Bei der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) laufen so ziemlich alle Fäden in der Musikindustrie zusammen. Da ist es manchmal ganz interessant sich mit dem Gejammer der Industrie einmal auseinander zusetzen und mal zu schauen was da so abgeht. Nun hat die IFPI einen neuen Bericht veröffentlicht, laut dem die Ausgaben in den Bereichen Artists & Repertoire (A&R) und Marketing im Jahr 2017 einen neune Höchststand erreicht hat. Dies bedeutet gleichzeitig, dass Labels so wichtig wie noch nie geworden sind.

Die IFPI hat dafür gleich eine eigene Website aufgeschaltet, da kann man sich einmal die Zahlen vor Augen führen. So wurden 33.8% des globalen Umsatzes der Labels ins A&R und Marketing investiert, was gleichbedeutend ist mit 5.8 Milliarden Dollar. Dies sind rund 1.3 Milliarden Dollar mehr als noch 2015, also nur zwei Jahre zuvor. Diese 5.8 Mia splitten sich in 4.1 Mia für A&R und 1.7 Mia in Marketing. Es wird also massiv Geld investitet in die Akquisierung von neuen Künstlern oder in deren Betreuung. Wird zwar vermutlich ziemlich einseitig sein und der Bereich der Rockmusik wird da in der Nahrungskette wohl eher hinten anzusiedeln sein.

Ich frage mich trotzdem, ob Labels nicht ein Auslaufmodell sind und sie nur soviel Geld reinvestieren um ihren Arsch noch ein wenig über dem Wasser zu behalten. Plattenverträge sind längst nicht mehr so begehrt wie noch in früheren Jahren, für mich eher ein Auslaufmodell. Durch die sinkenden Einnahmen im Plattenverkauf ist eine Band nicht zwingend mehr an einem Label interessiert, wohl eher an einer Vertriebsorganisation. Aber auch der Vertrieb kann ohne grossen Aufwand als Direktvertrieb über die Bandeigene Internetseite aufgezogen werden.

Ich geniesse diese “Rekordzahlen” der IFPI also eher mit Vorsicht. Für mich ist die Investition eher eine Verzweiflungstat um noch möglichst lange aufzuhalten was nicht zu verhindern ist.