Als ich das erste Mal auf vor einigen Jahren am UrRock Music Festival Fury zum ersten Mal erlebte, war ich total begeistert. Da standen ein paar Briten auf der Bühne und liessen Hymne um Hymne vom Stapel. Angekommen im Jahre 2025, ein paar Auftritte später, sind Fury immer noch DIE Hausband des UrRocks, haben mir schon live ein Geburtstagsständchen von der Bühne gesungen, fanden Fotos von mir ins Booklet von „The Grand Prize“ und führten Gespräche über Gott und die Welt. Dabei sind sie immer noch die fassbaren, bodenständigen und sympathischen Musiker von nebenan geblieben. Nun steht mit „Interceptor“ ihr nächstes Album in den Regalen und ich mag es JJ, Becky, Tom, Tom und Nyah von Herzen gönnen mit Mighty Music ein Label gefunden zu haben, welches die Band weiterbringen kann und bestimmt auch wird.
Was bringt uns nun aber das Album. Kurz mit den Drumsticks eingezählt und es geht mit dem Titelsong gleich einmal richtig. Der auf dem Cover abgebildete Interceptor wird besungen. Da es sich um ein Sportwagen handelt, kann da natürlich auch nicht mit angezogener Handbremse agiert werden. Es geht gleich mächtig los. Fans von Fast & Furious werden das Auto im sechsten Teil erkannt haben. Ein starkes Twin-Guitar Riff nach dem fulminaten Solo gibt dem Song zusätzlich Schwung. Ein richtig starker Beginn.
Beim nächsten Song „What’s It Going To Be?“ übernimmt Nyah komplett den Leadgesang. Fans der Engländer kennen den Song natürlich schon, da er bereits vor ein paar Wochen mit Video als Appetithappen für das Album vorgestellt wurde. Eine grossartige Hymne mit einer tollen Nachricht, dass man für was man will kämpfen soll, da es sich mit genügend Fleiss auszahlen wird.
„On The Town“ ist zeitgleich mit der Veröffentlichung des Albums ebenfalls mit einem Video beehrt worden und bildet somit die vierte Auskopplung aus dem Album. Hier teilen sich die Julian und Nyah wieder die Gesangsparts und drücken möchtig aufs Gas. Mitten im Song darf auch Becky kurz glänzen und zeigen, weshalb sie zu den wohl besten Bassspieler gehört die ich kenne. Würde ich eine Allstar Band zusammen stellen, Becky wäre am Bass. Schaut sie euch einmal live an, was sie am Rickenbacher zeigt ist nicht nur 1/8 Noten über mehrer Takte zu zupfen. Die Nummer könnte live so richtig zünden und Ohrwurmqualitäten hat sie ebenfalls.
Vierter Song, vierter bekannter Titel. „Don’t Lie To Me“ ist ein Protestsong gegen die stetige Flut von falschen Informationen deren wir immer mehr ausgesetzt werden. Was mir hier besonders gefällt ist die Bridge vor dem Refrain. Dieses Gesangslinie die Nyah hier intoniert ist schlicht zum niederknien.
Mit „In Pursuit Of Destiny“ begeben wir und nun auf bisher noch ungehörtes Terrain. Und prompt schlägt der Song ganz andere Klänge an. Viel Raum für die Stimmen, schon fast Lagerfeuerromantik. Überleitung mit einem grossartigen Mitsingteil und ganz viel progressiven Einflüssen ohne aber den Fokus zu verlieren. In diese Nummer habe ich mich echt verliebt, was für ein grossartiger Song ist den Fünfen hier gelungen. Gelegentlich entdecke ich sogar ein paar Parallelen zu den grossartigen Fleetwood Mac.
In „Can’t Resist (Gimme What I Need) dreht sich alles um das Verlangen und der Anziehung zwischen den Geschlechtern aber auch dem Ausgeliefertsein. Musikalisch perfekt rübergebracht steigert der Song sich zunehmend. Zum Punkt als sie dem Typ klar sagt, dass sie in Ruhe gelassen werden möchte gipfelt der Song in einem Gitarrensolo, welches die Wut richtig gehend widerspiegelt. Ein perfektes musikalisches Rollenspiel, wie es nicht sein sollte. Wer diesen toxischen Text weglässt, bekommt einen grossartigen Song der richtig stampft, die Message aber sollte man sich echt zu Herzen nehmen.
