Während ich nun hinter diesen Zeilen sitze und überlege wie ich die Show von gestern umschreiben soll, spielt Avantasia gerade die zweite Show im erneut ausverkauften Z7 in Pratteln. Es ist ein wahrlicher Triumphzug den Tobias Sammet mit seiner Star Crew zur Zeit auf die Bühne bringt. Egal wo, egal in welchem Land die Shows scheinen alle ausverkauft zu sein, oder kurz davor. Was als reines Projekt auf Platte geplant war ist nun schon um x-ten Mal auf einer Welttour, und zum ersten Mal hat Tobi nicht gesagt, es sei das letzte Mal, nein er hat auf der Bühne sogar Anlass zur Hoffnung gegeben, dass es irgendwann wieder einmal Avantasia live geben wird. Grosses war angekündigt, mehr als drei Stunden will Tobias Sammet seine Mitmusiker auf der halten, was natürlich wie schon in vorangegangenen Tourneen keinen Platz für eine Vorgruppe gibt. Und das lob ich mir, weil so sind wirklich alle wegen Avantasia im Z7, und das merkt man der Stimmung auch an. Diese war von Anfang an hervorragend und es herrschte auch schon gleich von Beginn an über ein rechtes Gedrängel, wie es sich für eine ausverkaufte Show halt auch gehört, ist ja schliesslich kein Kindergeburtstag.

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Die Bühne der aktuellen Ghostlightstour sah bäumig aus, mit der Treppe in der Mitte, auf der sich all seine verschiedenen Gastmusiker bei ihrem Auftritt feiern lassen konnten. Dafür musste Felix Bohnke mit seinem Schlagzeug und Miro Rodenberg an den Tasten zur Seite weichen. Aber so kam das Highlight auch richtig zur Geltung, und das Highlight einer jeden Avantasia Show sind nun mal all die Gastsänger die Tobias Sammet immer mitschleppt. Irgendwie fand ich es noch lustig, als bevor mit “Also sprach Zarathustra” das Konzert anfing, noch schnell ein AC/DC Song über die Anlage geschmettert wurde. Und ich glaub, dass ist einmal mehr dem Humor von Tobi zuzuordnen, kann mir gut vorstellen, dass dies ein Seitenhieb in Richtung Sängersuche war. Mystery of a Blood Red Rose war dann auch gleich der Eröffnungssong, und der einzige den Tobias Sammet alleine sang. Und es war ein kluger Schachzug mit dem durch die Vorausscheidung zum ESC allseits bekannte Song zu starten. Er hatte sogleich das komplette Publikum im Griff, und als er bei Ghostlights dann gleich den kultigen Michael Kiske auf die Bühne holte war das Z7 ein Tollhaus. Was jetzt kam war ein Marathon, die Sänger wechselten sich ab, Jorn Lande, Ronnie Atkins, Michael Kiske, Herbie Langhans, Amanda Somerville, Oliver Hartmann, Bob Catley, Eric Martin, sie alle kamen, sangen und brillierten. Natürlich war wurde das aktuelle Album Ghostlights massiv beworben und so waren dann doch sieben Songs im Set des Abends. Aber wie hat Tobi am Anfang gleich klar gemacht; wir spielen alten Scheiss, neuen Scheiss und mittelalten Scheiss, und er hat Wort gehalten. Apropos Wort, es gibt sie immer noch, die Konzertbesucher die den Tobias Sammet wohl noch nicht so kennen. Wenn der Bursche losgelassen wird, dann spricht er auch auf der Bühne, egal ob nun mit Avantasia oder mit seiner Hausband Edguy. Tobi darf das, kein deutscher Musiker hat annähernd so viel Unterhaltungswert auf der Bühne wie er. Klar wird er hin und wieder mal zu richtigen Plappertante, aber nochmals, Tobi darf das. Vorallem weil er spontan ist und es keine einstudierten Reden sind. Klar überspannt er den Bogen zeitmässig manchmal ein wenig, es wird aber trotzdem nicht langweilig und ich hab nicht ein einziges Mal auf die Uhr geschaut. Zudem leidet bei der genialen Songauswahl auch das Konzert nicht. Ich hab da in diesem Sommer diese “noch ein Bier Band” gesehen, ihr wisst schon welche, das war flach und raubte den Fluss. Aber das ist ein anderes Thema, also zurück zu Avantasia. Wie schon geschrieben die Songauswahl war grossartig, klar hab ich auch meine Favoriten wie die nicht gespielt wurden, aber dann müsste Avantasia wohl 12 Stunden spielen bis ich restlos glücklich bin, denn ich kenne leider keinen einzigen wirklich schlechten Song des Projektes. Richtig Freude kam bei mir auf als Scarecrow angespielt wurde, auf dieser Tour wieder mit Jorn Lande, und dieser Song gehört einfach zu Jorn. Seit ich Avantasia damals in Huttwil gesehen habe, brauch ich dieses Gesangs- Battle zwischen Tobi und Jorn im Zwischenteil, und sie haben es wieder gemacht, sind um sich rumgeschlichen und schmetterten ihre Einsätze.

