Samstag 02.02.2019 und munteres Schneetreiben ist in den Wetterprognosen angesagt, da fahre ich doch lieber zeitig los, auch wenn es bei mir zu Hause von Schnee noch nichts zu spüren ist. Es geht wieder einmal ins Z7 nach Pratteln, ich war zwar jetzt schon eine zeitlang nicht mehr da, auch wenn es der wohl beste Liveclub für Konzerte ist, hier in der Schweiz. Für Fans wie auch Musiker gleichermassen beliebt, heute mache ich mich aber zum ersten Mal mit meiner Kamera auf den Weg nach Pratteln. Grund sind Amaranthe, die gut drei Monate nach dem sie in Zürich im Vorprogramm von Powerwolf gastierten, nun mit einer eigenen Headliner Show kommen. Aber auch die im Vorprogramm spielenden Follow The Cipher wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Mit Warkings war dann noch eine dritte Band im Billing.

WARKINGS

Ich habe mich im Vorfeld fast gar nicht mit der Band auseinander gesetzt, habe mir mal so beiläufig den Song Gladiator auf YouTube angehört, aber nichts weiter überlegt dabei. Aber die Kriegskönige kamen schon mal wuchtig auf die Bühne. Einzeln wurden sie vom Intro als Spartaner, Kreuzritter, Wikinger und römischer Tribun vorgestellt, komplett verkleidet und maskiert. Ja war den schon Fasnacht? Das von mir gesehene Video war also nicht nur schauspielerische Darbietung und scheinbar wollten die vier Musiker nicht erkannt werden. Dann bretterte ein gehöriges Stück Power Metal mit geschichtlichem Hintergrund auf die etwa dreiviertel gefüllte Halle hernieder. Mit nur einem Album im Gepäck war dann auch die Auswahl der Songs für die 30 Minuten Show auch nicht eine grosse Herausvorderung. Aber hey, wer dreissig Minuten mit Songs füllt, die es allesamt in sich haben, hat echte Songschreiber Qualitäten. Es gab keinen Song der abfällt. Nachdem ich mich aus dem Fotograben zurückgezogen hatte und mein Fokus immer mehr der Band galt, kam mir die Stimme dann doch extrem verdächtig bekannt vor. Das muss doch Georg Neuhauser von Serenity sein? Als dann auch noch die als Queen of the Damned angekündigte Melissa Bonny (eine der talentiertesten Sängerinnen der Schweiz, so nebenbei erwähnt) war es für mich bestätigt. Zu Hause gab es dann ein paar Nachforschungen und dann war für mich auch klar wer unter den anderen Kostümen steckte, es waren die Musiker von Souldrinker. Eine Hammershow die da abgeliefert wurde, so lässt es sich doch richtig gemütlich in einen Samstag Abend starten. Ich hoffe nur Warkings bleibt nichts einmaliges, live überzeugen sie mich zumindest noch mehr als auf der CD, die ich mir natürlich zulegen musste. Voll im Arbeitsgewand ging die Band übrigens nach dem Konzert direkt zum Merchandising Stand und zeigten noch Fannähe.

FOLLOW THE CIPHER

Follow The Cipher habe ich vor ein paar Monaten mal eher zufällig entdeckt als ich ein paar Videos aus den europäischen Festivals anschaute. Da entdeckte ich den Liveclip von Winterfall und ich fand es recht interessant. Da musste ich mir natürlich noch ein paar Songs mehr anhören und die überzeugten mich allesamt. Bei Follow The Cipher zog vorallem der Ninja mein Interesse auf sich, ich wollte da natürlich wer hinter der Maske steckt. Mit Ken Kängström ein, vorallem bei Sabaton Fans, kein Unbekannter. So war er einer der Songschreiber von Carolus Rex, ein Song den sich Follow The Cipher natürlich auch gleich in ihrer eigenen Version aufs Debüt gepackt haben. Auch sie waren nicht zum ersten Mal in der Schweiz, vor knapp einem halben Jahr zogen sie mit Lordi durch die Lande und hinterliessen eine erste Duftspur und so waren die Songs auch bei einigen nicht mehr ganz unbekannt und es konnte mitgesungen werden, vorallem natürlich bei Carolus Rex. Aber Follow The Cipher ist kein Sabaton Klon geworden, die Band hat ihre eigenen Trademarks. Gleich beim ersten Song Enter The Cipher wird einem dies auch klar, der zwar phasenweise auch starke Nightwish Parallelen besitzt, aber immer noch genügend Eigenständigkeit um ihr eigenes abstraktes Songuniversum zu schaffen. Ken hat sich hier ein paar richtig gute Musiker um sich gescharrt. Vorallem Linda Toni Grahn, die Sängerin hat eine eigene Stimme die einen hohen Wiedererkennungswert mit sich bringt, hat mich noch mehr überzeugt als auf den Livevideos die ich im Vorfeld gesehen habe. Ich denke da mal, dass es die Routine ist die sich nun so langsam eingeschlichen hat. Schade finde ich eigentlich nur, dass die meisten Ansagen von Gitarrist Viktor gemacht wurden. Für mich ist halt einfach die Sängerin der Kontakt zur Band, aber dies ist ja auch nur meine Meinung. Letztendlich zählt das musikalische und dies hat mich auch bei Follow The Cipher vollends überzeugt und wird bestimmt nicht die letzte Show sein die ich von der Band besuchen werde. Ich war während des ganzen Konzertes richtig gehend gefesselt und wollte echt keine Sekunde verpassen, grosses Kino.

