Fast ein Jahr ist es her, seit ich das letzte Mal auf einem Konzert war. Relativ kurzentschlossen habe ich mich dann entschieden diesem Umstand ein Ende zu bereiten. Nicht zuletzt auch angespornt durch die letzte Videoveröffentlichung von Black Diamonds, die mir wieder visualisiert hat, wie geil doch die letzte Platte No-Tell Motel geworden ist. Aber auch der Umstand, dass King Zebra am Konzerttag die Veröffentlichung ihrer neuen Platte anstehen hatten, liessen mich dazu bewegen ins Kulturwerk 118 nach Sursee zu pilgern. Auf dem Konzertflyer waren zudem noch die mir bisher nicht bekannten El Pistolero vermerkt, Labelkollegen von Black Diamonds. Überraschend kamen mit D’Or aus Luzern kurzerhand noch ein weiterer Liveact aufs Billing. Einem kurzweiligen Konzertabend stand also nichts im Wege und mit vier Bands für unschlagbar günstige CHF 30.- Eintritt, wo kriegt man das schon geboten.

D’OR

D’OR feierte an diesem Abend Konzertpremiere, dabei sind die einzelnen Mitglieder längst keine Unbekannten mehr in der Schweizer Rockszene. Man nehme Mortal Factor und Kissin’ Black, mischt beides zusammen und schon hat man die neue Band D’OR. Dabei unterscheidet sie sich doch erheblich von den beiden genannten. Denn mit Thrash Metal im Stil von Mortal Factor und dem Dark Rock von Kissin’ Black hat beides nicht wirklich viel zu tun. Was uns hier um die Ohren geschlagen wird, ist astreiner Heavy Metal ohne Firlefanz mit etwas Punk Attitüde. Wenn man es nicht wüsste, käme kaum einer auf die Idee, dass dies das erste Konzerte der Band ist. Da die Instrumentalfraktion schon länger zusammenspielt ist dies ja auch kein Wunder. Als zum Schluss dann noch Skid Row’s Youth Gone Wild angestimmt wird, schlägt mein Herz sowieso ein paar Takte schneller und die Nummer passt hervorragend zu D’OR. Ein guter Einstieg in einen langersehnten Rockabend, den die Vier von D’OR geboten haben.

Setlist D’OR

  1. Veni Vidi Ignis
  2. One Way To Rock
  3. Scream
  4. Future Baby
  5. Kick Ass
  6. Jack In The Box
  7. Handful Of Pain
  8. Rage Unbound
  9. Youth Gone Wild

El Pistolero

Nach kurzer Umbbaupause entern die Labelkollegen von Black Diamonds die Bühne. Mir waren El Pistolero bisher gänzlich unbekannt und so liess ich mich gerne überraschen was mich den nun erwartet. Die Knarren aus den Holstern gezogen legt die Band aus Mannheim auch gleich ordentlich los. Frontmann Alex freut sich ausserordentlich in der Schweiz zu spielen, da in Deutschland die Richtlinien für Konzerte doch noch ein wenig anders sind, mit Sitzpflicht, Masken usw. Danke der Zertifikationspflicht fallen von den Restriktionen in der Schweiz vieles weg und man kann Konzerte eigentlich wieder geniessen, wie es bis Ende 2019 möglich war. Gegründet wurde die Truppe 2012, musste im letzten Jahr doch einige personelle Wechsel ertragen. Alex ist seit Mai 2020 dabei und ich kann mir nicht vorstellen wie die Band mit einem anderen Shouter zuvor geklungen hat, denn er passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge zum Sound der Band, der irgendwo zwischen Motörhead und AC/DC anzusiedeln ist. Auch der erst im November 2020 neu verpflichtet Gitarrist hatte ein kurzes Gastspiel und wurde erst gerade vor knapp einem Monat durch Marcel Enzmann ersetzt. Marcel feierte auch am Konzertabend erst seinen 22. Geburtstag, welches auch mit einer Torte gefeiert wurde. Er hat für die kurze Einarbeitung bei El Pistolero einen hervorragenden Job gemacht und ist ganz klar als Aktivposten ein richtiger Gewinn für die Band, selbstsicher und souverän. Der Ruhepol in der Band ist Bassist Olli, zusammen mit Schlagzeuger Andy sichert dieses für die Musikrichtung doch so wichtige Fundament. Einziger Kritikpunkt, der mir beim Sichten der Fotos aufgefallen ist, J.C und Olli zaubert doch hin und wieder ein Lächeln auf euer Gesicht. Ansonsten ein astreiner Kick Ass Gig der Fünf aus Mannheim, an dem nicht nur ich meinen Gefallen gefunden habe. Ich kann mir vorstellen, dass wenn das Line-up jetzt noch über längere Zeit beständig ist, El Pistolero live wie eine Walze die Clubs niederreisen werden.

Setlist El Pistolero

  1. Down Under
  2. Desert Road
  3. El Pistolero
  4. Seeds Of Evil
  5. Sticky Fingers
  6. Still Riding
  7. Liquor & Tits
  8. Painkillers
  9. Stormbringer
  10. Fear The Reaper