Avantasia ¦Ghostlights ¦ Z7 ¦ Pratteln
Avantasia ¦Ghostlights ¦ Z7 ¦ Pratteln

Einmal mehr begeisterte mich auch wieder Eric Martin. Der Bursche ist stimmlich sowas von genial, ein richtiger Sympathiebolzen auch noch und wenn Tobi mal nichts mehr zu erzählen weiss, Eric wär ein würdiger Ersatz. Wer auch immer auf Punkt abliefert ist Bob Catley, Bob ist mit seinen 69 Jahren immer noch der charismatischste Sänger der Rockwelt, seine Gestiken sind so was von brilliant. Ich denk es jedesmal wenn ich Bob Catley live sehe, und das erste Mal ist nun auch schon annähernd 30 Jahre her. Herbie Langhans ist zum ersten Mal mit dabei, der Sinbreed Sänger ist vorallem in fast jedem Background mit von der Partie. Bei Draconian Love, welches die nächste Single werden wird, wie Tobi sagte, tritt er in den Vordergrund. Da ich auch ein Faible für Gothic Rock habe, gehört dieser Song klar zu meinen Favoriten vom Ghostlights Album neben dem zum späteren Zeitpunkt aufgeführten Let the Storm descend upon you. Es war ein echt grossartiger Abend, ich bin auch jetzt 24 Stunden später immer noch heiser. Einzig das Seven Angels und Sign of the Cross wieder zu einem Medley zusammengefasst wurden finde ich schade. Aber das ist Kritik auf allerhöchstem Niveau, weil, und das muss man sich jetzt vor Augen halten, es wurden 3 Stunden und 40 Minuten Spektakel geboten!!! Und deshalb, ich hab Avantasia damals in Huttwil an ihrer allerersten Liveshow überhaupt gesehen, und ich werde auch in Zukunft auf jeder Tour einen Avantasia Gig besuchen gehen. Dafür dass diese Band auf die Bühne geht, mit einem Aufgebot an Sängern deren Terminkalender wahrlich auch noch anders zu bieten hätten, dafür danke ich Sascha Paeth, dass er damals den Tobi dazu bewegt hat, dass Ding durchzuziehen.

Avantasia ¦Ghostlights ¦ Z7 ¦ Pratteln
Avantasia ¦Ghostlights ¦ Z7 ¦ Pratteln

Also sprach Zarathustra
(Richard Strauss song) (Theme from “2001: A Space Odyssey”)

Mystery of a Blood Red Rose

Ghostlights
(mit Michael Kiske)

Invoke the Machine
(mit Ronnie Atkins)

Unchain the Light
(mit Ronnie Atkins und Michael Kiske)

A Restless Heart and Obsidian Skies
(mit Bob Catley)

The Great Mystery
(mit Bob Catley)

The Scarecrow
(mit Jørn Lande)

Lucifer
(mit Jørn Lande)

The Watchmakers’ Dream
(mit Oliver Hartmann)

What’s Left of Me
(mit Eric Martin)

The Wicked Symphony
(mit Oliver Hartmann, Jørn Lande, Amanda Somerville, Herbie Langhans und Eric Martin )

Draconian Love
(mit Herbie Langhans)

Farewell
(mit Amanda Somerville und Michael Kiske)

Stargazers
(mit Michael Kiske, Jørn Lande, Ronnie Atkins und Oliver Hartmann )

Shelter from the Rain
(mit Michael Kiske und Bob Catley)

The Story Ain’t Over
(mit Bob Catley)

Let the Storm Descend Upon You
(mit Jørn Lande und Ronnie Atkins)

Promised Land
(mit Jørn Lande)

Reach Out for the Light
(mit Michael Kiske)

Avantasia
(mit Michael Kiske)

Twisted Mind
(mit Eric Martin und Ronnie Atkins )

Dying for an Angel
(mit Eric Martin)

Encore:
Lost in Space
(mit Amanda Somerville)

Sign of the Cross / The Seven Angels
(alle auf der Bühne)