Letzten Freitag ging für viele ein grosser Traum in Erfüllung. Helloween spielen wieder eine ganze Reihe an Konzerten zusammen mit Michael Kiske und Kai Hansen. Was noch vor einiger Zeit schier unmöglich galt wurde also doch noch wahr. Selbst ich habe immer wieder gezweifelt, nie geglaubt dass dies je statttfinden wird. Schon gar nicht in dieser Konstellation als Pumpkin United. Denn anders als andere Bands die sich auf eine Reunion einlassen machen es Helloween auf ihre eigene Art. Sie entlassen keine Musiker um diesen Traum wahr werden zu lassen, nein sie holen Kiske und Hansen einfach dazu, damit stehen neben Michael Weikath, Sascha Gerstner, Markus Grosskopf, Andi Deris und Daniel Löble geballte 33 Jahre Bandgeschichte auf der Bühne. Gebucht wurde für diesen Event die Samsung Hall. Wer nicht gerade mit den ÖV anreist musste sich wie ich durch den Feierabendverkehr quälen, der leider nie genau kalkuliert werden kann. So kam ich auf den letzten Drücker in der Halle an. Das Parkhaus war besetzt und nur dank der freundlichen Parkanweiserin durfte ich ausnahmsweise gleich in unmittelbarer Nähe parkieren, einmal mehr Freundlichkeit und Fragen siegen fast immer. Kurz meinen Pressepass abholen und rein ins Gewühl. Die Halle war gut gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft, aber schätzungsweise so an die 2500 Helloween Fans dürften sich auf diesen denkwürdigen Abend gefreut haben.

HELLOWEEN – PUMPKINS UNITED

Es war keine Vorgruppe angekündigt, es gab also nur Kürbisse pur heute abend, und dies nicht zu knapp. Für geschlagene 2 ¾ Stunden wurde ein Hit an den Anderen gereiht. Dabei gab es auch Songs zu hören, die schon Ewigkeiten in keinem Set von Helloween mehr aufgetaucht waren. Songs die zum Teil in diesem Jahrtausend nie mehr live gespielt wurden, fanden dank dieser Formation wieder den Weg ins Programm. Ganz aktuelle Alben kamen zwar ein wenig zu kurz wie leider auch die Pink Bubbles und Chameleon Phase (ohne Songs davon), aber hey das ist Jammern auf extrem hohen Niveau, den es wurde echt ein Best-Of Helloween Programm abgespult, welches kaum zu toppen war. Ich war schon mehr als happy, wieder einmal «I Can» und  «Why» live zu hören. Die 1984 in Hamburg gegründete Band hatte ja auch die feudale Ausgangssituation mit Kai Hansen, Michael Kiske und Andi Deris nun alle Sänger der letzten drei Dekaden auf der Bühne zu haben. Und alle drei hatten so ihre Parts. Den stressigsten Job hatten natürlich die Instrumentalisten, allen voran Daniel Löble und Markus Grosskopf, den auf Schlagzeug und Bass kann einfach nicht verzichtet werden und die beiden mussten die knapp drei Stunden im Alleingang abspulen. Aber wie auch dem Rest der Band hatten die Beiden sichtlich ihren Spass auf der Bühne. Man merkte es der Band im Generellen an, Helloween versprühte soviel gute Laune an diesem Abend, als wäre man selbst Fan von dieser Konstellation. Da waren nicht nur Musiker auf der Bühne die ihr Programm runterspulten, sondern da war eine Band auf der Bühne die Spass hatte und sich der Situation bewusst war, etwas Aussergewöhnliches zu präsentieren.

Es wurde alles geboten, es gab Gesangsduelle der Protagonisten, endgeile Gitarrenduelle und ein sehr emotionales Schlagzeugsolo. Ich erwähn es wieder, ich bin zwar kein Fan von solchen Schlagzeugsolo Geschichten, die für mich immer den Fluss einer Show nehmen. Diesmal jedoch trieb es wohl auch einigen altgestanden Rocker eine kleine Träne ins Auge. Daniel Löble begann die Kiste zu malträtieren bevor dann auf der Grossleinwand der leider viel zu früh von uns gegangene Ur-Schlagzeuger Ingo Schwichtenberg eingespielt wurde. Letztendlich gipfelte es in einem «Battle» zwischen Ingo und Dani. Eine Huldigung die mir auch beim Schreiben dieser Zeilen noch Gänsehaut hervorruft. Unterstützt wurde die Show durch eine grosse Leinwand hinter dem Schlagzeug, die alle Songs bildlich mit Comics und anderen Einspielern aber auch Videoüberblendern untermalte. Ich habe es schon erwähnt, es wurde ein Best- Of Set geliefert mit Schwerpunkt natürlich auf den ersten beiden Keeper Alben, die Alben die den Ruf der Band als Power Metal Institution zementierten. Demzufolge die Songs auch vom Publikum lauthals mitgesungen wurden, allen voran der Rausschmeisser I Want Out, obwohl am Schluss kaum einer rauswollte, zu geil war das Gebotene am Freitag Abend, die perfekte Einstimmung auf ein Wochenende.

