Gerade einmal eine Woche nachdem ich bereits im Z7 auf dem Konzert von Kim Wilde war, bin ich wieder im besten Konzerttempel der Schweiz. Wenn er noch etwas näher bei meinem Wohnort wäre, würde ich wohl noch öfter hier sein. Vor einer Woche gab es einen Nostalgietrip zurück in meine Jugendzeit der Pop-Rock Ikone heute hingegen steht das Kontrastprogramm auf dem Plan. Obwohl alle drei heute aufspielende Bands Strukturen der glorreichen 80er Jahre in ihrer Musik einbringen, ist es wohl eher als zeitloser Power Metal. Zudem ist das Z7 wie bereits bei Kim Wilde restlos ausverkauft. Einer geilen Party steht also definitiv nichts im Wege. Dies merke ich, heute wieder mit Sohnemann und Ehefrau angereist, bereits als wir pünktlich um 18:00 in der Schlange vor dem Einlass stehen. Heute will wohl jeder möglichst früh hier sein, um sich einen guten Platz zu sichern.

Für meine beiden Konzertbegleiter ist es zudem wichtig, gerade bei der ersten Band, Majestica, so weit vorne wie möglich zu sein. Der ehemalige Sabaton Gitarrist geniesst in unserem Haushalt einen sehr hohen Stellenwert. Sei es mit seiner wieder richtig aktiven Band als auch sein empfehlenswerte YouTube-Kanal, wo er in recht hoher Kadenz immer wieder die wildesten Songs, sei es ein Italoschunkler wie Sarà perché ti amo oder wie jüngst auf deutsch einen Weihnachtsklassiker, neu interpretiert. Tommy stand im Sommer mit Majestica bereits am Summerside auf der Bühne, aufgrund privater Termine waren wir aber just mit den Schlussakkorden erst auf dem Parkplatz, so ist es auch mein Livedebut der Jungs aus Schweden. Sie legen auch gleich mit dem Titelsong des aktuellen (grossartigen) Album, Power Train, los. Im Fotograben herrscht erst jedoch ein kollektives Staunen. Sind hier einige recht hohe Bühnenaufbauten hinter Tücher an der Front positioniert, die die Sicht doch recht eingrenzen. In der Mitte stehend sieht man nicht viel mehr als den Kopf, so bleibt auch dieser Bereich recht leer. Aber solchen Herausforderungen stellt man sich und nachfolgend gibt es auch ein paar Bilder zu bestaunen. Leider umfasst das mit einer halben Stunde knapp bemessene Set, nur gerade sechs Lieder. Ich hätte hier gerne noch eine ganze Weile zugehört und zugeschaut, als ich mich nach erledigtem Fotografieren der ersten drei Songs vorne rechts an die Abschrankung gekämpft habe. Tommy erklärt noch den besonderen Stellenwert des Z7 in seiner Vita. So hat er hier vor 8 Jahren seinen 30. Geburtstag gefeiert, was anscheinend bleibend in seiner Erinnerung geblieben ist.

Die anschliessende Umbaupause gestaltet sich angenehm kurz, auch weil die Schlagzeuger von Majestica und der nachfolgenden Dominum sich ihr Arbeitsgerät teilen. Was bleibt ist jedoch immer noch die verdeckten Aufbauten an der Front. Was sich jedoch ändert, die Akteure der Walking Dead Zombie Rocker benutzen doch sehr häufig die sich dahinter befindlichen Podeste. So gibt es ein bisschen mehr zu Gesicht. Ich habe Dominum im Sommer schon auf dem Rock The Lakes gesehen und sie haben mich da wenig begeistert. Heute ist es anders, irgendwie scheint mir die kleine Bühne passender. Auch kommt der Sound viel besser zu Geltung, was bei einem Open Air natürlich immer ein bisschen schwieriger ist. Generell kann gesagt werden, heute gibt es wieder Z7 standardmässig, einen Hammersound, zumindest da, wo ich mich jeweils aufhalte. Was mit aber immer noch nicht schlüssig ist, wieso nimmt man die unsägliche Coverversion «Rock You Like A Hurricane» ins Programm. Mit zwei Alben im Gepäck sollte man 45 Minuten auch mit eigenem Material ausfüllen können. Das Publikum geht aber ganz schön steil, dabei braucht es nicht einmal die grossen Animationsversuche von Dr. Dead. Es reicht die höchst melodiösen Ohrwürmer der Band. Da sammelt sich hinter dem Trommelfell ein ganzer Zoo an und ich erwische mich auch später noch immer wieder die eine oder andere Melodie zu summen. Also ganz anders als noch im Sommer, obwohl das Songmaterial plus/minus das Gleiche beinhaltete. Heute penetriert es das Gehör wohl einfach mehr und vermag sich festzusetzen. So gesehen, haben sie, was von mir bezweifelt wurde, den richtigen Platz im Billing. Jetzt einfach noch ein paar kleinere Bühnen rocken und dann kommt es auch auf den Grossen gut.

