Der bekannteste Alpenübergang und die zur Zeit erfolgreichste Schweizer Rockband befinden sich aktuell gerade in einer Auftauphase. Beim Pass dauert es vermutlich noch ein wenig, erfahrungsgemäss bis etwa Pfingsten. Bei Gotthard, der Band, allerdings ist man bereits komplett aufgetaut und eisfrei. Mehr als 20 Jahre nach einer ersten akustischen Tour, die damals eher aus der Not heraus, weil man einfach keine neuen Songs in der Hinterhand hatte, folgt nun die Defrosted Part II Tour. Quer durch Europa führt die Reise und machte diesen Montag im Komplex 457 Halt. Nicht ganz ausverkauft, es gab noch ein paar wenige Tickets, dennoch aber sehr gut gefüllt zeigte sich Zürich in der Partylaune.

ERIC MARTIN

Los ging der Abend mit einer anderen prominenten Musikergrösse. Eric Martin fungierte als Special Guest und eröffnete mit der akustischen Klampfe bewaffnet pünktlich um 20:00h den Abend. Begleitet wurde der Amerikaner vom Briten David Cotterill, mir vorallem bekannt als Gitarrist der NWoBHM Legende Demon. Eric ist ein Sympathiebolzen und weiss gleich von Anfang an, wie man das Publikum zu fesseln weiss. Eine Vorgruppe dieser Grössenordnung muss man erst finden. Als dann schon bald der Cat Stevens Klassiker Wild World zum Besten gegeben wurde, hatten auch die Beiden den Saal im Sack. Sein Set bestand eigentlich nur aus Songs von Mr. Big wieso er aber heute abend To Be With You nicht spielte, entzieht sich meinen Kenntnissen, zwei Tage zuvor im Z7 war die Nummer noch im Set. Zeit hätte es auch noch gehabt, denn nach knapp 40 Minuten verliess ein gut gelaunter Eric Martin die Bühne und machte Platz für eine kurze Umbauphase.