Für mich hat das Konzert einige Shows die ich zuletzt von Helloween gesehen habe, vergessen lassen. Die Erinnerung der letzten Jahren, als Helloween Konzerte für mich teilweise als lustlos inszenierte Pflichtübung rüberkam, wurde ausradiert. Ich habe endlich wieder Helloween so gesehen, wie ich eine Band sehen möchte. Eine Truppe die auf der Bühne steht und sich freut zu spielen und jeden Quadratzentimeter der Bühne nutzt und Spass hat an dem was sie macht. So darf es ruhig weitergehen mit den Hamburgern. Eines möchte ich jetzt auch noch loswerden. Mir gehen nämlich die ewigen Hater auf den Sack, die Leute die Michael Kiske als einzigen legitimen Helloween Sänger sehen. Ich bin seit je her ein Andi Deris Fan und ein Michael Kiske Fan ebenfalls. Beide haben oder hatten ihre Berechtigung in der Band und der Freitagabend hat dies auch eindrücklich bewiesen. Ich habe zwei meiner Lieblingssänger in einer Band gesehen, beide haben abgeliefert, so dass keine Auge trocken blieb, auch wenn der Michi gesundheitlich noch angeschlagen war. Also lasst dieses blöde Geschwätz einfach mal sein. Ich sehe es nun als Mammutaufgabe für Hansen und Kiske, die für diese Tour, die noch weit bis 2018 dauern wird, ihre anderen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Ich erachte es nun als schwer, Gamma Ray und Unisonic wieder zu aktivieren. Mindestens einen Song hat man schon aufgenommen mit der aktuellen Besetzung von Pumpkin United, von einem Album wird hinter vorgehaltener Hand schon gemunkelt. Wenn ich mich festlegen müsste, ich würde es bei dieser Tour belassen, ein Traum wurde wahr und ist erfüllt. Kann es davon eine Fortsetzung geben, darf weitergeträumt werden? Es dürfte auch schwer für Helloween selbst werden, danach wieder in die alte Bahn zurückzugehen. Ich bin gespannt was da noch kommen wird, Helloween hat ein neues Kapitel aufgeschlagen, jetzt wird sich zeigen wann es zu Ende geschrieben wird.

Zum Schluss möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass zu diesem Konzerterlebnis der Mann hinter dem Mischpult sein Nötiges dazu beigetragen hat. Ich war zum ersten Mal an einem Konzert in der Samsung Hall und die Akustik hat mir extrem gut gefallen, keine Ahnung wie viel die Halle hier ausgemacht hat, aber auch in der besten Halle kann der Sound mies sein. Also die Kürbisse haben geil gespielt aber der Mann am Mischpult hat dem Ganzen noch das i-Pünktchen draufgesetzt. Meinen Dank auch noch an die Crew von Good News für die Akkreditierung.

Bilder

BANDCHECK

HELLOWEEN - PUMPKINS UNITED

  • Herkunft: Deutschland
  • Gegründet: 1984
  • Gesang: Andi Deris
  • Gesang: Michael Kiske
  • Gitarre: Michael Weikath
  • Gitarre: Sascha Gerstner
  • Gitarre: Kai Hansen
  • Bass: Markus Grosskopf
  • Schlagzeug: Daniel Löble

Aktuelles Album

SETLIST

  • Halloween
  • Dr. Stein
  • I’m Alive
  • If I Could Fly
  • Are You Metal?
  • Rise and Fall
  • Waiting For The Thunder
  • Perfect Gentleman
  • Starlight / Ride The Sky / Judas / Heavy Metal (Is The Law)
  • Forever And One
  • A Tale That Wasn’t Right
  • I Can
  • Drum Solo
  • Livin’ Ain’t No Crime / A Little Time
  • Why?
  • Sole Survivor
  • Power
  • How Many Tears
  • Eagle Fly Free
  • Keeper Of The Seven Keys
  • Future World
  • I Want Out