Die am Weihnachtstag 1975 gegründete Band Iron Maiden besucht wieder einmal die Schweiz. Zwei Jahre nach ihrem fulminanten Auftritt in Luzern darf diesmal wieder Zürich als Austragungsstätte eines Iron Maiden Konzertes herhalten. Was mir zwar nicht ganz einleuchtet ist, wieso man das Hallenstadion gebucht hat und nicht Open Air in einem Stadion auftritt, vielleicht war der Auftritt vor zwei Jahren dann doch zu verregnet. Aber egal, der grösste Musiktempel der Schweiz ist bis auf den letzten Platz gefüllt und Iron Maiden haben in ihrer Geschichte eigentlich noch nie wirklich enttäuscht, zu meckern gaben die Auftritte der Engländer rund um Bandgründer Steve Harris noch nie, oder nur ganz ganz selten. Die eisernen Jungfrauen sind ja eh bekannt für emsiges Treiben in und um die Band herum, mir kam mal zu Ohren, dass sie sehr gewissenhaft langjährige Businesspläne erstellen, was ja wohl schon vieles zur Professionalität der Band aussagt. Mit der aktuellen Legacy Of The Beast Tour bereisen sie jetzt ein weiteres Mal den Globus. Wie es der Tourtitel auch ankündigt ist der Hintergrund in diesem Jahr kein aktuelles Album, sondern man wird hier eher dem musikalischen Vermächtnis dieser grandiosen Band Tribut zollen. Live werden vorallem ältere Songs gespielt, darunter auch Songs die schon seit Jahrzehnten nicht mehr live gespielt wurden, wie zum Beispiel Flight Of Icarus. Die Vorbereitung zum Konzert in Zürich hat mir auch gezeigt, dass es von fast jedem Konzert der Tour der Briten auf Youtube nur so von Videos wimmelt. Einige sogar in hervorragender Qualität, ist zwar sicherlich cool solche Sachen anzuschauen, irgendwie aber auch beängstigend. Eines hat es mir aber gezeigt, Iron Maiden ist nach wie vor extrem angesagt und ich freue mich die Band auch im Jahre 2018 ein weiteres Mal live zu sehen.

Los ging es aber pünktlich um 19:30h erst einmal mit der Vorband. Auch diese ist mit Mark Tremonti’s Band Tremonti hochkarätig. Der Alter Bridge Gitarrist nutzt die Pause seiner Band um das anfangs Juni erschienene vierte Studioalbum A Dying Machine nun auch dem Publikum vorzustellen. Es stellt das erste Konzeptalbum der Band dar und konnte sich sogar auf Platz drei der Schweizer Charts platzieren. Dies bedeutet dann aber vorallem live die richtigen Songs auszuwählen, da diese ja aus dem Gesamtkonzept gerissen werden. So macht es auch durchaus Sinn, dass die drei Songs aus dem aktuellen Album in einem Fluss nacheinander in die Setlist eingebettet wurden. Eine Setlist die im übrigen Songs aus allen vier Alben von Tremonti umfasst. Erstaunt hat mich allerdings dass Take You With Me den Weg ins Liveset nicht gefunden hat, da schliesslich zu diesem Song ein Video abgedreht wurde. Vielleicht auch aus dem Grund weil Mark den Song anfänglich auch gar nicht aufs Album nehmen wollte. Blöde nur, dass man als Fotograf nicht die komplette Show mitkriegt, da nach den üblichen drei ersten Songs erst einmal die Kamera abgegeben werden musste, was im Hallenstadion immer etwas länger dauert. Super von der Security am Eingang, die uns Presseleute auch mit dem schon gescannten Ticket wieder raus und rein liessen, war auch schon anders. Trotzdem hab ich von der Show von Tremonti nicht soviel mitgekriegt um sie wirklich zu beschreiben zu können.

SETLIST TREMONTI

  • Catching Fire
  • Radical Change
  • Another Heart
  • You Waste Your Time
  • Flying Monkeys
  • My Last Mistake
  • Bringer Of War
  • Throw Them To The Lions
  • A Dying Machine
  • Wish You Well

