Das Greenfield Festival 2026 wirft seine langen Schatten über die Berner Alpen und verspricht vom 11. bis 13. Juni eine Rückkehr zu den Wurzeln des Rock und Metal, während es gleichzeitig die Zeichen der Zeit erkennt. An der Spitze des Line-ups stehen Sabaton, die sich in einer spannenden Übergangsphase befinden. Wer die Schweden kennt, weiß um ihre Liebe zum martialischen Spektakel, doch auf der aktuellen Tour verzichten sie überraschenderweise auf ihren ikonischen Panzer als Schlagzeug-Podest.

Stattdessen setzen sie auf eine hochmoderne, fast schon museale Bühneninszenierung, die die Geschichten hinter den Songs noch tiefer beleuchtet und zeigt, dass die Band auch ohne schwere Kettenfahrzeuge die volle Wucht des Heavy Metals entfesseln kann. Ich bin gespannt wie sie ihre legendäre Show aus dem Hallenstadion auf einen Open Air inszenieren. Flankiert werden sie von Volbeat, die nach einer kreativen Pause mit frischer Energie und ihrem unverwechselbaren Mix aus Rockabilly-Charme und metallischer Härte nach Interlaken zurückkehren, um den Flugplatz in eine riesige Tanzfläche zu verwandeln.

Besonders emotional wird es beim Auftritt von Three Days Grace, da die Reunion mit Original-Sänger Adam Gontier eine nostalgische Welle auslöst, die perfekt mit der zeitlosen Klasse von Alter Bridge harmoniert. Während Myles Kennedy und Mark Tremonti bei Alter Bridge für musikalische Perfektion und stadiontaugliche Hymnen sorgen, bringen A Day To Remember die nötige Portion jugendlicher Rebellion mit. Sie beweisen 2026 einmal mehr, dass Pop-Punk-Melodien und knallharte Breakdowns nirgendwo so gut zusammenpassen wie auf der Hauptbühne des Greenfield. Kontrastiert wird diese Spielfreude durch die cineastische Grausamkeit von Ice Nine Kills, die ihre Horror-Thematik mittlerweile auf ein Level gehoben haben, das eher an eine Broadway-Produktion des Schreckens als an ein klassisches Konzert erinnert.

Das Mittelfeld des Festivals zeigt sich so divers wie selten zuvor. All Time Low sorgen für die sommerlichen Hymnen, während Bloodywood mit ihrem indischen Folk-Metal den Beweis antreten, dass Heavy Metal eine Weltsprache ist, die keine Grenzen kennt. Die Hardcore-Fraktion wird durch die rohe Gewalt von Lionheart und die düstere Präzision von thrown bedient, wobei letztere als die aktuellen Trendsetter des minimalistischen Nu-Metalcore gelten. Wer es etwas klassischer mag, darf sich auf die Punk-Legenden von Lagwagon oder die energiegeladenen Shows von Itchy freuen, die ebenso wie die Samurai-Metaller von Rise Of The Northstar für absolute Eskalation im Moshpit bekannt sind. Auch The Hardkiss aus der Ukraine setzen mit ihrem modernen Alternative Rock ein starkes Zeichen auf der Bühne.

Abgerundet wird das gewaltige Programm durch eine Riege an Newcomern und atmosphärischen Geheimtipps, die das Festival-Erlebnis komplettieren. Unpeople und Aurorawave repräsentieren den modernen Geist des Alternative Rock, während Save Your Last Breath und Moment Of Madness für die nötige Härte in den frühen Nachmittagsstunden sorgen. In den tieferen Schichten des Line-ups finden sich zudem Cevret und die atmosphärischen Klänge von De l’Abime Nait l’Aube, die einen fast schon meditativen Kontrapunkt zur brachialen Gewalt des restlichen Wochenendes bilden, bevor Xoxo mit ihrer frischen Art noch einmal für einen modernen Akzent sorgen. Das Greenfield 2026 wird somit zu einem Schmelztiegel der Stile, der zwischen Bergidyll und High-Tech-Show alles bietet, was das Herz eines Rockfans begehrt.