Ich war schon länger nicht mehr im Komplex 457 für ein Konzert. Es ist zwar von der Lage her super zu erreichen, Parkmöglichkeiten hat es auch mehr als genügend dank dem nahegelegenen Einkaufscenter. Bei Konzerten ist aber leider die Akustik oftmals nicht der Hammer. Ich denke gerade die FOH Mischer sind hier jeweils doch recht gefordert, da das Innere mit Balkon und teilweise sehr niederer Deckenhöhe nicht gerade optimal ist. Deshalb bin ich auch gespannt wie es heute abend klingen wird wenn gleich vier doch recht harte Bands mit teilweise pfeilschnellen Riffs den Bau zum Beben bringen wird..

JINJER

Eröffnet wird dieses kleine Festival mit der ukrainischen Band Jinjer. Ich habe zuvor noch nie etwas von der Band gehört und mir deshalb schon am Nachmittag einmal ein Ohr voll reingezogen. Jinjer spielen Metalcore den sie oftmals mit anderen Elementen aus spicken, zum Beispiel wie ich hören werde mit Reggae. Jinjer wurden 2009 gegründet und nachdem sich der damalige Originalsänger Max gleich nach der Veröffentlichung eines ersten Demos in die Staaten abgesetzt haben. Damit die Band halbwegs weitermachen konnte, sprang vorübergehend Sängerin Tatiana Shmailyuk ein. Aus dem vorübergehend wurde ein bis heute dauerndes Engagement. Zudem ist Tatiana so etwas wie das Aushängeschild geworden bei Jinjer. Mittlerweile ist die Formation auf ein Quartett geschrumpft und begleitet Arch Enemey auf ihrer Will To Power Tour. Was es bedeutet gleich vier Bands an einem Abend auf die Bühne zu packen, die auch nicht gerade die Grösste ist, erfährt vorallem der Schlagzeuger Vladislav. In eine Ecke gedrängt steht sein Drumkit und geht so eigentlich schon fast in Vergessenheit, sobald er sich hingesetzt hat. Allgemein dreht sich bei Jinjer fast alles um Frontfrau Tatiana. Der Rest der Musiker ist eher unscheinbar nur von hinten ausgeleuchtet und es werden so fast nur die Umrisse wahrgenommen. Tatiana jedoch nützt die Bühne komplett aus und vollführt sowas wie eine private Turnstunde, kein Wunder hat sie sich Leggins angezogen. Beachtenswert finde ich auch den Auflauf der Fans in der Halle, die um 18:00h an einem Montag schon recht ordentlich gefüllt ist. Zudem scheinen im Gegensatz zu mir schon recht viele die Band zu kennen, den Jinjer werden gleich von Anfang an frenetisch gefeiert, was nicht nur an Tatiana liegt. Auch das Songmaterial ist wirklich gut. mir gefällt vorallem auch, dass sie viel Abwechslung in der Stimme hat, cleaner Gesang wechselt sich ab mit Growling. Da hat sich die Band aber wirklich etwas Gutes getan und die Band als permanentes Mitglied in die Reihen aufgenommen. Klasse Auftritt und sackstarker Beginn eines vielversprechenden Abends.

Setlist

  • Words Of Wisdom
  • Sit Stay Roll Over
  • I Speak Astronomy
  • Just Another
  • Pisces
  • Who Is Gonna Be The One

TRIBULATION

Nach einer kurzen Umbaupause war die Reihe an Tribulation. Auch Tribulation waren mit bis anhin nicht bekannt, ich konnte den Namen zwar einer schwedischen Death Metal Kombo zuordnen, dass war es dann aber auch schon. Es war auf alle Fälle richtig schön düster während dem Auftritt. Schleppende Death Metal Passagen wechselten sich ab mit schnellen Geschichten. Geschichten die aus der Welt der Vampire stammen. Blickfang ist Jonathan Hultén, mit mehr Schminke im Gesicht als die heute auftretenden Frontfrauen zusammen, kommt er ziemlich geschlechtsneutral mit einem stark feminen Touch auf die Bühne. Immer in Bewegung zelebriert die Songs und taucht ein in eine ganz eigene Welt. Ich fand die Songs teilweise recht interessant, stellenweise ein wenig an Iron Maiden erinnernd. Richtig feiern konnte man jedoch dann doch nicht dazu, auch das Publikum zeigte sich dann eher von der verhaltenen Seite. Nicht wenige Stimmen im nach hinein hätten es lieber gehabt, wenn Jinjer und Tribulation den Slot getauscht hätten.