Setlist

GOTTHARD

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr beginnt das nach Dschungel klingende Intro. Wie üblich bei vielen Bands betritt auch heute abend der Schlagzeuger zuerst die Bühne. So nimmt auch bei Gotthard Hena Habegger Platz und steigt in einen Groove ein der kurz später vom Percussionisten Andy Pupato unterstützt wird. Einer nach dem Anderen betritt unter den Zurufen des Publikums die Bühne bevor man gleich mit Miss Me vom aktuellen Album Silver ins Set einsteigt, welches wie sich zeigen wird über zwei Stunden dauern wird. Die Show wurde übrigens mitgeschnitten, wie auch die in Pratteln und vermutlich alle anderen auch, für eine allfällige Veröffentlichung zu einem späteren Zeitpunkt. Out On My Own folgt und gleich darauf folgt Bang bevor ich dann auch den Fotograben verlassen darf. Ich habe über die Jahre hinweg Gotthard schon einige Male live erleben dürfen, schon als sie noch als Vorgruppe von Magnum im Volkshaus auftraten, rockten sie die Hütte als gebe es kein Morgen mehr. Akustisch, resp. Defrosted, geht alles ein wenig ruhiger von statten, obwohl gegen Schluss dann auch ein paar härtere Töne ausgepackt werden. Ruhiger aber definitiv nur auf der Bühne, nicht vor der Bühne, denn das Publikum taut mit jedem Song mehr und mehr auf, keine Spur von Montagsblues heute abend im Komplex 457, wo auch der Sound in meinen Ohren für einmal wirklich gut ist, Kompliment an den Mann am Mischpult. Ruhiger kommen zwar die Songs daher, vielleicht eher schon entspannt aber nicht weniger interessant. Ich fand sogar einige Songs in dieser Form schon fast besser als in der rockigen Version. Ich für meinen Teil finde, dass vorallem die Percussion das Tüpfchen auf dem i ausgemacht hat. Andy Pupato war eine richtige Bereicherung und gestaltete jeden Song auf höchst interessante Art und Weise mit. Auf der Bühne wird rumgealbert, vorallem zwischen Leo Leoni, Marc Lynn und Nic Mäder werden Sprüche geklopft die für ein paar Lacher sorgen. Bevor Sweet Little Rock’n’Roller angestimmt wird folgt noch ein kurzer Ausflug ins AC/DC Lager. Nic, der mittlerweile in Zürich wohnt und schon einiges an deutschem Wortschatz angeeignet hat, versteht es hervorragend als Bindeglied zwischen Bühne und Publikum zu interagieren. So folgt auch die Liebeserklärung Beautiful als nächstes im Setlist. Feel What I Feel war an der Reihe bevor Hush, die Joe South Coversion vom ersten Album, angestimmt wurde. Anfänglich noch ein wenig verhalten, wurde das Publikum im Laufe des Songs aber immer lauter. Als dann Leo noch die in vielen Hallen ersichtliche Dezibelanzeige erwähnte, welche in Pratteln durchs Publikum massiv über die 100 dB anstieg, liess sich Zürich nicht lumpen. ein Zeichen des Mannes am Mischpult zeigte, dass Zürich diese Marke von Pratteln knacken konnte. Auch angefeuert natürlich durch die beiden Backgroundsängerinnen Maram und Barbara die während der gesamten Show, bis auf eine Ausnahme (One Life One Soul) Nic dezent im Hintergrund, oder auch am Bühnenrand neben ihm gesanglich ergänzten. Ebenfalls während dieser Tour zu Gotthard dazugestossen ist der italienische Tastenmeister und Keyboarder Ernesto Ghezzi. Wie schon erwähnt witzelten die Bandmitglieder untereinander rum, mal auf Schwyzerdütsch mal auf englisch. So erfuhren wir auch, das Marc während des Day-Offs am Tag zuvor im Hotel Formel 1 angeschaut hat, dass Basel wohl nicht Schweizer Meister wird, Zürich vielleicht bald einmal dran sein wird. Bei Remember It’s Me, dem ersten Song von Gotthard welcher mit Nic veröffentlicht wurde, handelt angeblich über Nic’s Auto, was wiederum zu einigen Sprüchen seitens seiner Bandmitglieder gut war. Letztendlich dementierte er dies natürlich, und gab zu, dass es selbstverständlich auch in diesem Song um Frauen geht. Obwohl gemäss repräsentativer Umfrage von Marc im Publikum mehr Biertrinker als Tequilatrinker im Saal waren, wurde mit Tequila Symphony No. 5 ein wahres Groovemonster losgelassen. Genau dieser Song gefällt mir in dieser Version besser als die auf CD veröffentlichte Aufnahme. In der Defrosted Ausgabe ist dieser Song ein wahnsinniger Killer. Die Setlist war ein kunterbuntes Allerlei durch die Karriere der Band. Schwerpunkt lag zwar schon bei den letzten Alben, aber es wurden auch die Klassiker ins Setlist eingebaut, die auf keiner Gotthard Show fehlen dürfen. One Life One Soul ist ein solcher. Nur mit Nic, Leo und Freddy auf der Bühne endete diese Nummer in einer Standing Ovation die mir die Haare beim Schreiben dieser Zeilen noch zu Berge stehen lässt, magisch sind solche Momente. Momente die so nur an einer Liveshow erlebt werden können. Lift U Up beendet das offizielle Set, auch hier zeigte das Publikum keine Blösse und ging richtig ab. Zugabe war angesagt, klar ein Song fehlte noch zu 100%, Heaven. Von Nic an den leider viel zu früh verstorbenen Steve Lee gewidmet, sang das Publikum so textsicher und lautstark mit, dass selbst Nic das Mikro nicht mehr brauchte. Irgendwann, irgendwo sieht man sich wieder, waren die letzten Worte von Nic Mäder am Ende des ersten Zugabeblockes, passender hätte der Abgesang nicht sein können auf Anytime Anywhere. Die Band liess sich feiern und liess sich nicht lumpen noch einen Song vom Stapel zu lassen, der hier in der Schweiz geschrieben wurde. Smoke On The Water war der letzte Titel des Abends, bevor ein restlos zufriedenes und glückliches, altersmässig kunterbunt durchmischtes Publikum nach mehr als zwei Stunden den Heimweg antrat. Ich werde Gotthard im Sommer nochmals in Schaffhausen sehen, auf den Festivals sollen sie noch Streicher dabei haben, ich bin echt gespannt wie sich dies dann nochmals auf ihre jetzt schon brilliante Vorstellung auswirken wird. Weil dies hier war ein Ohrenschmaus für Fans von handgemachter Musik. Ach ja, eines muss ich noch loswerden, Marc ich geb dir recht, they need us, but don’t deserve us. Es war für mich das Statement des Abends als wieder einmal über die Bassisten Sprüche gemacht wurden. Ich als Bassist unterschreibe dies zu 100% 🙂

SETLIST

BANDCHECK

ERIC MARTIN

  • Herkunft: USA
  • Gegründet: —-
  • Gesang & Gitarre: Eric Martin
  • Gesang & Gitarre: David Cotterill

Aktuelles Album

Eric Martin - Somewhere In The Middle

GOTTHARD

  • Herkunft: Schweiz
  • Gegründet: 1990
  • Gesang: Nic Mäder
  • Gitarre: Leo Leoni
  • Gitarre: Freddy Scherer
  • Bass: Marc Lynn
  • Schlagzeug: Hena Habegger
  • Percussion: Andy Pupato
  • Keyboards: Ernesto Ghezzi
  • Background: Barbara Comi
  • Background: Maram el Dsoki

Aktuelles Album

Gotthard - Silver