AMARANTHE

Die beiden Vorbands legten die Messlatte ja schon mal recht hoch. Kann die Band rund um Elize Ryd das noch toppen? Oh ja sie können und wie sie dies können. Amaranthe legen einen aufs Parkett und zeigen eindrücklich wie eine ordentliche Samstagabend Unterhaltung stattfinden muss. Das Programm wurde klar von den Songs des aktuellen Albums Helix geprägt. Aber auch die anderen vier Alben wurden berücksichtigt und mir gefiel die Songauswahl wirklich extrem gut. Vorallem die neuen Songs kommen live extrem gut rüber, was bestimmt auch daran liegt, dass die Songs wieder gitarrenlastiger und härter waren als noch bei Maximalism. Selbst unvorhergesehenes hatte Platz in der Performance. So reichte aus dem Publikum jemand eine Vinyl Platte inkl. Stift auf die Bühne um diese auch gleich live signieren zu lassen, fand ich persönlich mal ne coole Aktion. Was aber wirklich der Oberhammer war, war die Soundqualität. Die ist zwar im Z7 generell immer gut bis fantastisch. Bei Amaranthe hat mir jedoch die Brillianz gefallen, die drei Stimmen wurden perfekt in Szene gesetzt und richtig geil in den instrumentalen Sound eingebettet. Wenn dann solch brillianter Sound, den übrigens schon die Vorbands hatten, aus dem PA dröhnen macht ein Konzert einfach nochmals doppelt so viel Spass. Spass hatten wohl auch die Musiker und dieser übertrug sich auf die komplette Halle bis in die hinteren Reihen. Auch den Vorteil drei Leadstimmen zu besitzen war offensichtlich, die Arbeitsteilung schlägt sich einfach auf die Qualität der Stimmen nieder. Elize nutze die Gesangspausen dann immer wieder mal für einen Kostümwechsel während ihre beiden Kollegen Henrik und Nils Präsenz markierten. Dank diesen drei Stimmen wird es auch echt nie langweilig und deshalb frag ich mich wirklich, weshalb Amaranthe ein Schlagzeugsolo ins Set einbaut. Zudem war es ja auch nicht irgendein super duper muss ich unbedingt gesehen haben Solo, sondern halt einfach ein Solo von Morten, der zwar sein Handwerk beherrscht aber mehr halt nicht. Ich bin ein wenig Solo geschädigt und deshalb ist es ja auch nur meine eigene Meinung, aber ich fand es einfach überflüssig. Anstelle des Solos hätte man ja noch Burn With Me ins Setlist einbauen können. Dieser Zeitüberbrücker war dann aber schnell wieder vergessen als nachher 365 angespielt wurde dem That Song folgte (mit ein paar Spässchen seitens Elize und Nils zum Titel) und mit dem Killersong Drop Dead Cynical das offizielle Set beendet wurde. Der Zugabenteil wurde dann von Bassist Johan eröffnet. Er durfte, bevor es dann wieder losging, ein wenig den Vortänzer spielen. Letztlich endete das Konzert mit The Nexus und einer überreichten Schweizer Fahne. Amaranthe lieferten richtig gut ab und machten auch richtig Lust auf mehr. Abzug in der Stilnote gibt es bei mir nur beim erwähnten Solo.