Ist schon eine ganze Weile her, seit Def Leppard sich mit einem neuen Studioalbum der Öffentlichkeit vorstellten. Die letzten Jahre feierte man fast nur die Jubiläen der Erfolgsalben aus den 80er Jahren. Dies zum Teil mit pompösen Shows in Las Vegas. Es ist ja zwar nichts ungewöhnliches bei den tauben Leoparden, sie sind ja bekannt dafür zwischen den Alben ein paar Jahre ins Land ziehen zu lassen, 7 Jahren sind aber auch für die Jungs aus Sheffield ungewöhnlich lange. Aber die Wartezeit hat sich gelohnt, aus verschiedenen Gründen. So glaube ich dass gerade diese Retroshows Def Leppard gezeigt hat, was das Publikum erwartet. Def Leppard sollen wieder den pompösen Stadionrock machen, welchen sie zu Hysteria Zeiten in Perfektion abgeliefert haben. Musikalische Weiterentwicklung ist ja gut und recht und bei einigen Bands auch angebracht, Def Leppard aber brauchen glaub ich keinem mehr zu beweisen was sie auf dem Kasten haben. Selbst die Songs von Slang waren gut, aber eben irgendwie nicht vom Publikum erwartet. Mein persönlicher Favorit von Def Leppard ist auch erst auf X erschienen. Nun ist die neue Platte also da, und ich glaub die Band hat es gewusst was sie abliefern müssen, nämlich Def Leppard, und wohl deshalb heisst der neue Longplay auch Def Leppard.
Und so singt Joe Elliott auch gleich zu Beginn Do you really wanna do this now ins Mikro. Let’s Go heisst der Opener, und der könnte echt auch auf Hysteria stehen, eine würdige Single, und garantiert ein Livekracher mit Mitsingpotential. Nahtlos knüpft Dangerous an, auch hier ich fühl mich 30 Jahre zurückversetzt, und wer bei dem Song an Photograph denkt liegt nicht grundsätzlich falsch. Invincible muss mir gefallen, schliesslich fängt der Song mit einem satten Basslauf an. Soundmässig erinnert er mich irgendwie ein wenig an A Flock of Seagulls Hit The More You Live The More You Love, was ich erst recht richtig geil finde. Der Song groovt einfach ohne Ende. Auch die altbekannten Chöre werden wieder massenhaft verwendet, wie zum Beispiel bei Sea of Love. 80er Jahre pur, auch wenn es alles viel erwachsener daher kommt, sie sind definitiv wieder in ihren Jugendjahren angekommen. Beim von Joe Elliott geschriebenen All Time High dominiert dann die Gitarre wieder ein ganzes Stück mehr, fällt vorallem deshalb auf, weil das Gitarrensolo krass nach Slash klingt, dennoch perfekt zum Song passt. Ob man Mann genug ist, kommt in der doch recht funky geratenen Nummer Man Enough, zur Frage. Mir gefällt der Song eigentlich am wenigsten von allen, aber ich war ja auch noch nie der grosse Funkliebhaber. Natürlich haben Def Leppard auch wieder ein paar Balladen mit draufgepackt, zum Beispiel den Titel We Belong. Speziell an dieser Nummer ist, hier hat jedes einzelne Bandmitglied seinen Gesang drauf verewigt, und nicht eine Stimme fällt ab, sondern passt verdammt gut in den 5 Minuten Song, auch wenn es nicht die grosse Schmelznummer der Engländer ist, genau dieser Sängermix macht aus dieser Nummer etwas Spezielles. Bei Battle Of My Own wird es sogar leicht bluesig, und Forever Young ist keine Ballade oder Coverversion wie ich vom Titel her schon vermutete (war bei We Belong auch der Fall). Nein Forever Young ist überraschend knackig geraten, schön rau und ein richtig gutes Riff.
Auch wenn Def Leppard nie richtig weg waren, getraue ich mich zu sagen, ein gutes Studio-Comeback. Jetzt wird es nur wieder Zeit auch in der Schweiz mit einem Konzert aufzufahren. Das letzte war 2006 im Volkshaus, und ich bin mir sicher mit solch einem Album im Gepäck, darf der Veranstalter ruhig wieder die grossen Hallen buchen.