Für mich ungewöhnte Töne schlagen Fury beim Folgesong „Walk Away“ an. Mit ganz viel Western und Country Attitüde könnte diese Ballade zum Blaze of Glory der dieses Jahrzehntes werden. Mittlerweile hat es mich gepackt und ich schaue mir auch die Texte etwas genauer an. Deshalb kam diese Plattenkritik nicht eher, da auf dem digitalen Vorabdownload ich leider die Texte nicht hatte. Fury jedoch haben mich soweit rumgekriegt, dass ich ihnen mittlerweile doch genau zuhöre. Klar ist es immer ein wenig Interpretationssache wenn ich die Worte anderer widergebe. Bei Walk Away spühre ich aber die innere Zerrissenheit etwas hinter sich zu lassen, jedoch die Unmöglichkeit es auch wirklich loslassen zu können.
„Look At Us Now“ kommt als treibender Rocksong der dank den typischen Fury Mitsingparts in Form von whoa-oa durchaus auch Stadioncharakter hat. Rhythmisch einfach geradeaus ohne Experimente. Textlich wieder positiver blickt man zurück was man geschafft hat, ist stolz auf die Gegenwart und zuversichtlich das auch die Zukunft zu schaffen ist. Eine eher klassische Rockhymne.
Der zweitletze Song „DTR“ läuft. DTR steht für Down To Rock und ist klassischer Party Rocker der sehr in der Tradition der 80er Jahre verwurzelt ist. Da schimmert durchaus etwas Glam Rock durch. Ein geiler Up-Tempo Song mit einem treibenden Gitarrenriff. Ich kann mir vorstellen, dass diese Song mit seiner Frage „are you down to rock“ live ziemlich zünden wird, zumal die Zuschauer hier ja auch klar eine Antwort geben können. Etwas schmunzeln musste ich bei der Textzeile „rock me all night long“. Da kam mir doch gleich der Song „rock me baby“ von Johnny Nash in den Sinn. Da gab es damals diverse Radiostationen, die Doppelmoral betrieben, oder einfach des englischen nicht mächtig waren. Da wurden Songs aufgrund des anzüglichen Textes nicht gespielt, aber dieser wurde rauf und runter geduddelt.
Mit „Undistilled“ kommt der längste Song am Schluss des Albums und zeigt noch einmal eine andere Facette auf. Das Tempo wird wieder rausgenommen und herausgekommen ist eine Wahnsinnsnummer, die ich so nie von Fury erwartet hätte. Beginnt der Song doch schön langsam und einem bluesigen Anstrich, wie es in den 80er Jahren Cinderella hingekriegt haben. Eine Reise durch Erinnerungen und Emotionen vollgepackt mit einer atmosphärischen Dichte. Der Song baut ähnlich einem November Rain auf. Nicht nur dies, er wühlt auch mich als Hörer auf wie es nur sehr selten vor kommt, was für ein Monster.
Noch etwas zur Produktion, die ist Fury auf den Leib geschneidert worden von Todd Campbell. Da hat sich die Tour mit Phil Campbell and the Bastard Sons ausbezahlt, dass man so mit Todd in Kontakt kam. Todd lässt in der Produktion allen Instrumenten richtig viel Raum. Dabei hat er aber nie ausser acht gelassen, dass es trotzdem laut und dreckig sein muss. Ich kann dieses Album uneingeschränkt einfach jedem Liebhaber von ehrlichem Rock empfehlen. Nehmt Euch Zeit dieses Album richtig zu hören, es gibt da soviel rauszuhören. Neben all den eingängigen Refrains und Riffs die zum Abrocken verleiten, packen Fury soviele Details mit rein, die dieses Album zu einem Erlebnis werden lässt und für mich zum heissen Anwärter für das Album des Jahres.