Annihilator sind zur gerade im Endspurt ihrer ausgedehnten Tour zum letzten Album und haben diesmal in Zürich halt gemacht. Vielleicht lag es auch daran, dass es trotz leicht umgestellter Setlist der zweite Gig innerhalb knapp eines Jahres war, dass das Dynamo gerade nicht so gut gefüllt war, wie es der Abend eigentlich verdient gehabt hätte. Vielleicht aber auch am Überangebot der Konzerte die zur Zeit in der Schweiz stattfinden, da investiert man sein Geld dann eventuell in andere Bands, wenn man im Oktober 2015 schon im Z7 war. Egal, der Abend, um es vorwegzunehmen, hat sich alleweil gelohnt und es wurde ein sehr unterhaltsamer Thrash Metal Abend geboten.
Angefangen hat eine mir noch unbekannte Band aus Melbourne namens Mason. Sie touren schon den kompletten Teil 2 der Europe In The Blood Tour mit Annihilator durch die Gegend. Und die Jungs aus Australien wussten durchaus zu begeistern. Beinflusst von den sogenannten Big Four schmetterten Sie eine Thrash Granate um die Andere ins Publikum. Zeitweise erinnerten sie mich an Metallica zu ihrer Ride the Lightning Zeit. Richtig gut gefallen haben mit auch die melodischen Parts innerhalb den Songs, obwohl das Tempo durchwegs hoch gehalten wurde. Auch doppelläufige Gitarreneinlagen zeigten wie tight die Band ist. Ich glaub es ist nicht von ungefähr, dass auf dem Debüt Warhead sogar Jeff Loomis von Arch Enemy einen Gastauftritt hatte. Zudem sind es richtig sympathische Jungs, die sofort nach dem Gig am Merch Stand für alle da waren. Der Bassist Steve Montalto selbst war schneller dort zu finden als ich vom Bühnenrand nach hinten gebraucht habe. Cooler Gig von den Jungs aus Down Under, genau das Richtige zur Einstimmung auf das was noch kommen sollte. Fotos von Mason gibt es hier

Mason - Live im Dynamo
Mason – Live im Dynamo

Nachdem der Song Murder vom Band gelaufen ist (wieso eigentlich), enterten die Jungs rund um den Kanadier Jeff Waters die Bühne. Jeff ist ja mittlerweile der einzig Verbliebene aus dem Original Line-Up von Annihilator, und seit einiger Zeit hat er auch den Posten am Mikrophon übernommen. So wurde auch gleich mit dem Titelsong des aktuellen Album Suicide Society vorgelegt. Gleich von Anfang an war klar, da auf der Bühne herrscht heute eine Menge Spass, und über die gesamte Konzertdauer, wurde um die Wette gegrinst und geblödelt. Jeff hatte teilweise richtig komödiantisches Talent bewiesen, mit seinen Spürchen über seine südlichen Nachbarn die Amerikaner. Aber auch Jeff hat bemerkt, dass das Dynamo nicht wirklich voll ist, was seiner Stimmung aber keinen Abbruch tat, geblödelt wurde dann halt in Proberaummanier. Selbst technische Probleme warfen ihn nicht aus dem Konzept. Für mich sah es so aus, als ob er die Stecker seiner Tretminien ausgesteckt hatte, bei seinem Rumgehopse. Die Band spielte seelenruhig weiter, solange bis Jeff fand, dass dieses eine verpasste Solo, ich glaub es war Creepin’ Again, unbedingt nachgeholt werden muss. Perfekt gemacht, finde ich, genauso gehören Pannen auf der Bühne bewerkstelligt. Danach lief es aber wie am Schnürchen, es gab einen Riesensong nach dem Anderen, nur unterbrochen von den schon erwähnten Slapstick Einlagen von Jeff Waters. Nach rund der Hälfte des nie langeweiligen Sets durfte auch der Neuzugang am Schlagzeug, Fabio Alessandrini, mit einem kurzen Schlagzeugsolo überzeugen, weshalb er in die Band geholt wurde. Ich selbst hab mich dann schon auf ein ellenlanges Solo eingestellt, was ich ja in jeder Form überflüssig finde, aber hey es geht auch anders. So kurz war noch kein Drumsolo, von daher ging es auch vollends in Ordnung, ich schau das somit als Vorstellung von Fabio an, einem von zwei Europäern in der Band des Kanadiers. Der andere Europäer ist Rich Hinks am Bass, er kommt aus England und sorgt neben den tiefen Tönen auch für die zweite Stimme, oder wie Jeff so schön erwähnt bei Second To None gleich für den Leadgesang, damit seine Stimme nicht ganz Flöte geht. Apropos Stimme, Jeff Waters ist selbstredend auch ein ganz akzeptabler Sänger, sonst hätte der Gitarrenperfektionist diesen Aktivposten wohl nicht selbst übernommen, jedoch mit zunehmender Spieldauer, kratzte es dann doch hin und wieder. Deshalb überliess er auch nur allzu gerne die hohen Alison Gesangspassagen dem Publikum, natürlich nicht ohne darauf hin zu weisen, dass man danach zwei Tage heiser ist, Danke Herr Doktor. Völlig verrückt, und deshalb auch richtig passend zum Abend im Übrigen das Brain Dance und Chicken and Corn Medley, cool vorgetragen. Auch der Counterpart an der Gitarre, der zweite Kanadier, Aaron Homma, passte perfekt zu Jeff, die beiden ergänzten sich hervorragend. Eigentlich recht erstaunlich wie toll alles harmonierte, weil die Band in dieser Zusammensetzung erste in Jahr existiert, Schlagzeuger Fabio kam sogar erst 2016 hinzu. Ein also rundum gelungener Abend, der mich schnell vergessen liess, dass ich eine Stunde zu früh vor dem Dynamo war, weil ich irgendwie eine falsche Zeit im Kopf hatte. So macht ein Konzert Spass, tolle Musik, mit tollen Musikern, die sich selbst nicht immer bierernst nehmen und dadurch einen ungeheuren Spass verbreiten. Zudem auch noch sehr publikumsnah waren. So erkannte Jeff Waters einen Hardcore Fan im Publikum, den er gleich per Handschlag von der Bühne aus begrüsste, bodenständig. Solche Konzerte wünsch ich mir echt mehr. Danke Mason, Danke Annihilator!!! Fotos von Annihilator gibt es hier

Annihilator - Live im Dynamo
Annihilator – Live im Dynamo