Es war etwas besonderes letzten Freitag Abend. Da wurde ich und rund 20 weitere Personen, spontan von der Schwyzer Coverband Dirty Hotline in den Proberaum eingeladen. Da ich eigentlich zu Hause aktuell genug um die Ohren habe, wollte ich erst gar nicht hingehen. Auch weil ich Dirty Hotline in der Zeit vor Corona doch schon einige Male gesehen habe. Aber wie es so kommt, habe ich mich kurzfristig dazu entschlossen der Einladung doch noch Folge zu leisten. Auch weil ich mir dachte die Band stellt den neuen Mann an der Gitarre vor, nachdem Kevin die Band nach einem kurzen Gastspiel und einigen Aufnahmen wieder verlassen hatte. Was folgte war ein absolut genialer Abend unter Freunden mit guter Musik der die Normalität wieder ein gutes Stück näher rücken liess. Zudem befindet sich der Proberaum auch keine 10 Minuten von mir entfernt.

Aber alleine diese 10 Minuten der Anreise hatten es sich schon in sich. Kurz vor dem Ziel sah ich zwei Mofa Fahrer die an ihrem Zweirad rumschraubten. Habe mir dabei auch nichts weiter gedacht und bin natürlich erst einmal vorbei gefahren. Ein Blick in den Rückspiegel liess mich dann umkehren, als ich winkend meinen Fotografen Kollegen Ivan sah. Am Ort stellte sich heraus, dass auch Pam vom Metalinside der zweite Fahrer war. Ein Benzinschlauch hatte sich gelöst und liess sich nicht mehr befestigen. Hier zeigte sich dann für was die Corona Gesichtsmasken alles gut sind und im Handumdrehen war die Maschine dann geflickt. Am Ziel angekommen fuhren dann Ivan und Pam in bester Rob Halford Manier auch gleich in den Proberaum vor die Bühne.

Ich kenne die Jungs von Dirty Hotline ja nun doch schon eine ganze Weile. Mit Luca, dem Bassisten, habe ich sogar schon in einer Band gespielt. Aber vom neuen fünften Mann keine Spur. Luca erklärte mir dann die Situation. Die Band hat entschieden zu viert weiterzumachen. Das imaginäre fünfte Mitglied soll fortan vom Sampler ersetzt werden. Eine Aufgabe die eine Band natürlich erst zu meistern hat und nur mit absoluter Perfektion im Zusammenspiel bewerkstelligt werden kann. Aber ist nun auch so, dass Urs, der Quotenschweizer der Band, nun auch zusätzlich die Samples laufen lassen darf. Ich denke so hatte dieser Proberaum Gig, der übrigens zwei komplette Sets von über zwei Stunden Spielzeit hatte, auch ein Test war, wie funktioniert es in einer Livesituation. Die Band gut gelaunt wie immer vor einem Publikum aus lauter Freunden, die vollumfänglich auf Kosten der Band auch nicht zu knapp verpflegt wurde. Kann da was schief gehen? Nein kann es nicht, schliesslich kennt man sich. Trotzdem schenkte sich die Band nichts, und spielte ihr Set bestehend aus Klassikern der Rockgeschichte gekonnt runter. Dirty Hotline ist in der letzten Zeit extrem gewachsen, nahe der Perfektion, jeder Ton sitzt. Von Luca weiss ich aus meiner Bandzeit mit ihm, ist ein Perfektionist, egal welches Instrument er spielt und kann sie eigentlich alle. Neu singt er jetzt sogar auch die Backing Vocals. Urs funktioniert wie ein gut geschmiertes Schweizer Uhrwerk. Dome hext über die Saiten, egal ob Tapping, Powerchords oder was auch immer. Er hat sein Spiel komplett neu ausrichten müssen, nachdem der zweite Gitarrist weggefallen ist. Rafi der Sänger, besitzt eine Ausbildung, die ihn sogar Nessum Dorma singen lässt. Klar macht ein zweiter Gitarrist etwas her und wenn ich etwas vermissen würde, dann die Tatsache, dass Dome bei Livin’ On A Prayer jetzt auf die Talkbox verzichtet und nun die rockige Variante wählt. Aber dies ist natürlich nur meine Meinung. Die Songauswahl ist gut und ich empfehle jedem Veranstalter, der auch mal ein Coverband auf die Bühne bringen will, die Band zu verpflichten. Stimmung ist garantiert.

by Daniel Betschart

Beim zweiten Set habe ich dann meine Kamera zur Seite gelegt und mich mehr mit den Anwesenden unterhalten. Die Proberaumnachbarn von Unforced Five waren ebenfalls anwesend und natürlich gab es auch da einen Schwatz. Auch von dieser noch jungen Band kommen demnächst Neuigkeiten auf die man gespannt sein darf. Eine nette Geschichte die mit meiner musikalischen Vergangenheit gab es dann auch noch. Ich habe meine musikalische Karriere mit einer Band namens Die Bergsteigenden Milchkühe begonnen, was aber auch schon 30 Jahre her ist. Dabei spielten wir einmal im Werkhof in Schwyz vor ausverkaufter Halle. War zu diesem Zeitpunkt übrigens bis auf ein legendäres Weihnachtsmusical der Band Nameless die einzige Show, welche das Sold-Out Schild hinstellen konnte. Der Besucherrekord sollte noch Jahre anhalten. Wir hatten damals zwei Vorgruppen. Die eine war Headless, damals als die jüngste Rockband der Schweiz angepriesen. Sie stahlen uns allen die Show und in dieser Band spielte Ralph Zünd, der heutige Inhaber des 2Inch Records. Hier haben Dirty Hotline ihre auf Spotify zu hörenden Songs aufgenommen. Die ander Band hiess HPD. Sie hatten genau ein Konzert und lösten sich danach wieder auf, quasi auf dem Höhepunkt der Karriere. Und wie ich völlig nicht mehr wusste, spielte eben bei HPD Pam vom Metalinside ebenfalls die Bassgitarre. Diese Geschichte und einige andere, verbunden mit einer geil aufspielenden Band machten den Abend zu einem Highlight in dieser doch trostlosen Coronazeit. Danke Dirty Hotline