Nach der nächsten etwas längeren Umbaupause ist es nun aber Zeit für das Biest aus Finnland. Battle Beast sind als Headliner angekündigt und kommen mit der aktuellen Platte Steelbound im Gepäck nach Pratteln in die Konzertfabrik Z7. Das Album hat mich jedoch nicht wirklich aus den Socken gehauen. Bereits mit dem Vorgänger Circus Of Doom hatte ich Anfreundungsschwierigkeiten. Die beiden Alben machen jedoch, was natürlich klar war, die Mehrheit der Setliste aus. Ganze sieben Songs des aktuellen Albums und vier vom Vorgänger wird man heute hören. Bei insgesamt 16 Songs bleibt dann nicht mehr viel Spielraum für die «alten» Songs der Marke Let It Roar, Black Ninja oder Familiar Hell. Jetzt habe ich aber schon viel vorweggenommen. Natürlich wird die musikalische und kompositorische Entwicklung der Band gutgeheissen und so soll es auch sein. Zu Beginn des Konzertes weiss ich ja noch nicht wie sich diese neuen Songs ins Gefüge passen. Los geht es aber erst mit einem «alten» Song. Straight To The Heart wir als Eröffner platziert und geht wirklich direkt ins Herz. Der Tarif wird gleich einmal bekanntgegeben. Heute gibt es einen Power Metal Abend mit einer Band in bester Spiellaune und einer Noora in absoluter stimmlicher Hochform. Dabei präsentiert sich die hochsympathische Sängerin in einem Kleid, oder Kostüm, je nachdem wie man es betiteln möchte, bei dem ich mich öfters frage, wie kann man sich darin bewegen, geschweige den solche Töne aus dem Zwerchfell locken. Noora schafft es jedoch mit einer unglaublichen Lockerheit, eine Power in die durch den Bernoulli-Effekt in Schwingung gesetzte plica vocalis zu legen, welche bis zuhinterst in die prall gefüllte Konzerthalle ballert. Sie beweist einmal mehr, weshalb sie zu den besten Power Metal Sängerinnen gehört. Natürlich bleibt die Beweglichkeit in diesem Korsett etwas eingeschränkt und sie powert auch nicht mehr so über die Bühne wie früher, als es kaum möglich war, sie auf einem Foto festzuhalten. Dafür zeigt sie eine starke Präsenz auf dem Podest hinter den, immer noch hohen, Bühnenaufbauten, die nun nicht mehr verhüllt sind. Überhaupt hat die komplette Band einen ausgeprägten Vorwärtsdrang und lässt sie kollektiv am vorderen Bühnenrand positionieren. Natürlich mit Ausnahme des Schlagzeuger Pyry der sein Gewitter aus der zweiten erhobenen Reihe loslässt. Die Ansagen teilen sich Noora und Bassist Eero unter sich auf. Das Bier trinkt Eero dann jedoch allein. Dies führt aber leider zu den von Sabaton ins Leben gerufenen «noch ein Bier» Parolen. Ich hoffe echt, dies greift nicht noch mehr um sich. Ich bin da der Meinung, dies ist eine mittlerweile ausgeleierte Geschichte. Eero leert die Büchse jedoch im Nu, bevor es wieder ans Eingemachte geht. Schliesslich will ich Musik hören und keinen Trinkspielchen beiwohnen. Die neuen Songs passen hervorragend ins Set, da entschwinden auch meine anfänglich beschriebenen Befürchtungen. Live kann ich mich damit also definitiv besser anfreunden als auf Konserve. Da wird die Band in Zukunft Luxusprobleme bekommen, um eine Setliste zusammen zu stellen. Nicht ein einziges Mal gerät man in Gefahr ins Mittelmass abzurutschen, hier wird Power Metal der allerhöchsten Güte abgeliefert von einer Band in Höchstform. Eden beendet das reguläre Set und setzt nochmals einen drauf als Noora mit dem Publikum ihr Mitsingspielchen macht, aber der stimmlichen Urgewalt kann Keiner folgen. Beim Zugabenteil mache ich mit Frau und Sohnemann jedoch schon einmal auf den Heimweg. Da Battle Beast jedes Konzert im Livestream auf YouTube überträgt und auch im Nachgang zu sehen ist, kann ich mir diesen Teil dann noch später zu Hause, im nicht ganz so prall gefüllten Wohnzimmer ansehen.

Final kann ich festhalten, es standen heute drei hochmotivierte Bands auf der Bühne die einen Power Metal Abend der Extraklasse servierten. Zudem ist mir aufgefallen, dass der Headliner sogar ohne eine einzige Ballade ausgekommen ist. Damit das Level durchgehend hochgehalten haben und kaum Zeit zum Durchatmen gelassen haben. Und beim Schreiben dieser Zeilen höre ich mir sogar, dass neue Album Steelbound nochmals an, was sich jetzt ganz anders anhört als noch kurz davor.