Als ich mir die Platte zum ersten Mal durchhörte, dachte ich mir, nett aber mehr auch nicht. Nur konnte ich mir nicht vorstellen, dass Treat einfach nur eine nette Platte produziert haben, und von Anders Wikström bin ich mir einfach mehr als nur nette Songs gewohnt. So gab ich dem Album zum Glück mehr als einen kompletten Durchlauf, und mir jedem Mal mehr entdeckte ich immer mehr Highlights auf Ghost Of Graceland. Mittlerweile bin ich eigentlich soweit, dass ich die Platte auf Augenhöhe mit dem superben Comeback Coup de Grace von 2010 sehe. Und bin eigentlich auch mächtig froh, hat sich die Band nicht schon wieder aufgelöst, vor noch nicht so langer Zeit geisterte eben genau dieses Szenario im Internet rum, Comeback Album, Tour, Best-Of Album und weg. Zum Glück hat sich dies nicht bewahrheitet. Die Band hat nun auch schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel und debütierte 1985 mit Scratch and Bite, und schnell hat man sich im melodiösen Hairspray Rock einen Namen gemacht. Das dritte, in der damaligen Szene als Take it or Leave it Album, karriereweisende Dreamhunter stellte dann 1987 die Weiche auf Erfolg und bescherte der 1981 gegründeten Schwedenkombo mit World of Promises und Sole Survivor richtige Gassenhauer. Jetzt ist aber 2016, und Treat haben wieder ein Album haben wieder ein Album rausgehauen, welches nur so von Hitsingles gefüllt ist. Mit dabei nun auch Neuzugang Pontus Egberg am Bass, der nebenbei noch bei King Diamond den Tieftöner drückt. Das Album legt auch gleich mit dem Titelsong los, wieder einmal ein idealer Opener, nicht nur für die Platte auch für Konzerte perfekt geeignet, da der Song sehr schön mit Intro eingeleitet wird. Anders Wikstöm beschreibt das Album auch in einem Statement so; es ist Treat, da wo wir als Band heute sind, als Musiker, Songschreiber und Individuum, so klingt Treat 2016. Sie sind nicht mehr die jungen wilden Rocker von früher, die Texte haben unglaublichen Tiefgang, wenn man sich ein wenig mit ihnen auseinandersetzt. So nimmt uns der Titelsong Ghost of Graceland gleich mit in zwei Welten, in die von Anders und auf die Reise von Treat. Zudem ist der Titel eine Metapher zwischen Paradies und Gefängnis, und es liegt am Hörer zu entscheiden in welche Richtung es gehen soll. I Don’t Miss The Misery erzählt die Geschichte eines Mannes am Rande des Wahnsinns, der durch die Hölle geht, und am Ende wieder zurück ans Licht findet. Einer meiner Favoriten ist die Ballade Do Your Own Stunts, der geht zwar musikalisch stark in die Richtung von Get You On The Run von 1985. Aber für mich als Vater hat der Song eine noch tiefere Bedeutung, wenn man auf den Text hört. Dieser handelt davon, wie ein Vater versucht, seinen Kindern beizubringen, ein erfülltes Leben zu leben. Ein Kontrast zur zweiten Ballade auf dem Album. Together Alone, eine Riesennummer, die mir echt Hühnerhaut beschert. Und noch ein weiteres Novum hat Together Alone zu bieten, zum ersten Mal in der Geschichte von Treat singt nicht Robert Ernlund sondern Anders Wikstöm selbst. Ich habe jetzt aber in der Trackliste ein wenig vorgegriffen, zwischen diesen beiden Balladen hat es noch einiges an Melodien, die nicht unerwähnt bleiben dürfen. Too Late To Die Young zum Beispiel, hört Euch mal den Text auch hier genau an, vorallem beim zum Mitsingen animierenden Refrain. Wieviele andere Songtitel von Treat hört ihr da raus? Ich finde extrem clever gemacht. Richtig geiles 80er Rockfeeling kommt bei Alien Earthling auf, da fühl ich mich echt zurückversetzt in die 80er Jahre. Unglaublich, was Treat da wieder aus dem Ärmel gezaubert hat, ich könnt mittlerweile jeden Song lauthals mitschreien. Das einzige was ich jetzt aber schade finde, ist leider die Tatsache, dass das Album nicht gleich auf Anhieb zündet. Ich habe es eingangs schon erwähnt, es braucht einfach drei Durchläufe um erkennen zu können, was für ein Meisterwerk Treat hier abgeliefert haben. Dafür ist es ein extrem erwachsenes Album geworden, mit teils sehr ernsten Texten und Themen wie ich finde, verpackt in gute Laune Musik, ein richtig heisser Kandidat auf das Album des Jahres.