WINTERSUN

Diesmal war die Umbauphase ein wenig aufwendiger. Hier merkte man, mit vier Bands im Gepäck wird es hinter der Bühne auch relativ eng wenn jeder sein Equipment mitbringt. So mussten die seitlichen Steller für den Wintersun Auftritt von vorne über den Fotograben aufgestellt werden und später auch abgebaut. Auf Wintersun war ich echt gespannt. Einerseits mag ich eigentlich fast alles aus Finnland, andererseits ist ihre Musik so herrlich atmosphärisch, dies wollte ich wirklich auch einmal live erleben. Eigentlich hätte ich auch Kai Hahto wieder am Schlagzeug erwartet. Er hat ja schliesslich bei Nightwish aktuell Pause, aber nicht er nahm Platz hinter dem Drumkit sondern wurde durch Rolf Pilve vertreten, mir bestens bekannt als derzeitiger Stratovarius Schlagzeuger. Wintersun haben im letzten Jahr mit The Forest Seasons ein Album der Extraklasse veröffentlicht und dies galt es nun zu promoten. Als Fotograf ist es ein Segen bei einer Band wie Wintersun im Graben zu stehen, wenn es heisst, nur die ersten drei Songs. Der Wintersun Auftritt dauerte eine Stunde und es wurden gerade mal sechs Songs gespielt. Kein Wunder bei den Finnen gehen die Songs nun mal locker 10 Minuten oder mehr. Mitten im Winter noch begann das Konzert dann aber mit Awaken from the Dark Slumber, dem Frühling auf dem aktuellen Album. Auf Tour verzichtet Sänger und Komponist der Wintersun Songs mittlerweile darauf die Gitarre selber zu spielen, sondern konzentriert sich vollends auf den Gesang was auch gut ist so. Damit hat er viel mehr Spielraum um mit den Fans interagieren zu können, was auch richig ausgekostet wurde. Bei Loneliness wurde die komplette Halle in ein Lichtermeer aus Feuerzeugen (old school) und Handy (digital kids) verwandelt. Überhaupt frass das Publikum Jari aus der Hand und die Band wurde richtig gefeiert ein idealer Anheizer. Damit die zweite Gitarre dann doch nicht vermisst wurde, befindet sich neu mit Asim Searah in der Band. Der Pakistani geizte nicht mit Mimik und liess seine dunkle Mähne vom Ventilator richtig durchlüften. Nach einer Stunde war dann leider schon Schluss mit einem richtig gut gelungen Auftritt, starke Leistung.

Setlist

  • Awaken From The Dark Slumber (Spring)
  • Winter Madness
  • Sons Of Winter And Stars
  • Loneliness (Winter)
  • Battle Against Time
  • Time

ARCH ENEMY

Diesmal liess man sich für den Umbau doch eine halbe Stunde Zeit bevor dann Motörhead’s Ace of Spades ab Band die Menge vorzuglühen begann. Ging dann auch gleich richtig los mit The World Is Yours, der ersten Auskopplung von Will To Power, und es gab kein Halten mehr. Hinter mir wurde schon mächtig mit Crowdsurfen begonnen und die Security dürfte sich über den ganzen Abend hinweg nicht wegen zu wenig Arbeit beklagt haben. Blickfang war auch diesmal klar die Kanadierin Alissa White-Gluz, mehrfach schon als die “heisseste” Metal Frontfrau gewählt worden wählte die komplette Bühne als ihr Arbeitsgebiet aus. Sie war überall zu finden, während ihre Mitstreite ihr wohlwissen Platz liessen, dass die Dame den Karren schon schmeissen wird. Es war ein lockerer Start Ziel Sieg den Arch Enemy hier verzeichnet haben. Hauptsächlich drehte sich bei der Songauswahl fast alles um die beiden Alben War Eternal und die aktuelle Platte Will To Power. Gut fand ich dass es auch Reason To Believe ins Setlist geschafft hat. Hier zeigt Alissa nämlich auch, dass sie neben ihrer hauptsächlichen Gesangstechnik auch den cleanen Gesang richtig gut beherrscht. Einmal damit begonnen, fällt mir dann aber doch auf, dass trotz der tollen Setlist die Abwechslung genau in diese Richtung ein wenig fehlt. Davon würde ich mir mehr wünschen von Arch Enemy, Alissa hat nämlich eine wirklich geile Singstimme, wie sie auch an anderer Stelle schon mehrfach unter Beweis gestellt hat. Arch Enemy haben jedoch alles richtig gemacht, sie haben sogar meinen Lieblingssong des aktuellen Albums gespielt, was selten genug vorkommt an Konzerten die ich besuche. Für einmal hat mir sogar die Akustik im Komplex nicht zu Denken gegeben, also alles in allem ein rundum gelungener Abend.

Setlist

  • The World Is Yours
  • Ravenous
  • Stolen Life
  • The Race
  • War Eternal
  • My Apocalypse
  • Blood In The Water
  • No More Regrets
  • You Will Know My Name
  • Bloodstained Cross
  • The Eagle Flies Alone
  • Reason To Believe
  • As The Pages Burn
  • Intermezzo Liberté
  • Dead Bury Their Dead
  • We Will Rise
  • Avalanche
  • Snow Bound
  • Nemesis
  • Fields Of Desolation

BANDCHECK

JINJER

  • Herkunft: Ukraine
  • Gegründet: 2009
  • Gitarre: Alan Ashby
  • Gitarre: Phil Manansala
  • Bass: Aaron Pauley
  • Schlagzeug: Valentino Arteaga

Aktuelles Album

Jinjer - King Of Everything

TRIBULATION

  • Herkunft: Schweden
  • Gegründet: 2001
  • Gesang/Bass: Johannes Andersson
  • Gitarre: Adam Zaars
  • Gitarre: Jonathan Hultén
  • Schlagzeug: Jakob Johansson

Aktuelles Album

Tribulation - Down Below

WINTERSUN

  • Herkunft: Finnland
  • Gegründet: 2004
  • Gesang: Jari Mäenpää
  • Gitarre: Teemu Mäntysaari
  • Gitarre:
  • Bass: Jukka Koskinen
  • Schlagzeug:

Aktuelles Album

Wintersun - The Forest Season

ARCH ENEMY

  • Herkunft: Schweden
  • Gegründet: 1996
  • Gesang: Alissa White-Gluz
  • Gitarre: Jeff Loomis
  • Gitarre: Michael Amott
  • Bass: Sharlee D’Angelo
  • Schlagzeug: Daniel Erlandsson

Aktuelles Album

Arch Enemy - Will To Power