Nach der Umbaupause gab es dann erst einmal eine Einweisung von der Iron Maiden Crew. Schnell war klar, es soll heute was geboten werden, und von Restriktionen keine Spur, so lob ich mir das. Dann ging es wie üblich bei Iron Maiden erst einmal mit dem UFO Klassiker Doctor Doctor ab Band los, bevor Winston Churchill seine Ansprache hielt um wie üblich bei ihnen zu Aces High rüber zu leiten. Die Spitifires die während der Rede auf der Leinwand gezeigt wurden fanden dann auch schon gleich Verwendung im Bühnenbild. Ein fulminanter Auftakt zur, wie sich herausstellen wird, grossartigen Show. Ein Blick in eine meiner zahlreichen Facebook Gruppen zeigt auch, dass bereits schon tags zuvor mit dem Bühnenaufbau begonnen wurde. Somit war mir auch klar, dass da mehr als eine Bühne in Europa rumreist. Denn tags zuvor war man ja noch in Mailand zu Gast. Nach Aces High bleibt man auch gleich thematisch im Zweiten Weltkrieg und präsentiert Where Eagles Dare, ein Song der die letzten 12 Jahre auch nur spärlich live gespielt wurde. Bruce in Winterausrüstung vor dem winterlichen Backdrop der wohl den im Song beschriebene Adlerhorst darstellen soll. Bei 2 Minutes To Midnight kochte die Stimmung im Publikum schon ein erstes Mal über. Bruce schon wieder in anderem Outfit, der leidenschaftliche Pilot hatte die gesamte Show über fast mehr Kleiderwechsel als jede andere Popprinzessin. Überhaupt präsentierte er sich als fast 60 jähriger fitter als jeder Turnschuh. Nach dieser Übernummer dann eine der wenigen Ansprachen die Iron Maiden heute hielten, eine Ansprache über Frieden und Freiheit. Somit war dann auch klar was folgte, The Clansman. Ansprache und Nummer hab ich mir auf dem Weg zur Kameraabgabe angehört und schaffte es rechtzeitig zurück in die ausverkaufte Arena, noch bevor sie mit The Trooper die nächste Hymne anspielten. Bei diesem Klassiker hatte dann auch Eddie seinen Auftritt und lieferte sich mit dem passionierten Sänger ein Duell mit dem Säbel. Es war eine schweisstreibende Show, die Band zeigte sich als extrem agil. Alleine die was Janick Gers mit seiner Gitarre als vollführte, glich eher einem Gitarrenzumba als einem Bedienen des Instrumentes. Auch Steve Harris war ein Aktivposten der auf der ganzen Bühne zu finden war. Die linke Seite war mit Adrian Smith und Dave Murray dann schon eher die ruhigere, was aber nicht heisst, dass sie sich nicht auszutoben wussten. Nur von Nicko McBrain dem Schlagzeuger war bisher noch nicht viel zu sehen, da er seinen Platz hinter einem Tarnnetz eingenommen hatte, welches dann aber während der Show noch weggeräumt wurde, als die Bühnendeko die militärische Optik verlor und rüber zu einer Kathedrale wechselte. Generell wurde fast zu jedem Song ein anderes, der Thematik entsprechendes Backdrop aufgezogen. Bruce holte Requisiten am Laufmeter hervor, sei es ein leuchtendes Kreuz wie bei Sign Of The Cross, oder dann seine Flammenwerfer um einerseits auch mal am Kreuz rumzufeuern aber mehr um Flight Of Icarus würdig zu thematisieren. Flight Of Icarus ist wohl die grösste Überraschung im Setlist, seit mehr als 20 Jahren nicht mehr live dargeboten, findet der Song seinen Weg zurück ins Repertoire von Iron Maiden. Präsentiert mit einem riesigen flügelschwingenden Icarus. Seinen antiken Sonnenflug wird zudem mit Pyros unterstrichen und eben mit Bruce’s Flammenwerfer. Dann der nächste Paukenschlag, Fear Of The Dark. Für mich immer wieder ein Phänomen der Song und immer wieder für diese Hühnerhaut Momente verantwortlich die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Ein komplettes Hallenstadion am Mitsingen der Gitarrensoli, so bitte gibt es sonst so etwas. Dies sind die Augenblicke die zeigen weshalb Livekonzerte immer wieder spezielle Momente sind, die sich so nicht auf einen Tonträger bannen lassen. Die Menge brodelt und es kommt noch krasser. Die Deko ändert sich in eine Hölle inklusive Dämonen, es ist Zeit für The Number Of The Beast, das Publikum tobt, die Bühne brennt die Musiker in bester Spiellaune. Was für ein Abend als die Band mit Iron Maiden ihr offizielles Set beenden. Natürlich kommen sie nochmals zurück, bringen The Evil That Men Do, Hallowed Be Thy Name und zu guter Letzt Run To The Hills. Das Hallenstadion auch sonst schon eher ein Schwitzkasten ist am Siedepunkt angelangt. Es geht kurz vor 23:00 Uhr ein Abend zu Ende von dem vermutlich nicht nur ich noch einige für lange Zeit schwärmen werden. Natürlich erwähnt Bruce am Schluss noch die englische Fussball Nationalmannschaft die um den Einzug ins Finale spielt, was er sich nichts sehnlicher wünscht. Jetzt beim Schreiben dieser Zeilen ist leider klar, dass es die Three Lions nicht geschafft haben und Bruce vermutlich ziemlich enttäuscht sein wird. Hingegen beim Publikum konnte ich kein einziges enttäuschtes Gesicht ausmachen, weder während der Show, noch beim Rausgehen oder auch heute zwei Tage danach, wenn von diesem Konzert gesprochen wird. Iron Maiden haben gehalten was uns eingangs beim Briefing gesagt wurde, es wird eine energiegeladene Show, genau das war es.

Meinen Dank möchte ich noch an All-In-One Communication für die Akkreditierung aussprechen, insbesondere an Barbara für die Betreuung vor Ort.

Setlist Iron Maiden

  • Aces High
  • Where Eagles Dare
  • 2 Minutes To Midnight
  • The Clansman
  • The Trooper
  • Revelations
  • For The Greater Good Of God
  • The Wicker Man
  • Sign Of The Cross
  • Flight Of Icarus
  • Fear Of The Dark
  • The Number Of The Beast
  • Iron Maiden
  • The Evil That Men Do
  • Hallowed Be Thy Name
  • Run To The Hills