King Zebra

Seit ein paar Jahren konnten King Zebra sowas wie den Glückstreffer landen. Genau als solches seh ich es an, dass sich die Jungs Eric St. Michaels in ihre Reihen holen konnte. Es gibt in der Schweiz nicht viele echte Rocksänger die so abliefern können wie es eben ein Eric St. Michaels kann. Erst gar nicht für diese Tour vergesehen, sprangen sie für Maverick ein, die leider verhindert waren. Aber King Zebra war mehr als nur ein adequater Ersatz. Gleich mit der ersten Nummer Be The Hunter legte die Zürcher Band los als gebe es kein Morgen. Ins Setlist haben sich ausnahmslos Songs geschlichen, bei welchen auch Eric die Hände im Spiel hatte. Dabei wurde auch gleich das komplette neue Album Survivors auf der Bühne präsentiert. Was durchaus ein Risiko war. Denn das Album kannte wohl noch kaum Einer, erschien es doch genau am Konzerttag. Aber um es vorwegzunehmen, dass Material zündet live noch mehr als auf Tonträger. Die Zebras waren in Topform und jagten über die Bühne als wäre ein Rudel Löwen hinter ihnen her. Allen voran Bassist Manu Judge, der steht keine Minute still. An Energie ist diese Performance nicht zu überbieten und ich empfehle einem jeden eine King Zebra Show. Dies wirkte sich auch auf das Publikum aus, da wurde getanzt, mitgesungen und jeder Ton aufgesogen. Nicht das es eng wurde vor der Bühne, dies lassen die Bestimmungen noch nicht zu, aber die Halle war bestens gefüllt. Zum Schluss setzte die Band dann mit der Hymen Rockin’ In A Free World noch einen drauf. Ich habe den Song noch selten, vielleicht sogar noch nie, in einer besseren, in seiner Art rauen Version gehört. Hammer Auftritt und unbedingt weiter zu empfehlen. Sie spielen in nächster Zeit noch einige Male, zum Beispiel an der Swiss Rock Cruise oder dann zu ihrer eigenen CD-Taufe am 23. Oktober in der Hafenkneipe in Zürich.

Setlist King Zebra

  1. Intro
  2. Be The Hunter
  3. Hot Cop Lady
  4. She Don’t Like My Rock’N’Roll
  5. King Zebra
  6. That’s What I Like
  7. We’re The Survivors
  8. Rush
  9. Wall Of Confusion
  10. On The Run
  11. Under Destruction
  12. We Are One
  13. Firewalker
  14. Desperate
  15. Rockin’ In A Free World

Black Diamonds

Die Rheintaler hatten mit dem Auftritt ihres Co-Headliners mächtig was vorgelegt bekommen. Nach einer kurzen Umbaupause wurde das Licht dann wieder dunkel und das Intro ging los. Leider haben dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht viele mitbekommen und weilten zur Rauchpause oder zu Gesprächen noch draussen oder an der Bar. Aber als dann die ersten Fetzen von No-Tell Hotel das PA verliessen wurde auch das Kulturwerk 118 wieder voller. Das gleichnamige Album welche Black Diamonds anfangs Jahr veröffentlichten ist ein heisser Anwärter für das Schweizer Rockalbum des Jahres. Das nicht nur ich so denke dürften all die Käufer, die das Album auf Platz drei der Schweizer Hitparade hievten, wohl ebenfalls tun. Black Diamonds haben den Luxus, gleich zwei hervorragende Stimmen, in ihren Reihen zu haben. So konnten sich Mich auch mal vom Mikro losreissen und auf den Podesten rumtoben, während Andi dann die Gesangsparts übernahm. Natürlich musste man auch Neuzugang Chris vorstellen, der die Band hervorragende komplettiert und ziemlich was auf den Saiten hat. Bei der Spassnummer Outlaw, kamen dann passend zum Countrystil auch noch ein paar Steckenpferde auf die Bühne geritten. Leider gab es dann auch noch einen technischen Defekt mit Mich’s Klampfe. Schlagzeuger Manu reagierte aber genau goldrichtig. Ich bin ja überhaupt kein Fan von Schlagzeugsolos, aber hier war es angebracht. Zudem konnte Manu einmal zeigen was er drauf hat, was mich zwar noch nicht zum Fan von Solos macht, aber wie gesagt, dass war hier genau die richtige Entscheidung einer genial aufeinander abgestimmten Band. Was dann leider nicht so ganz geklappt hat, war wohl der Schluss. Wie oft üblich wird zum Abschluss einer Tour auch mal mit den Vorbands rumgealbert. So auch bei Black Diamonds und dazu gibt es keinen besseren Song als We Want To Party. Danach verschwand die Band dann mal kurz. Da wohl alle Anwesenden gedacht haben, da ja schon alle Bands und Musiker auf der Bühne waren, dass wars, blieben auch die Zugaberufe ein wenig verhalten zurück. Erst als die Band dann wieder auf der Bühne erschien und erklärte, dass Andi gerne noch Reaching For The Stars spielen möchte, war das Echo natürlich gross. Wäre auch schade gewesen, wenn diese grossartige Nummer nicht gespielt worden wäre. Ein Blick auf die handgeschriebene Setlist zeigte mir aber, dass Reaching gar nicht auf der Setlist stand. Na dann, nochmal Glück gehabt. Aber der Schluss sollte definitiv noch ein wenig umgestaltet werden, dass war nicht glücklich. Der Stimmung tat es keinen Abbruch und alles in allem war es ein grandioser Auftritt.

Ein gelungener Konzertabend ging zu Ende. Vier Bands in Topform, in allerbester Spiellaune. Was wünscht das Herz mehr. Mein Danke noch an das Kulturwerk 118 für die Toporganisation eines Events in einer Zeit, in der nicht immer alles so läuft wie es schon mal üblich war. War nicht das letzte Mal, dass ich bei euch war.

Setlist Black Diamonds

  1. No-Tell Hotel
  2. Evil Twin
  3. I’ll Be OK
  4. Turn To Dust
  5. Forever Wild
  6. Out In The Fields
  7. Anytime
  8. My Fate
  9. Outlaw
  10. Pieces Of A Broken Dream
  11. Thrillride
  12. Rainbow In The Dark
  13. Lonesome Road
  14. We Want To Party
  15. Reaching For The Stars
  16. Hands Of Destiny