
Runter zur Nebenbühne, die letzte Band, die dort spielt, macht sich bereit und es ist niemand geringeres als die englische Metalcore Band Bury Tomorrow. Als einzige benutzen sie auf der Eiger Stage auch Pyros. Die Band zelebrierte einen regelrechten Abbriss, auch ohne Bassisten Davyd Winter-Bates, der aus gesundheitlichen Gründen heute fehlt. Die Security hat zum Abschluss hier so richtig was zu tun, um die Crowdsurfer abzufangen und rauszubegleiten und zwar schon ab Beginn der Show. Ich mache mich aber bereits auf den Weg zur Jungfrau Stage, denn es haben sich gefühlt alle auf die drei Tage verteilten 84’000 Nasen bereits vor der Bühne eingefunden, um den Abschluss des Greenfield Festivals mit Green Day zu feiern.
Ja, ich bin schon ganz schön glücklich den Fotopass für Green Day in den Händen zu halten. Bedeutet dies einerseits Mission «alle Bands» kann in diesem Jahr doch tatsächlich erfüllt werden. Andererseits habe ich hier und jetzt die Chance die aktuell grösste Punk Band vor der Linse zu haben, wie geil ist das denn. Und auf einmal wird vor dem Eingang in den Fotograben über Kameraeinstellungen diskutiert, welche die besten Fotos bringen sollen, was ganz Neues, zeigt aber, dass doch einige etwas nervös sind. Es bleiben schliesslich auch nur zwei Songs Zeit, um die besten Aufnahmen zu machen. Die Amerikaner machen es aber auch spannend, ein Intro jagt das Andere. Erst wird von der Menge lauthals Bohemian Rhapsody mitgesungen. Blitzkrieg Bop von den ehrwürdigen Ramones folgt und dann noch etwas Star Wars und nochmals Queen. Zum Glück zählen die Intros nicht zur zwei Song Regel, sonst wären wir hier schon wieder draussen, genau wie die Fotografen und Filmer, die sich versucht hatten in den Pit zu schmuggeln von der Security dann aber auch wieder rausbegleitet wurden. Endlich «The American Dream Is Killing Me» wird angespielt, danach gleich «Basket Case», die Party ist lanciert und das Infield so voll, wie ich es am Greenfield noch nie gesehen habe. Green Day holen alle auf den Platz und dies verdient. Die Band liefert ein Feuerwerk an Hits ab, am Schluss zieren 28 Songs!! die Setliste. Bis auf «Extraordinary Girl» wird das komplette American Idiot Album gespielt, welches dieses Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert, was für eine Geburtstagsparty. Bei «Know Your Enemy» darf ein Fan sogar mit auf die Bühne und feiert damit wohl den besten Tag seines Lebens. Etwas später versucht es dann ebenfalls jemand mit der Guerilla Taktik, überrascht die Security und schafft es tatsächlich Billy Joe, um den Hals zu fallen. Showmässig wird ebenfalls sehr dick aufgetragen, Pyros, Funkenregen, Luftschlangen, Konfettikanonen, alles ist dabei, auch die aufblasbare Faust und am Schluss dann auch noch ein Kampfjet der über dem Publikum ein paar Bomben abwirft. Was ich davon halte, lasse ich mal aussen vor. Die ist aber eher der Tatsache geschuldet, dass nicht nur American Idiot Geburtstag feiert, sondern auch die Platte Dookie. Diese wird heuer nämlich auch schon dreissig Jahre alt. Und auf eben diesem Plattencover ist dieser bombenabwerfende Flieger mit drauf. Green Day visualisiert also auch Plattenhüllen. Ich verbringe die Show mit bester Sicht im VIP-Bereich mit ein paar Fotografenkollegen und einem kleinen Zuckerschub in Form von Gummibärchen (Danke Plekvetica). Kann ein Festival geiler ausklingen als mit einer unglaublich gut funktionierenden Band wie Green Day, ich glaube kaum.
Damit ist das Greenfield Festival 2024 aber auch schon wieder Geschichte. Ein Festival, welches ich im Vorfeld von der Besetzung her als eher schwächer besetztes gutierte. Letzlich aber durch die durchwegs gute und friedliche Stimmung wieder zu einem Highlight werden liess. Ich habe auch wieder einige Bandentdeckungen gemacht die ich ohne dieses Festival wohl erst später oder gar nicht gemacht hätte. Die Bands waren alle topmotiviert, was bestimmt nicht nur an der einmaligen Szenerie und dem anscheinend sehr guten Catering liegt. Sie hatten irgendwie alle Bock auf Rock. Die nächste Ausgabe des Greenfield Festivals findet dann an gleicher Stelle vom 12.-14. Juni 2025 statt.