Das Album liegt nun auch schon seit einigen Wochen in digitaler Form auf meinem Rechner. Konzertgänger die jüngst an der kleinen Tour der schweizerisch-deutschen Kombo vor Ort waren, konnten das Album sogar lange vor Release käuflich erwerben. Nun kommt es diesen Freitag auch offiziell auf den Verkaufstisch und nachdem ich es nun ein paar Male durchgehört habe, gebe ich nun auch meinen persönlichen Senf dazu.
Das Album „Déjà Vu“ der Hergiswiler präsentiert sich als eine selbstbewusste Rückkehr zum melodischen Hard Rock mit klarer Verankerung in den 1980er-Jahre, in die Zeit in welcher meines Erachtens die beste Musik geschrieben wurde. Von Beginn an wird deutlich, dass die Band nicht versucht, aktuellen Trends hinterherzulaufen, sondern gezielt auf jene Elemente setzt, die das Genre einst groß gemacht haben: eingängige Hooklines, kraftvolle Gitarrenriffs und hymnische Refrains. (Obwohl 80er Sounds, generell wieder sehr beliebt sind). Gleichzeitig wirkt die Produktion modern und sauber, wodurch der Sound trotz seiner nostalgischen Ausrichtung zeitgemäß bleibt. Aufgenommen wurde das Album in dem renommierten Little Creek Studio unter der Aufsicht von V.O. Pulver. Produziert hat die ganze Sache Sänger Emmo gleich selbst. Fighter V haben bereits mit den letzten Album „Heart Of The Young“ einige Herausforderungen zu meistern gehabt. Auch diesmal war es nicht ganz leicht, das Besetzungskarrusell drehte sich erneut und mit Felix Commerell ist ein weiteres Gründungsmitglied ausgestiegen. Bleibt von der Ursprungsbesetzung also eigentlich nur noch Lucien Egloff übrig. Aufgrund Vaterfreuden, die er Ende letzten Jahres erleben durfte, war er aber auch auf der jüngsten Tour nicht am Start. Aber zurück zum Album, dem ersten Album für Frontiers Music, und apropos Gründungsmitglieder. Auch auf diesem Album konnte man den Ur-Sänger Dave Niederberger für die Mitarbeit bei Break Those Limits, Raging Heartbeat und Victory gewinnen.
Im Verlauf des Albums entfaltet sich eine gelungene, abwechslungsreiche Mischung aus melodischen Rocknummern und gefühlvolleren Stücken. Besonders auffällig ist das Gespür für eingängige Songstrukturen, die sich schnell im Ohr festsetzen, ohne dabei beliebig zu wirken. Einige Tracks stechen dabei klar hervor, da sie die Balance zwischen Dynamik und Emotionalität besonders gut treffen. Gerade in der zweiten Hälfte des Albums gewinnt „Déjà Vu“ zunehmend an Tiefe, wirkt geschlossener und zeigt die Stärken der Band in Songwriting und Arrangement deutlicher als zu Beginn.
Ein zentrales Element des Albums ist der Gesang, der einerseits durch Kraft und Charakter überzeugt, andererseits aber nicht immer ganz ausgewogen erscheint, etwas was ich bisher auch live bei Fighter V, gerade bei längeren Shows, feststellen konnte. Es scheint aber, dass Emmo seine Stimmlage, irgendwo zwischen David Coverdale und Paul Shortino, endgültig auch bei Fighter V gefunden hat. Die Stimme steht häufig sehr stark im Vordergrund und wird stellenweise fast überinszeniert, was den Gesamteindruck einzelner Songs etwas beeinträchtigen kann. Dennoch trägt der Gesang maßgeblich zur Identität der Band bei und verleiht den Songs eine unverwechselbare Note.
Instrumental überzeugt „Déjà Vu“ durch starkes Handwerk. Die Gitarrenarbeit von Lobe Valentin bewegt sich stilistisch sicher zwischen, klassischem Hard Rock und melodischem AOR. Während der Bass von Roman Stalder, das Schlagzeug von Lucien Egloff und die Produktion für ein druckvolles Fundament sorgen und die Keyboards für die sphärischen Teppiche zuständig sind. Ich würde sogar meinen, sie sind heute mehr dem AOR als dem Hard Rock zuzuordnen. Um es auch wieder mit Vergleichen auszudrücken, mehr Journey und Foreigner als Bon Jovi oder Europe. Fighter V sind in meinen Ohren erwachsen geworden, dadurch insgesamt vielleicht auch etwas ruhiger und besonnener.
Insgesamt ist „Déjà Vu“ von Fighter V kein „Déjà Entendu“ Album, das seine Stärken auszuspielen vermag. Es ist sicher kein bahnbrechendes Werk, sondern eher eine Hommage an eine prägende Ära der Rockmusik und genau darin liegt seine Qualität. Für Fans des Genres bietet es eine überzeugende Mischung aus Nostalgie und frischer Umsetzung. Trotz kleiner Schwächen, insbesondere im Bereich der gesanglichen Balance, hinterlässt das Album einen positiven Gesamteindruck und unterstreicht das Potenzial von Fighter V als feste Größe in der Rockszene und erhoffe mir schwer für die Jungs, dass sie neue Märkte zu erschliessen vermögen. Mein Lieblingssong auf dem Album ist klar Break Those Limits. Wieso eigentlich höre ich bei jedem Song raus, ob da Dave mitgeschrieben hat?